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Lost Place

26 Comments

Esso House I
Es macht mich traurig und nachdenklich, wenn ich vor den Esso-Häusern in Hamburg, St. Pauli stehe. Der Abrisstermin ist verschoben worden. Die 3 Häuser mit insgesamt 110 Wohnungen waren für mehr als 50 Jahre ein bezahlbares Zuhause für viele Menschen gewesen. Im Dezember 2013 alarmierten mehrere Mieter die Polizei, dass die Wände wackeln würden. Darauf hin wurde die Häuser noch in der Nacht geräumt, wegen der möglichen Einsturzgefahr. Die Mieter durften nur das Nötigste mitnehmen und in den nächsten Tagen mit Begleitung kurz zurück kehren. Übrigens, die Holzbalken auf dem Foto sollen die Balkone abstützen. Das war bereits vor der Räumung so.

Esso-Häuser im Fokus (NDR-Reportage)
Die Fotografin Christiane Paul Krenkler hat die Esso-Häuser und ihre Mieter lange mit der Kamera begleitet. Auf Ihrer Website finden sich weitere Fotos zum Thema Esso-Häuser.

Das bringt mich u.a. zur Frage, wem die Stadt gehört? Für mich gehört sie den Menschen, den Bürgern die in der Stadt leben. Es gibt leider weitere Beispiele wo Stadtplanung- und Entwicklung aufgerufen sind ihrer Verantwortung nachzukommen.

Die Stadt hat ihre Würde verloren
In einer älteren “brand eins-Ausgabe”, gibt es ein lesenswertes Interview mit dem Architekten Dietmar Steiner. Das Interview schlage ich als Pflichtlektüre für alle Stadtplaner- und Entwickler vor. Zitat: “Wohnraum in Metropolen wird knapp und unbezahlbar. Warum? Weil die Politiker sich aus ihrer Verantwortung gestohlen haben, sagt der Architekt Dietmar Steiner.”

Mehr Informationen über die Geschichte der Esso-Häuser gibt es in der Wikipedia.Esso House III
It isn´t a local matter but happened in Hamburg. Let me short explain the story behind. The 3 Esso-Houses, named to the Esso Petrol Station, were builded in the early 60`s and were a payable home in the city with in total 110 flats in Hamburg, St. Pauli, close to the Reeperbahn. In December 2013, some tenants alarmed at night the police, that the walls were shaking. In same night, the police evacuated the three houses. Since then the three houses were a lost and abandoned place. The wooden beams on the photo should stabilize the balconies. The schedule for the demolition is again delayed. An investor will rebuilt a new complex. It makes me sad and thoughtful, staying in front of the houses which brought me among other things to the question, who does the city belong to? My view, to the people, citizens living in the city. There are many other examples where town planning and urban development in their responsibility made a wrong performance. The above article “Die Stadt hat ihre Würde verloren/ The City lost his dignity”, an Interview with the architect Dietmar Steiner is only available in German language. Please use a translating program. 

The photographer Christiane Paul Krenkler has been captured and accompanied the houses and tenants. On her website you will find more photos about the Houses.

Author: Stefan

Welcome to my personal microcosmos "Freiaum/Free Zone" in the most beautiful city of the world, in Hamburg. Just someone with a camera and a mission to record the extra and the ordinary. My hearts beats among other things for Photography, Culture and Art, Visual Art, Social Media, Communication, Storytelling, Music, Literature, Blog and Text.

26 thoughts on “Lost Place

  1. Tja, da weiß man nicht genau, ob man “Like” anklicken soll oder nicht. Danke fürs zeigen!

    • Danke für den Kommentar. Ich denke, es gibt in vielen Städten diese Thematik. Und doch hatten diese Häuser auch ihren eigenen Charme, wie die Fotografin dokumentierte und gehörten zum Stadtbild. Es sind nicht nur die Mieter betroffen. Da der Bereich großzügig mit hohen Holzplatten abgesperrt wurde, sind auch einige Ladenbesitzer von der Schließung überrascht worden.
      Stefan

  2. das stimmt einen schon melancholisch bedenklich….
    liebe Grüße,
    Marlis

    • Dankeschön, Marlis. Das stimmt. Vermutlich passieren solche oder ähnliche Vorgänge in vielen anderen Städten auch. Ich empfehle dazu auch den Link zum brand eins-Artikel.
      Liebe Grüße
      Stefan

  3. Wie unendlich traurig!
    Ich hab mir das Video angeschaut (Dank für den Link!)… es sind tief beeindruckende Bilder – ein kurzer aber nachhaltiger Einblick ins Schicksal der ehemaligen Bewohner der ESSO Häuser. Wie grausam muss das sein… – ich meine nicht, dort zu wohnen, sondern von einem Augenblick auf den anderen sein “Heimathaus” zu verlieren – mitunter 30 Jahre dort gewohnt zu haben, im Haus, im Stadtteil und dann von jetzt auf gleich dort in einer Nachtaktion dort rausgerissen zu werden – natürlich zur Sicherung des leiblichen Wohls, aber die Seele…

    Danke Dir, Stefan, für´s Zeigen. Das alles haben wir hier – so weit entfernt – natürlich nicht mitbekommen (ich sollte öfter N3 am Vorabend schauen!).

    Herzlich,
    Britta

    • Dankeschön, Britta. Häuser haben auch ihre Geschichte, wenngleich in diesem Fall, eine traurige. Ich hoffe, dass es der Fotografin Christiane Krenkler gelingen wird, eine Ausstellung mit ihren Bildern zu organisieren. Neben den Mietern sind auch einige Ladenbesitzer davon betroffen worden, da der Bereich groß abgesperrt wurde. Die Häuser gehörten mehr als 50 Jahre zum Stadtbild und waren zudem bezahlbare Wohnungen. Es ist ein lokales Thema, wo es vermutlich in vielen anderen Städten ähnliche Geschichten gibt. Es ist eine der essentiellen Fragen, wem die Stadt gehört. Auch das Interview mit dem Architekten, in brand eins, ist lesenswert.
      Herzliche Grüße
      Stefan

  4. Moin,
    ein schöner Artikel, Stefan. Die Balkone mußten also schon vor der Räumung gestützt werden, wg. Absturzgefahr und es hat niemanden interessiert, bis erst die Wände anfingen zu wackeln? Das ist unglaublich! Aber gut, das ist mit Sicherheit Kalkulation. Jetzt werden die Häuser abgerissen, die Menschen kümmert keiner und die Bebauung und neuen Besitzer werden andere Ansprüche haben. Traurig!
    Danke für die Links in Deinem Beitrag, sehr lesenswert.
    LG kiki

    • Moin, kiki,
      Dankeschön, für Dein Lob. Wenn ich richtig informiert bin, hat es seitdem Verkauf der Häuser in 2009 (es war in Familienbesitz) einige Gespräche mit dem neuen Eigentümer, der Bayerischen Hausbau, gegeben…ohne Ergebnis, da beide Seiten unterschiedliche Gutachten vorgelegt hatten. Die eine Seite, der Mieter, wollte sanieren, die andere Seite sagte, das es sich nicht mehr lohnen würde und wollte neu bauen. Die Frage, ob und in welchem Umfang wann hätte mit Sanierungsmaßnahmen begonnen werden müssen, kann ich nicht beantworten. Nur, das nichts passierte, hatte letztlich zur Folge, das für 2014 der Antrag für den Abrisstermin, vor der Räumung, bereits eingereicht wurde. D.h. wie in anderen Fällen auch, man lässt einer negativen Entwicklung ihren Lauf. Die Opfer sind die Mieter und auch die Ladenbesitzer, die ebenso nach der Zwangsräumung schließen mussten. Lt. NDR wartet noch jeder 5. Mieter auf eine neue Wohnung. Es ist wirklich traurig und macht nachdenklich.
      Liebe Grüße
      Stefan

  5. Danke für´s Teilen – wichtiges Thema …

    • Gern geschehen. Ich finde auch, das es wichtig ist und vermutlich in anderen Städten ähnliches passiert. Und es wirft Fragen auf, u.a. wem die Stadt gehört.
      Herzliche Grüße
      Stefan

  6. Ja, ich habe 1989 in HH gelebt, die Stadt hatte Flair, jetzt war ich oft, auch fuer laenger dort. Schön aufgeräumt, Schicki Micki ohne Flair.
    Sogar die Hafenromantik haben sie einbetoniert.
    Aber ich will nicht meckern, es sind meine Bilder und die Zeiten haben halt ihre Schattenseiten, laut National Geographic Magazin ist in allerspätestens 100 Jahren Hamburg eh Meeresgrundgeschichte
    Seufz

    • Danke für Dein Kommentar. Na ja, manches hat sich tatsächlich negativ entwickelt (u.a. zu viele Musical-Häuser und Zelte und Design-Hotels) und ich wünschte es gebe dafür mehr Flair, einen Brückenschlag vom alten Hamburg ohne die eigenen Wurzeln abzuschneiden. Dafür müssten aber die Stadtplaner sich bewegen, fernab von monetären Zielen und für die Menschen der Stadt, sie zu gestalten. Doch gibt es auch die Plätze mit Romantik und Flair. St. Pauli ist schon seit längerem im Wandel, gerade wenn man durch die Seitenstrassen geht. Seufz😉
      Herzliche Grüße
      Stefan

      • Harburg kommt irgendwann ganz groß raus.-)

      • Gut möglich🙂 Kommender Stadtteil der nächsten Jahre wird Altona werden. Ich vermute, ähnlich wie seiner Zeit in der Schanze, dass die besten Stücke bereits verteilt sind😉

      • Altona hat sich doch schon mega gewandelt, früher hatte ich dort ein wenig Schiss, jetzt Lohashausen

      • Warte mal ab: der Bahnhof Altona soll verlegt werden und das ganze Areal bis zur Holstenstrasse wäre dann frei. Ikea kommt im Juni in die Neue Große Bergstrasse und dort ist bereist viel gemacht worden. Da wird zukünftig noch viel passieren. Man spricht von einem Areal wo für bis zu 20-25.000 Menschen, die dort arbeiten und leben sollen. Die schlimme Zeit mit den Krawallen z.B. um die Fabrik u.a. ist schon lang her.
        Lohashausen kenne ich leider nicht.

      • Das Akronym LOHAS (nach engl. Lifestyles of Health and Sustainability) bezeichnet Personen, die einen Lebensstil pflegen, der von Gesundheitsbewusstsein und -vorsorge sowie der Ausrichtung nach Prinzipien der Nachhaltigkeit geprägt ist. Im Marketing handelt es sich um einen entsprechenden Konsumententyp.

        Häufig handelt es sich um Personen mit überdurchschnittlichem Einkommen.[1] LOHAS-Konsumenten sind beispielsweise Natur- und Outdoor-Urlauber, Kunden von Bioläden oder Biosupermärkten. Ihre Motive ähneln denen der Slow-Food-Bewegung.

      • Danke für die Erklärung🙂

  7. Das ist schon sehr deprimierend, die Geschichte mit den wackelnden Wänden wohl eher erschreckend, man darf sich gar nicht vorstellen was passiert wäre, wenn die Bude zusammengebrochen wäre.

    Hier, in und um Nürnberg ist es ja leider auch nicht besser, da gibt es hier sogar einen Blog (gesichterderstadt).

    Grüße,
    Rainer

    • Danke Dir. Ja, es passiert leider in zu vielen Städten, wo Immobilien und bezahlbare Wohnräume ein ähnliches Schicksal fristen, zu Lasten der Mieter. Früher nannte man es, den Gegner aushungern lassen. Auch bei den Esso-Häusern geht es meiner Meinung nach primär um den Wert von Grund und Boden. Für 2014 stand der Abriss bereits fest. Die Zwangsräumung im Dezember hat alles noch beschleunigt. Seufz, leider.
      Liebe Grüße
      Stefan

  8. “Bezahlbarer Wohnraum”, ja, der wird leider immer knapper.
    Ich frage mich oft, wie sollen die normalen Leute das bezahlen? Kenne auch schon einige, die es nicht mehr können und trotzdem steigen die Mieten in den Städten weiter.
    Das ist ein wirklich wichtiges Thema… WO sollen sie auf die Dauer wohnen?
    LG, Petra

    • Da hast Du Recht, Petra. In Hamburg hat man jahrelang die Entwicklung verschlafen und versucht nun langsam wieder auch bezahlbaren Wohnraum zu bauen. Aber das wird dauern. Es gibt bereits, wie mir jemand erzählte, schon Stadtteile ohne Kinder, da Schulen, Kikas usw. nur über Umwege zu erreichen sind. Eine kleine Familie, mit Mann, Frau und 1 Kind zieht es heute mehr in Richtung Bremen oder Richtung Schleswig-Holstein. Auch von den 110 ehemaligen Mieter der Esso-Häuser warten noch viele auf ein neues Zuhause.
      Ich denke, es braucht Mehr-Generationenhäuser u.ä. Projekte wo z.B. jung und alt zusammen leben, weniger leerstehende Büroräume. Wenn schon private Immobilien an auswärtige Banken usw. verkauft werden, dann mit mehr Sorgfalt und auch Unterstützung der Politik. Der Link zum brand eins-Artikel ist auch erhellend. Vieles muss sich ändern, auch wenn dies leider sehr viel Zeit in Anspruch nehmen wird. Doch sollte Politik nicht nur die Gegenwart bedienen sondern ebenso ausgerichtet sein, für zukünftige Generationen. Es ist ein wichtiges Thema was und noch lange beschäftigen wird.
      Liebe Grüße
      Stefan

      • Ja, das Problem ist es wird zu lange dauern… denn schon heute können viele das nicht mehr bezahlen. Ich sehe es an meiner Heimatstadt Münster, da ist es fast unbezahlbar. Ein Frau mit Kind/ern… wie soll sie das schaffen?
        Gilt sicher für alle großen Städte.
        Da ist viel versäumt worden.
        LG, Petra

      • Leider. Das ist ähnlich wie hier. Da fehlen ca. die letzten 10 Jahre und die kann man nicht 1:1 aufholen. Und ob die Mietpreisbremse wirklich helfen wird. Da habe ich meine Zweifel, da mit jedem neuen Gesetz weitere Schlupflöcher frei werden. Solange die Nachfrage größer ist, als das Angebot, werden die Preise steigen. Es sollten u.a. mehr private Wohnprojekte unterstützt werden und vor allem die Politiker sich ihrer Verantwortung stellen, wie Dietmar Steiner treffend bemerkt. Denn die Stadt gehört den Menschen😉
        Liebe Grüße
        Stefan

  9. Tolle Fotos, aber ein äußerst trauriges Thema – die Stadtplanung in Deutschland, die sich offenbar nicht mehr an den Bedürfnissen der Menschen orientiert…

    • Dankeschön. Leider ist es so. Denn Hamburg ist kein Einzelfall und bezahlbarer Wohnraum gerade in den Großstädten ist ein wichtiges Thema. Es ist so wie der Architekt im brand eins-Interview sagt und das ist fast schon wieder 2 Jahre alt. Das Handeln und Denken im Bereich Stadtplanung muss sich ändern um sich wieder an den Bedürfnissen der Menschen der Stadt zu orientieren.
      Herzliche Grüße
      Stefan