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Dark Shadows

24 Comments

Memorial I
Der lange Schatten der Geschichte fest gehalten auf einer Bronzetafel, für gefallene Soldaten des 1. Weltkrieges. 2014 ist ein besonderes Jahr. Vor 100 Jahren begann der 1. Weltkrieg und am 1. September, vor 75 Jahren, begann der 2. Weltkrieg. Laut Wikipedia gibt es in Deutschland mehr als 100.000 Kriegerdenkmäler. Immer wenn ich Kriegerdenkmäler sehe, habe ich dazu ein merkwürdiges Gefühl und ambivalentes Verhältnis. Denn ich möchte alte Kriegerdenkmäler nicht glorifizieren. Für mich ist das Foto jedoch ein Symbol und hat eine eigene Sprache. Durch den besonderen Lichteinfall der Sonne und dem langen dunklen Schatten ist es auch ein Symbol der Warnung, wie sehr der Schatten der Geschichte nach wie vor präsent ist.

„Sometime they’ll give a war and nobody will come“
„Stell Dir vor es ist Krieg, und keiner geht hin“/ oft Bertold Brecht zugeschrieben
Carl Sandburg (1936) from his poem: “The people, yes” / sometimes attributed to Bertold Brecht

The long shadow of history captured on a bronze plaque for fallen soldiers of the WWI. This year, 2014, is a very special year. 100 years ago the WWI began and on September 1, 75 years ago, the WWII began. According to Wikipedia, there are more then 100.000 war memorials in Germany. Always when I am seeing war memorials, I am having a strange feeling and ambivalent attitude about this. Because I don´t want to glorify old war memorials. But for me the photo is still a symbol and has it´s own language. The sun reflected the bronze plaque with a long and dark shadow. It is, one may say, still a warning and shows that the long shadow of history still has been present.
Memorial II

Das ist mein Beitrag für:/ This is my contribution for: Pabuca/War

Author: Stefan

Welcome to my personal microcosmos "Freiaum/Free Zone" in the most beautiful city of the world, in Hamburg. Just someone with a camera and a mission to record the extra and the ordinary. My hearts beats among other things for Photography, Culture and Art, Visual Art, Social Media, Communication, Storytelling, Music, Literature, Blog and Text.

24 thoughts on “Dark Shadows

  1. Guten Morgen, Stefan. Ein eindrucksvoller Artikel. Mir geht es mit Kriegsdenkmälern genauso. Lieben Gruß, Peggy

    • Guten Morgen, Peggy. Dankeschön, für das Kompliment. Ich denke, dass Bild hat seine eigene Sprache und Symbolik.
      Liebe Grüße von der Elbe an die Themse
      Stefan

  2. Beeindruckende Bilder Stefan. Interessant finde ich wie hier die Schatten zur Geltung kommen. Sie wirken so wie ein Tuch aus Zeit, dass die Tafeln teils abdeckt, teils freigibt. Finde ich sehr gut dargestellt.

    • Herzlichen Dank Markus, für das Kompliment. Dieser Kontrast den das Licht erzeugt hat, halb verdeckt und halb im dunklen Schatten, war für mich das Entscheidende. So bekommt das Bild eine eigene Sprache.

  3. Eine ebenso feinsinnige wie tiefsinnige Aufnahme. Kompliment.

    • Herzlichen Dank für das Kompliment. Das freut mich. Ich finde die Bildsprache bedenkenswert, weil der Schatten der Geschichte sozusagen bis heute präsent ist.

  4. Ich mag ja Friedhöfe, besonders die Ecken, in denen noch die richtig alten Grabstätten liegen. Leider finde ich Kriegerdenkmäler allesamt – also zumindest die die ich gesehen habe – nicht wirklich schön. Wobei es natürlich unpassend ist, in diesem Zusammenhang von Schönheit zu sprechen. Ich meine eben, dass sie immer so klotzig und klobig aussehen, so mahnend und bedrohlich. Dabei stehen diese Denkmäler doch für das Gedenken an die im Krieg gefallenen Soldaten, sprich für Menschen… Mein Großvater ist im 2. WK in Mittelrussland verschollen. Auch wenn ich ihn nie kennengelernt und den Krieg nicht miterlebt habe, verweile ich trotzdem an diesen Denkmälern, um ihm einen Gruß zu schicken.

    Danke für Deine Bilder.

    • Dankeschön. Friedhöfe und deren Stimmung mag ich auch. Mir ging es darum eine symbolische Bildsprache zu finden und einen Bogen von der Vergangenheit zu Heute zu spannen. Es würde weiter helfen, gebe es Informationen zu den Denkmälern oder Infotafeln. Doch im Wort Denkmal stecken auch die Wörter “Denk” und “mal” und wenn ein Denkmal zum Nachdenken anregt, hat es seinen Zweck bereits erfüllt. Herzlichen Dank für Deinen Worte.
      Herzliche Grüße
      Stefan

  5. Krieg ist etwas schreckliches, weil viele Menschen unschuldig in den Tod gerissen werden. Ich bin gerade in Kroatien, wo vielerorts Kriegsdenkmäler stehen. Schön oder nicht schön ist in diesem Zusammenhang kein Thema, vielmehr ist es, wie du schreibst, die Symbolkraft, die von solchen Orten ausgeht: Erinnerung an das Schreckliche und der Aufruf, Konflikte menschenachtend anzugehen und sich für eine friedliche Lösung einzusetzen.

  6. Hallo Stefan, ich schließe mich an, der Schatten in seiner Symbolik ist eindrucksvoll, aber ob das vielen Vorbeieilenden so aufgefallen wäre? Dazu muss man ihn wahrnehmen und solche Gedanken zulassen. LG, Conny

    • Dankeschön Conny. Ich versuche oft die kleinen Details heraus zu filtern und dadurch eine andere, vielleicht neue, Perspektive und Bildsprache zu finden. So spricht das Bild in seiner eigenen Sprache und bringt vielleicht einige zum Nachdenken.
      Liebe Grüße
      Stefan

  7. Lieber Stefan,
    geht es dir auch so? Irgendwie ein seltsames Gefühl, sie zu sehen. Allerdings sollten die Menschen auch nicht vergessen werden. Sehr viele wurden ja “nur” geschickt oder sind der Propaganda erlegen. Und sowas weckt halt die Erinnerung. Die Erinnerung an die langen Schatten, die immer da sein werden und die du beschreibst und für die das Bildmotiv wunderbar steht. Die aber vor allem bei denen, die mit Krieg Geld verdienen und ihren Helfern in der Politik, schnell vergessen sind. Und irgendwelche Reden dazu, verkommen zu Floskeln. Und auf die Propaganda fallen die Menschen bis heute rein. Leider!
    Liebe Grüße
    Ute

    • Liebe Ute,
      manchmal würde es helfen, es gebe mehr Informationen über die Denkmäler. Zu dem von mir fotografierten Kriegerdenkmal kann ich nur sagen, nach Recherche, dass es in den 20er Jahren gebaut wurde. Vermutlich werden es Anwohner aus dem Stadtteil gewesen sein, die im 1. Weltkrieg gestorben sind. Ob sie jubelnd oder zweifelnd in den Krieg gezogen sind, weiß ich nicht. Und trotzdem liegt ein Schatten auf ihnen, der auch heute seine Aktualität hat, wenn man auf die Krisengebiete schaut. Es ist eine schwere Aufgabe die Information von der Manipulation und die Reden von der Propaganda zu unterscheiden. Dahingehend haben sich die Zeiten nicht verändert. Vieles kommt historisch betrachtet wieder. Und wenn uns ein Denkmal daran erinnert und zum Nachdenken anregt, hat es seinen Zweck erfüllt. Und in Hamburg gibt es noch viele solcher Spuren in die Vergangenheit.
      Liebe Grüße
      Stefan

      • Lieber Stefan,
        ja mehr Infos würden helfen. Und mit dem Jubel und den Zweifeln, das hielt sich wahrscheinlich die Waage. Und wenn man man in Büchern liest, kommt die heutige Propaganda und Lage der damaligen sehr nahe. Und es ist sehr schwer zu unterscheiden, was Dichtung und was Wahrheit ist.
        Und so mancher heutige Kriegsherd wurde auch in den letzten Jahren/Jahrzehnten mit Fleiß geschaffen. Und nicht von denen, wo jetzt der Krieg stattfindet. Was für ein böses Spiel.
        Es gibt auch fragwürdige Denkmäler…die eher unter die Kategorie Denkmal im Sinne von alt und deswegen erhaltungswürdig gehen. Und genau die damalige Helden-Propaganda wiederspiegeln.
        Ich glaube, es gibt überall noch Spuren der Vergangenheit. Man muss sie nur sehen. Viele tun das nicht. Deswegen hatte ich auch Zweifel, ob die Frauenkirche in Dresden (2.Weltkrieg) wieder aufgebaut werden sollte. Das war eine sehr deutliche Spur des Wahnsinns. Aber es war gut so. Sie ist mehr denn je, Symbol gegen das Vergessen.

        Und so manchen würde ich auch gern hin schicken. Nach dem, was von unserm Bundesgrüß wieder in Polen zu hören war, stellen sich einem die Nackenhaare auf. Was sind das nur für Menschen! Und in dem Fall noch ein ehemaliger Pastor. Schämt der sich nicht!😦

        Liebe Grüße
        Ute

      • Liebe Ute,
        die Welt ordnet sich neu. Es entstehen neue Allianzen und Bündnisse. Wer in den 90er Jahren sagte, dass wir an einer Zeitenwende stehen, kann man jetzt feststellen: wir sitzen mittendrin und schauen nachdenklich bis traurig in einen möglichen Abgrund. Ich bin dafür, an das zu Erinnern, was eine Stadt, ein Land und seine Geschichte ausmacht, im positiven wir negativen Sinne. Mit der Symbolik kann man einen Bogen schlagen und ebenso auf aktuelle Veränderungen aufmerksam machen. Ich vermag nicht zu beurteilen, ob viele diese Spuren sehen oder nicht. Es bleibt der Wunsch, dass möglichst viele diesen Spuren mal nachgehen. Und Bildung hilft auch dabei.
        Wenn man sich die letzten 200 Jahre in Europa anschaut, gibt es berechtigte Zweifel, ob ein dauerhafter Frieden möglich ist. Hauptantrieb war die Selbstbestimmung, welches ein Grundrecht eines jeden Landes ist einschliesslich territorialer Grenzen. Denen den heute der geistige Gaul enteilt ist, sollten in Demut in der Geschichte nachlesen und anfangen zu lernen und zu verstehen. Leider wird derzeit verbal aufgerüstet. Statt zu integrieren und zu versöhnen werden alte und neue Gräben gezogen, Türen verriegelt und der Schlüssel dazu weg geworfen. Und es findet sich ebenso der Hang zum Bellizismus. Diese Dummheit ist leider, was die unabsehbaren Folgen betrifft, gefährlich. Für uns heißt es intensiver hinzuschauen, zu hinterfragen und manche Propaganda und Manipulation zu enttarnen. Das diese Aufgabe schwer bis unmöglich scheint, macht es nicht leichter. Es sind schwierige Zeiten und sie werden nicht leichter werden. Das ist leider kein Trost aber eine Aufgabe.
        Liebe Grüße
        Stefan

      • Damit hast du die derzeitige Lage perfekt zusammen gefasst lieber Stefan. Und eines kann man auf alle Fälle tun, die, die die Spuren übersehen (aus welchen Gründen auch immer), darauf hinzuweisen. Denn Menschen die um die Geschichte wissen, werden sich auch schwerer manipulieren lassen. Und zum Glück ist das Unheil der vergangenen Kriege in Deutschland noch so präsent, dass ein ganzer Teil der Menschen das nicht möchte. Zumindest mein Eindruck. Was die Obrigkeit dann tut, steht auf einem anderen Blatt. Zum Teil ist es auch Ablenkung von anderen (wirtschaftlichen) Problemen anderswo. Meine ich…

        Liebe Grüße
        Ute

      • Dankeschön, liebe Ute, auch für den Link. Das schaue ich mir gerne später an. 25 Jahre, nach dem Mauerfall, hatten wir neben einer friedlichen Revolution, relativ ruhige Zeiten. Doch das Recht auf Selbstbestimmung dominiert zur Zeit die Länder. Wenn es nicht so sprachlos machen würde, wie viel geistigen Unrat die Spitzen überheblich loslassen, müsste man Erz- oder National-konservativ werden. Dabei geht es primär den Menschen in den Krisenregionen in Europa um existentielle Bedürfnisse, wie so oft in der Geschichte. Auch die Deutsche Bevölkerung wurde 1914 übergangen und der Kaiser lies sich am 4. August 1914 mit den Stimmen der SPD seine Kriegskredite genehmigen. Während der Tage zuvor gab es noch große Friedensdemonstrationen. Und der 1. Weltkrieg wurde zur Ur-Katastrophe des 20. Jahrhunderts. Möge dieses Unheil und Erbe Mahnung und Aufgabe sein, weiteren Schaden abzuwenden.
        Liebe Grüße
        Stefan

      • Dein Wort in der Obrigkeit Ohr und ins Hirn vor allem!🙂

        Liebe Grüße
        Ute

      • Jetzt muss ich doch mit der Hoffnung kommen. Der Tropfen Hoffnung bleibt😉
        Liebe Grüße
        Stefan

  8. Pragmatisch gesehen stehen die meisten solcher Kriegsgefallenen-Denkmäler für die Nichtheimkehrer des ersten Weltkriegs auf Friedhöfen, als Ersatz für die Grabstätten der Menschen, die in Wirklichkeit in Massengräbern lagen in den Zeiten vor der Kriegsgräberfürsorge. Es sollte bedacht werden, dass dies für die dörflichen und kleinstädtischen Gemeinschaften durchaus von individuellem Bezug war, ein Gedenkplatz, wo es kein Grab gab. In den damaligen Zeiten war dies den Menschen wichtiger als heute, wo moderner Denkende auch Friedwald- und anonyme Bestattungen freiwillig in Betracht ziehen.
    Ich denke, dass es eine einseitige Überideologisierung solcher Mahnstätten gibt, und Revanchismus heutigentags nicht mehr der Beweggrund ist, sie zu erhalten, sondern eine Umorientierung stattgefunden hat im Sinne dessen, sie als Mahnung zum Frieden zu verstehen.
    Darum sehe ich auch keinen Anlass zu Berührungsängsten, sondern das Gegenteil: sie gehören vereinnahmt in dieselben Erinnerungskategorien, in denen Soldatenfriedhöfe schon längst einen unangezweifelten Platz haben. Das es einen beim Betrachten gruselt, ist vollkommen wünschenswert.

    • Herzlichen Dank für den Kommentar und der Ergänzung, die zweifelsfrei richtig ist. Ich glaube, ein Problem mit der Berührung und Betrachtung liegt im Umstand, dass es kaum Informationen über die Kriegerdenkmäler gibt, zumindest in Wohngebieten bzw. in Großstädten. Hier würden zumindest Tafeln o.ä. helfen. Es gibt in meiner näheren Umgebung ein Kriegerdenkmal das im Sommer von außen nicht mehr zu sehen ist, da es umrankt bzw. bedeckt ist von Bäumen und Pflanzen, die frei wachsen, was seine eigene Bildsprache hat.
      Wie Du richtig sagst, sehe ich sie ebenso als zeitlose Mahnung zum Frieden an.