Freiraum

Image, Text, Blog and View

Der Ingeborg Bachmann-Preis 2013 – Eine Nachlese

Der Ingeborg Bachmann-Preis hat mich in den letzten Jahren nicht sehr interessiert, was auch an der Auswahl der Texte lag. Doch 2013 bleibt mir in sehr guter Erinnerung. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt so begeistert war, über die Qualität der Texte. Es gab keinen einzigen Text, wo ich dachte: warum hat man den oder die Autor(in) überhaupt eingeladen?

Beim jährlichen Wettlesen laden 7 Juroren jeweils 2 Autoren ein, die in Klagenfurt, der Geburtsstadt von Ingeborg Bachmann, ihre eigenen und nicht veröffentlichten Texte vorlesen. Direkt nach der Lesung diskutiert die Jury die Texte. Nach 3 Tagen kürt die Jury per öffentlicher Abstimmung den oder die Siegerin mit dem mit 25.000 Euro dotierten Ingeborg Bachmann Preis und die weiteren Preisträger.

Nachdem der ORF im Vorfeld signalisierte möglicherweise als Medienpartner des Preises in der Zukunft nicht mehr zur Verfügung zu stehen, entbrannte besonders im Netz eine Diskussion darüber. Gut so, denn am Sonntag machte der ORF-Chef Wrabetz ein klares Statement: »Der Bachmannpreis bleibt, weil er wichtig ist« Damit ist der Bachmann Preis für die kommenden fünf Jahre gesichert.

Mit der diesjährigen Bachmann-Preisträgerin Katja Petrowskaja hat man einen Glücksgriff gemacht. Schon nach ihrer Lesung gab es zurecht Bravo-Rufe. Ihre Geschichte um eine fiktive Großmutter in Kiew, 1941, wo die Deutschen die Stadt besetzt hatten, berührt einfach. Und sie schafft etwas, was ich kaum erwartet habe: sie gibt dieser wunderbaren Erzählung sehr viel Herz und Wärme. Ihren Text »Vielleicht Esther«, ihre Lesung sowie ein Künstlerporträt kann man sich über den Link anschauen, wie es auch alle anderen Texte u.a. als PDF zum Nachlesen gibt.

Der mit 10.000 Euro dotierte kelag-Preis der Kärntner-Elektrizitäts-Aktiengesellschaft, der 2. Platz, ging verdient an Verena Güntner für »Es bringen« mit dem schönsten Schlußsatz: »Es machte plopp«.

Wie spannend eine Lesung sein kann, zeigte der brillante Schauspieler Joachim Meyerhoff, der zum festen Ensemble des Wiener Burgtheaters zählt. Seine Erzählung »Ich brauche das Buch« war die unterhaltsamste Lesung. Auch wenn er für seinen Text keinen Preis erhielt, er blieb in Erinnerung.

In der Presse wurde besonders das hohe literarische Niveau gefeiert. Literatur kann u.a. spannend sein, neugierig machen, berühren, uns zum Lesen verführen. Das hat der diesjährige Bachmann Preis deutlich gezeigt.

Das Literatur und der Bachmann Preis keine geschlossene Veranstaltung ist, zeigte die App http://pingeb.org/ wo man sich an vielen Orten und Stellen in Österreich mit seinem Smartphone die Texte als E-Book herunter laden konnte. Von solchen Ideen und Umsetzungen wünsche ich mehr für die Zukunft.

Weiterführende Links: Wer Ingeborg Bachmann´s Stimme im Original hören möchte und etwas mehr über die wunderbare Autorin erfahren will, dem empfehle ich das Radio-Feature Auf dem Grund ist Dunkelheit genug.

Author: Stefan

Welcome to my personal microcosmos "Freiaum/Free Zone" in the most beautiful city of the world, in Hamburg. Just someone with a camera and a mission to record the extra and the ordinary. My hearts beats among other things for Photography, Culture and Art, Visual Art, Social Media, Communication, Storytelling, Music, Literature, Blog and Text.

Comments are closed.