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Die Macht der Bilder

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Schon vor über 100 Jahren schrieb Kurt Tucholsky “Mehr Fotografieren”. Er war damals bereits von der politischen Überlegenheit der Fotografie überzeugt: “Wir brauchen viel mehr Fotografien. Eine Agitation kann gar nicht schlagfertiger geführt werden.”

Wie im wahren Leben weiß man, wer nach oben will, wer die Macht ergreifen und Einfluss nehmen möchte, muss sich gut in Szene setzen können und das Spiel mit den Bildern beherrschen. Besonders in der Politik gibt es dafür exemplarische Studienbeispiele zu beobachten. Die Macht der Bilder funktioniert solange gut, solange sie niemand hinterfragt oder wahre Umstände diese Bilder in einem anderen Licht erscheinen lassen.

Man denke z.B. an die Bilder aus dem Vietnamkrieg die dazu beigetragen hatten, dass die Stimmung in der Bevölkerung der USA gekippt und der Krieg beendet wurde. Dazu darf an die “Pentagon Papers” erinnert werden. Der Krieg wurde damals unter falschen Voraussetzungen weiter geführt. Bis zum Zeitpunkt wo Daniel Ellsberg Tausende geheime Dokumente kopierte und der Öffentlichkeit über die New York Times, 1971, zugänglich machte. Interessanterweise wurde Ellsberg zwar als Spion angeklagt, jedoch frei gesprochen. Auch in allen anderen Verfahren wurde er nie schuldig gesprochen.

Während früher Bilder Kriege beendeten, so können sie heute Kriege entfachen. Man sieht Bilder von einer leeren Wüstenlandschaft oder von einem Gelände mit Wrackteilen. Das Bild in Verbindung zusammen mit der Information bewegt und selbst das was wir nicht auf dem Bild sehen, spricht uns emotional an. Das flankiert mit einer “Message” ist die Suggestion, die dem Gesetz der Psychologie folgt, und die Wahrnehmung beeinflusst. Eigentlich will man den Frieden. Doch die Bilder im Kopf verleiten unbewusst zu einer anderen Haltung. Damit wird die Grenze zur wirkungsvollen Propaganda überschritten. Und die Macht der Bilder nimmt angesichts der aktuellen Krisen zu. Nirgends wird mehr u.a. propagiert, mystifiziert, suggeriert, als in Zeiten des Krieges und kriegerischen Auseinandersetzungen.

Wenn ein Bild in den Medien zustande kommt, dass eine Person als Unberechenbar und gefährlich darstellt, sollte der gesunde Menschenverstand eigentlich antworten, dass eine Person nicht berechenbarer und ungefährlicher wird, wenn man mit ihr nicht spricht oder verbal aufrüstet und ihr mit Worten und Sanktionen droht. Man darf sich in diesem Zusammenhang an die Rede Putins erinnern, während seiner ersten Präsidentschaft, im Deutschen Bundestag, wo er 2001 eine Freihandelszone zwischen der EU und Russland vorgeschlagen hatte. Für diese Rede, die er in deutscher Sprache hielt, erhielt er Standing Ovations. Bis heute ist ein solches oder ähnliches Abkommen nicht zustande gekommen. Das ist mehr als bedauerlich, da die EU mit einem solchen grenz übergreifenden Bild diverse Brücken und Barrieren auch in den Köpfen vermutlich schon überwunden hätte.

Es sind immer Worte und den daraus folgenden Aktionen und Reaktionen womit Auseinandersetzungen beginnen. Die Königsdisziplin ist und bleibt die Diplomatie. Das Bild der Woche zeigte einen Elder Statesman, einem Könner und Kenner der internationalen Diplomatie: Hans-Dietrich Genscher. Im Netz, bei tagesschau.de, gibt es eine längere Version eines Interview zu sehen, was er den Tagesthemen gegeben hat. Zum Schluss des Gespräches, was eigentlich den Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag der Prager Botschaft diente, wurde er auf die aktuelle Krise, mit Blick auf Russland und die Sanktionen, angesprochen.

Abrüstung sollte, wie Hans Dietrich Genscher sagte, mit der Abrüstung der Sprache beginnen. Ein Satz wie gemeißelt für das Stammbuch und für die Amtsstuben der Medien aller Orten.

Author: Stefan

Welcome to my personal microcosmos "Freiaum/Free Zone" in the most beautiful city of the world, in Hamburg. Just someone with a camera and a mission to record the extra and the ordinary. My hearts beats among other things for Photography, Culture and Art, Visual Art, Social Media, Communication, Storytelling, Music, Literature, Blog and Text.

8 thoughts on “Die Macht der Bilder

  1. …ja, ein guter blick auf dieses Thema!

  2. Toller Text und so wahr. Wie oft Kriegsvokabular im beruflichen Alltag zu hören ist, ist erschreckend.

    • Danke. Irgendwie stehen die Zeichen auf zurück im 20. Jahrhundert. Und dieses Vokabular wird leider auch von unseren Spitzen munter in Talkshows, in den Nachrichten fortgeführt. Das ist insgesamt erschreckend.

  3. wie wahr……. ich lese gerne Deine Beiträge!!!!!