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Über Kader-Hygiene und den Tanz der Kollektive

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Der zweite Spieltag in der Fussball-Bundesliga untermauerte eine These, die auch im normalen Leben hilft: der Wille ist alles und höher einzuschätzen als das vermeintliche Können. Erfolgreiche Unternehmer wissen dies und stellen ihr Können als sekundäre Stärke da. Ohne den unbändigen Willen, wo es darum geht sprichwörtlich um sein Leben zu laufen, alles zu geben was man hat, gibt es keinen Erfolg. Wer es schafft mit Beginn des Spiels sich darauf zu konzentrieren erntet meistens die Lorbeeren.

Der Mann des Tages heißt André Breitenreiter, Trainer vom SC Paderborn 07. In den 90er Jahren spielte er für den HSV. 2013 machte er seinen A-Trainerschein und übernahm den SC Paderborn 07 und führte ihn als starkes und homogenes Kollektiv in die 1. Liga.

Der SC Paderborn siegte beim Hamburger SV verdientermaßen mit 3:0. Es war ein Spiel von 11 Einzelspielern vom HSV gegen eine Mannschaft, dem SC Paderborn 07. Auch in der Vorstandsetage vom HSV mag es nun dämmern, dass eine neu gegründete AG nicht alle Altsorgen entledigt. Was dem HSV fehlte, neben einem fast nicht vorhandenen Spielaufbau, fehlendes Tempo und Fitness, keine Variabilität, kaum Torchancen und ein bräsiges Auftreten. Und auch gegen Paderborn gilt die goldene Fussballregel: mit mehr Ballbesitz gewinnt man keine Spiele.

Heute darf man die Paderborner bewundern! Sie haben im ersten Heimspiel gegen Mainz 05 gezeigt, wie gut diese Mannschaft, die von den Experten als erster Absteiger vorhergesagt wurden, arbeitet und funktioniert. Ein Team wo die Spieler bei anderen Vereinen höchstens auf der Ersatzbank sitzen würden, mischt mit Willen, Mut, guter Taktik, Körperlicher Präsenz und konzentriertem Spielaufbau die Liga auf. Bitte weiter so! Solche Farbtupfer sind das Salz in der Ligasuppe. Zwei Zahlen dazu: der Lizenzspieleretat beim Hamburger SV beträgt 40 Millionen Euro gegenüber dem niedrigsten Etat der Liga mit 15 Millionen Euro beim SC Paderborn 07.

Es wird wieder an der Elbe frühherbstlich werden und der neue HSV-Chef Dietmar Beiersdorfer muss sich der Frage stellen, ob diese Mannschaft es einfach nicht kann und will. Der Trainer Mirko Slomka ist die Leidtragende Figur. Über ihn wird in den nächsten 14 Tagen, wegen der Länderspielpause, öffentlich wieder diskutiert werden. Sollte es im nächsten Spiel in zwei Wochen gegen Hannover 96 keine erkennbare Leistungssteigerung geben, wird auch die frische Hamburger Luft für den Trainer dünner werden. Denn auch in Hamburg wird der Name des ehemaligen Trainer von Mainz 05, Thomas Tuchel, von den Medien gerufen.

Was negativ auffällt. Die Reflexe des Boulevard samt seiner Sturmtruppen gehen im Falle von Schalke 04 Trainer Jens Keller mit grober Unsportlichkeit vor. Selten wurde ein Trainer so oft ins Abseits geschrieben, wie der Trainer von Schalke 04. Die bittere Erkenntnis dazu. Im Fussballgeschäft zählen keine Vereinsrekorde oder die beste Rückrunde aller Zeiten, wie in der vergangenen Saison. Auch das abermalige Erreichen der Champions-League wird nicht dafür sorgen, dass Jens Keller über das Saisonende hinaus Cheftrainer bleiben wird. Sein Vertrag läuft 2015 aus und Thomas Tuchel wäre nach seinem Sabbatjahr ablösefrei zu haben. Und Typen haben in der Liga Konjunktur.

Was war noch? Wenn Fussballtrainer in die Bildsprache abgleiten. Mirko Slomka vom Hamburger SV sprach in dieser Woche von der “Kader-Hygiene”, die es einzuhalten gilt. Um es pragmatisch zu sagen: er muss ordentlich bei den Spielern durchwischen und schon jetzt die Spieler aussortieren, die nicht mitlaufen wollen und können…im Sinne einer gepflegten Kader-Hygiene. Noch sind die Stellschrauben für Erfolg und Misserfolg nicht fest gezogen.

Am Montag um 12.00 Uhr endet die Transferperiode. Bis dahin wird es vermutlich noch eine Reihe von Last Minute Deals geben. Es bleibt spannend!

Author: Stefan

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22 thoughts on “Über Kader-Hygiene und den Tanz der Kollektive

  1. Manchmal istmein Abstieg nicht schlecht, Paderborn hat nichts zu verlieren, im Moment. Wenn es darum geht einen Platz zu halten, werden auch sie verlieren.
    Thomas von Heesen sagte mir einmal, Fussball ist in der Liga mehr Psychologie, als technisches Können.

    • Recht hat Thomas von Heesen. Psychologie ist der Wille der über Können steht. Wie sagte Christian Streich (SC Freiburg) treffend: wir freuen uns über jedes Jahr wo wir in der 1. Liga spielen dürfen.
      In Paderborn oder Freiburg werden die Lichter nicht ausgehen, wenn sie absteigen sollten. Doch sind gerade solche Clubs und Spiele wie gestern das Salz in der Suppe.

  2. Wir könnten den HSV und den VfB (Stuttgart) mal mischen, schütteln und rühren. Oder nein, gerührt nicht geschüttelt, und dann schaun wir mal was passiert.
    Am 17.12. ist es soweit, dann spielt Not gegen Elend.

    • Das wäre ein interessantes Modell. Armin Veh kennt Hamburg ja noch. Beide Mannschaften müssen sich steigern. Sonst spielt wirklich Not gegen Elend. Und die Mittel sind bei beiden Vereinen mehr als beschränkt. Ich kenne die Erwartungen in Stuttgart nicht. Hier wäre man schon zufrieden, wenn die Mannschaft einen erkennbaren Willen zeigt. Gestern war wieder ein neuer Tiefpunkt.

      • Ich glaube, Stuttgart hat keine Erwartungen, außer Veh als Heilsbringer, irgendwie, was ja schon fast scheitern muss. Ohne dass Armin Veh etwas dafür kann.
        Ein wenig Willen habe ich meine ich (im Stadion) gesehen, aber wenig Biss und fehlende Ideen. Dabei war die Stimmung nicht schlecht und das Stadion fast voll.

      • Wenn der VFB Veh als Heilsbringer sehen, dann wird es kritisch. Er wirkt in den Interviews die ich gesehen habe, jetzt schon dünnhäutig. Das Spiel gestern habe ich nur in Ausschnitten gesehen. Dennoch hat Stuttgart für mich Potenzial, gute Spieler, wenn es gelingt schnell die individuellen Fehler abzustellen. Jetzt glaube ich, geht es gegen die Bayern und dann geht es gegen Dortmund. Es wird nicht einfach werden. Ich drücke dem VFB die Daumen.

  3. In der Hoffnung
    auf kaderhygienisch saubere Wochen
    grüßt herzlich
    KarlHeinz

    • Es bleibt vor allem spannend und wir werden sehen, wie es in zwei Wochen weitergehen wird.
      Aus dem heute mal grauen Norden grüßt Dich herzlich
      Stefan