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Streitkonzert

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Das Netz ist von der einstigen Hoffnung zum akuten Problem geworden. Hoffnung haben dennoch die meisten Verlage auf eine bessere Zukunft. Doch Verzweiflung und Angst überwiegen vor dem Niedergang alter Geschäftsmodelle. Die aktuellen Diskussionen in den Verlagshäusern gehen nicht weit genug und kratzen nur an der Oberfläche.

Ziel bleibt es den Sprung in die digitale Zukunft möglichst ohne Blessuren zu schaffen. Erprobte wie alte Geschäftsmodelle haben dazu ausgedient. Die Apparatemedizin des Marketings kann den Niedergang der gedruckten Presse nicht verhindern, sondern nur heraus zögern. Während in den Chefredaktionen der Verlage in der Republik weiter rotiert wird, zeigt sich wie schwer sich die Unternehmen mit dieser Herausforderung tun. Dabei ist es keine Frage mehr, ob die gedruckten Zeitungen und ihre Redaktionen, der Journalismus eine Zukunft haben oder nicht. Es gibt nur noch die Frage nach dem Wann, dem Zeitpunkt, wenn der bereits eingetretene Veränderungsprozess Realität geworden ist. Die Abfolge der bisherigen Reaktionen folgte einem klassischen Muster. Zuerst wurden neue Stellen nicht mehr ausgeschrieben, an der Basis kostensenkende Programme durchgeführt bis hin zum Verkauf von Printmedien oder es führte gleich in die Insolvenz. Es wurde sich in die Pleite gespart. Nun ist man bei den Chefredaktionen und Ressortleitern angekommen und es stehen weitere Sparprogramme an. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass sich die Medienwelt ihre eigenen Realitäten schneller erschafft als Unternehmen ihre Träume und Hoffnungen.

Es werden neue Nischen und Märkte entstehen und am meisten wird davon der Lokaljournalismus profitieren. In Zeiten wo vieles digitalisiert wird, bleiben z.B. die Bewohner eines Stadtteils, Region oder Gemeinde die sich neben der Weltpolitik besonders für lokale Themen interessieren allein gelassen zurück. Hier bieten sich sowohl im digitalen als im Print-Bereich neue Möglichkeiten an. Selbst in Großstädten wie Hamburg steht es um den Zeitungsmarkt schlecht, da die Hansestadt de facto über keine echte Tageszeitung mehr verfügt. Das schnelle Geld wird mit Lokaljournalismus nicht verdient. Doch es können tragfähige Zukunftsmodelle daraus erwachsen, wenn man den Mut hat gegen den Strom zu investieren.

Für kleine und mittelständische Verlage wird es darauf ankommen, wie schnell sie ihr Know-how in ihre Nische übertragen können. Die großen Verlage sind noch in einem Lernprozess und wissen scheinbar nicht wie man mit diesem Thema offensiv und transparent umgehen soll. Das Online-Angebot zu verknappen, um über Dritt-Portale Artikel zu verkaufen ist kein Marketing, sondern erzeugt beim Leser lediglich Enttäuschung. Hier ist noch das feine Seziermesser gefragt und keine Streitaxt. Zuerst heißt es die eigenen Mitarbeiter mitzunehmen, das höchste humane Gut, statt von oben herunter zu diktieren. Frustrierte und enttäuschte Mitarbeiter sind der Todesstoss jeder Idee und Veränderung. Übertreibt man dieses Vorgehen wie aktuell zu beobachten ist, dann entweicht jegliche menschliche Kreativität und Unruhe und Frustration machen sich breit. Die Leser müssen ebenso mitgenommen werden. Verlage sollten beginnen ihre Leser zu lieben und nicht als Zahlenmaterial zu behandeln. Das kann z.B. über Hausblogs, ohne Selbstdarstellung, erfolgen.

Noch ist Zeit sich an neuen Ideen auszuprobieren und im Beckettschen Sinne schöner zu scheitern. Doch die Uhr läuft. Wie eine moderne digitale Strategie zumindest für Regionalverlage aussehen könnte, zeigt z.B. die Rhein-Zeitung. Sie geht offensiv und transparent, nach Einführung einer Bezahlschranke, damit um und veröffentlicht darüber alle Zahlen. Das ist für den Moment vorbildlich, zeigt ebenso, dass sich Inhalte wie Artikel auch über das Netz verkaufen lassen. Oder man schaut zur Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) die mit einer individuellen und zugegeben an Facebook orientierten Darstellung experimentieren.

Es gibt viele Ansätze und keine Pauschallösungen. Eines bleibt vordringlich für die digitale Zukunft bestehen: es zählt zuerst der Inhalt und die Qualität.

Author: Stefan

Welcome to my personal microcosmos "Freiaum/Free Zone" in the most beautiful city of the world, in Hamburg. Just someone with a camera and a mission to record the extra and the ordinary. My hearts beats among other things for Photography, Culture and Art, Visual Art, Social Media, Communication, Storytelling, Music, Literature, Blog and Text.

2 thoughts on “Streitkonzert

  1. Ich hoffe, du hast recht mit dem letzten Absatz! lg Marlies

    • Da bin ich mir sicher. Wir hinken in der Entwicklung den Amerikanern gute 10 Jahre hinterher. Und es bieten sich Chancen an für verschiedene Geschäftsmodelle. Das Magazin oder die Zeitung wird nicht komplett verschwinden. Doch die Auflagen der Tageszeitungen und Erlöse sinken kontinuierlich und das seit vielen Jahren. Wie das Thema vielen auf den Nägeln brennt, sieht man bei den aktuellen Diskussionen.
      Liebe Grüße
      Stefan