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Substanzverlust

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Vor 19 Monaten, im Mai 2013 stand Borussia Dortmund auf dem Höhepunkt, im Endspiel der Champions League, und verlor das Spiel gegen Bayern München. Wer sich im Vergleich die Mannschaft damals und heute anschaut, stellt fest, dass sie einen enormen Substanzverlust erlitten hat. Liegt dieser Verlust nur am Weggang der Spieler Lewandowski und Götze?

Vereine brauchen Visionen. Beim BvB ist es die große Schwarz/Gelbe Familie die in guten wie schlechten Zeiten zusammen steht. In der Winterpause sollte die Chefetage sich zusammen setzen und die Frage nach dem Substanzverlust genau eruieren und die Vision und Ausrichtung vom BvB neu justieren. Denn es sind Fehler und Fehleinschätzungen gemacht worden. Selbst mit den vielen Verletzten sollte der BvB, Personaletat von 80 Millionen Euro, in der Lage sein einen Mittelfeldplatz in der Tabelle zu erreichen. Hier ist der Verein in der Pflicht diese unangenehme Herausforderung gemeinsam zu bewältigen um daraus gestärkt hervor zu gehen.

Man sieht den Spielern an, dass sie “nur nicht schon wieder verlieren” möchten. Angst ist kein guter Ratgeber, ist jedoch oft der Auslöser für Motivation und Kampfeswille. Bedenklich dabei ist, dass scheinbar nicht alle Spieler die Situation verinnerlicht haben und glauben, man sei gefühlt besser als andere Mannschaften und stehe aus einer Verkettung von “erst hatten wir kein Glück, dann kam Pech dazu” unten. Wie sagte Jürgen Klopp in der letzten Woche, wenn man unten in der Tabelle steht, darf man keine Ansprüche mehr haben.

Als Lucien Favre zu Borussia Mönchengladbach kam, stand der Verein nach einer verkorksten Hinrunde tief unten auf einem Abstiegsplatz. Marco Reus galt damals noch als Talent bei der Fohlen-Elf. Die Abwehr war eine Schießbude, dazu kamen viele Verletzte Spieler und die Aussichten waren alles andere als rosig. Favre ist ein Fuchs und sagte den Spielern bei seiner Antrittsrede, dass sie gegen den Abstieg spielen und sein Ziel es ist dies zu verhindern. Aus diesem kurzen Schock baute er seinen erfolgreichen Rettungsplan auf. Offene Kommunikation, die direkte Ansprache ist stets besser, als das Verdrängen von unangenehmen Wahrheiten.

Beim Hamburger SV herrscht Ebbe. Nicht nur in der Kasse sondern auch mit der Erklärung, warum man keinen Schritt weiter voran gekommen ist. Gegen Bremen gab es 85 Minuten Angst-Fussball zu sehen und normalerweise wäre das Spiel auch 0:0 ausgegangen. Doch die Bremer hatten zwei Gastgeschenke mitgebracht und verloren das Spiel. Die Reaktionen nach dem Spiel waren teils frenetisch. Von einer starken Vorstellung wurde u.a. gesprochen. Was folgte war das 0:0 in Freiburg, was ebenso in die Kategorie gehört: schlecht gespielt und glücklich einen Punkt geholt. Am Dienstag ging es im letzten Heimspiel der Hinrunde gegen den Tabellenletzten aus Stuttgart. Die Stuttgarter machten alles richtig. Hinten breit und sicher stehen und vorne kommt man schon zu Möglichkeiten…und so verlor der HSV das Spiel. Insgesamt die Leistung dem Trainer vorzuwerfen ist jedoch falsch. Joe Zinnbauer, der wie ein Duracellhase an der Seitenlinie mehr Engagement zeigte als seine Spieler auf dem Platz, ist für den Moment nur zu bedauern. “Es ist eine Qualitätsfrage – und die Qualität ist nicht vorhanden”, sagte Thomas von Heesen, im Aufsichtsrat für das Sportliche zuständig, nach dem Spiel. Wie für den HSV und andere Vereine geht es nicht darum, das beste Spiel aller Zeiten zu machen, sondern erfolgreich zu sein und Spiele zu gewinnen. Mehr nicht, weniger aber auch nicht.
Es bleibt spannend.

Author: Stefan

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2 thoughts on “Substanzverlust

  1. Alles sehr dramatisch, schaut man sich die Tabelle mal an. Ab Platz 3 beginnt die Abstiegszone… ;
    Ansonsten konnte ich dem Spiel HSV gegen VfB noch wenig Hoffnung entnehmen, selbst wenn beide Vereine den Klassenerhalt schaffen, muss noch viel passieren, um auch eine Nachhaltigkeit zu erreichen.
    Jubeln ist nicht angesagt.
    Ich bin an der Grenze zum Sinneswandel, vielleicht ist eine Zwangszäsur der Start in eine bessere Zukunft.

    • Da stimme ich Dir zu. Nicht nur sportlich, auch wirtschaftlich wird es viel Zeit brauchen, für einen neuen Start. Wir sprechen z.B. in Hamburg über mehr als 100 Millionen Euro Schulden und dazu noch Kredite und Darlehen und Sponsoreneinnahmen sind auch schon verplant. Das ist aus eigener Kraft nicht mehr zu schaffen. Ich glaube, es wird bis zum letzten Spieltag unten dramatisch bleiben und so manche Mannschaft die im Moment nicht im Fokus steht, kann ebenso nach unten durch gereicht werden. Jubeln ist nicht angesagt, wie wahr!