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Dran glauben müssen

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Krisen, dass kennt man ebenso in der Wirtschaft, erfordern zweierlei, wenn man sie erfolgreich bestehen will: eine schonungslose offene Analyse und keinerlei Denkverbote um daraus die richtigen Schlüsse für eine neue Strategie zu ziehen.

Der Hamburger SV hat ausreichend Qualität im Kader um die Klasse zu halten, was ein Fakt ist. Es gibt nur einen gewaltigen Unterschied zwischen dem Anspruch und der Realität. Der HSV hat und ist keine Mannschaft. Es ist eine Ansammlung von Individualisten wovon die meisten vermutlich einen guten Charakter haben, aber als Team funktionieren sie nicht. Auch wenn Trainer Joe “Magic” Zinnbauer sich engagiert und zuversichtlich nach außen zeigt, so kommt er zielsicher an seine Grenzen. Es fehlt nicht nur die Schnelligkeit in den Beinen der Spieler sondern auch die Beweglichkeit im Kopf. Die ärmste Sau war am gestrigen Tag der HSV-Spieler der den Ball hatte. Denn die Mitspieler liefen nicht mit. Das was man offensiv nicht nach vorne bringt, bekommt die Defensive doppelt zurück. Das Argument der vielen verletzten Spieler ist blauäugig, weil andere Mannschaften auch ihre Verletzten und ähnliche Sorgen haben.

Seit Jahren holt man teils Nationalspieler aus aller Herren Länder nach Hamburg die kläglich scheitern oder von anderen Vereinen Spieler die dort eine Stütze waren und in Hamburg scheinbar das Fußballspielen verlernt zu haben. Beispiele gibt es aktuell genug. Warum etwas so ist wie es für den Moment zu sein scheint ist die Königsfrage. Nach einem Trainingslager im sonnigen Orient schien der Verein das Selbstbewusstsein wieder entdeckt zu haben. Es folgte die Jahreshauptversammlung wo es eine 10 Millionen Euro Spende für den Nachwuchsbereich gab und parallel der Edelfan seinen Deal machte. Statt auf die Darlehensrückzahlung zu insistieren, die die HSV nur unschwer hätte leisten können, schichtete er sein Darlehen in Anteile an der AG um. Gut für den HSV. Denn er muss jetzt kaum noch Zinsen zahlen. Schlecht für den HSV. Er hat seinen Edelfan damit endgültig als Anteilseigner an den Hacken, der sich auch zukünftig über sein bevorzugtes Presseorgan wieder polternd kritisch äußern wird.

Geändert hat sich wenig. Höflich ausgedrückt ist der HSV wirtschaftlich aus einer bescheidenden Situation eine Stufe höher gekommen, in eine schlechte Situation. Die Schulden bleiben und Investoren stehen vermutlich nicht Schlange.

Dem HSV fehlt es wie im Hamburger Bürgerschaftswahlkampf an Leidenschaft, Spirit und Geistiger Frische und Beweglichkeit.

Jürgen Klopp´s Herausforderung in Dortmund besteht darin eine erfolgreiche Balance zwischen Abstiegskampf und Champions-League zu finden, was gegensätzlicher nicht sein könnte. Und das lastende Gegenargument schwebt wie ein Damoklesschwert über den BVB: sie haben ausreichend Qualität im Kader. Dazu kommen taktische Fehler und die Erkenntnis das Nostalgietransfers sich mittel- und langfristig nicht auszahlen. Sie sind lediglich für einen Moment Ruhe und Labsal für Fans und Funktionäre, wie man auch in Hamburg weiß.

Eine weitere Grundregel besagt für den Trainer, wenn es sportlich nicht läuft, die Leistungsträger direkt anzusprechen und genau zu eruieren warum es bei ihnen nicht läuft. Der große Unterschied zwischen Dortmund und Hamburg ist, dass Hamburg keine Führungsspieler hat die diese Rolle beständig verkörpern können. Der BVB hat Führungsspieler und an und mit ihnen steht und fällt derzeit der Club.

Wenn man bedenkt, dass der BVB 60 Millionen Euro in neue Spieler diese Saison investiert hat, zudem eine Kapitalgesellschaft ist, ist das Ergebnis nach 18 Spieltagen niederschmetternd. Das Rechnen in Dortmund wird weiter gehen.

Es bleibt spannend.

Author: Stefan

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17 thoughts on “Dran glauben müssen

  1. Gut auf den Mittelpunkt gebracht

  2. Stefan, schöner Text zum Rückrundenstart. Dem HSV wie dem BVB drücke ich die Daumen für den Klassenerhalt, die 1. Liga wäre ärmer ohne sie.
    Viele Grüße + Dir einen schönen Abend,
    Gerhard

    • Beim BVB bin ich dennoch optimistischer, Gerhard. Aber es kommen noch Mannschaften wie Paderborn und auch die Hertha dazu, die es ebenso schwer haben werden. Ab Platz 9 ist im Moment alles nach oben wie nach unten drin,
      Lieben Gruß und Dir auch einen schönen Abend
      Stefan

      • Klar, der BVB dürfte trotz derzeit schlechter Tabellensituation noch die besten Karten im Abstiegskampf haben.
        Viele Grüße, schöne Woche,
        Gerhard

      • Am Mittwochabend sehen wir wieder ein Stück weiter. Mannschaften wie Paderborn und Hertha bekommen auch noch größere Probleme. Zumindest bleibt die untere Tabellenhälfte spannend.
        Hab ebenso eine schöne und neue gute Woche
        Stefan

      • Ja, davon gehe ich aus, beide sind ja am Wochenende grob unter die Räder gekommen. Ich muss mich langsam mental auf den Zweitligastart vorbereiten, meine Münchner Löwen bereiten ja auch nach wie vor größte Probleme.
        Viele Grüße,
        Gerhard

      • Der Bundesligakeller ist dieses Mal unberechenbar geworden. Freiburg und Bremen haben gewonnen. Ich denke den nächsten Trainerwechsel wird es in Berlin geben. Und mit Stuttgart, Hamburg und Dortmund stehen 3 Traditionsvereinen auf den letzten Plätzen.
        Ich drücke den Löwen die Daumen, dass zumindest Ruhe einkehrt und die Klasse gehalten werden kann.
        Lieben Gruß
        Stefan

      • Wäre momentan das Wichtigste. Die Neuverpflichtungen in der WInterpause lassen nicht gerade hoffen.
        Viele Grüße,
        Gerhard

      • Den Traditionsclubs geht immer mehr an den Kragen. Wenn die Entwicklung so weiter gehen wird, spielen irgendwann die großen alten Traditionsvereine in der II Liga.
        Behalten wir uns den Optimismus und trotzdem die Freude am Fußball.
        Stefan

      • Ja, klar, das kann noch ganz finster werden.
        Ich schau schon seit Jahren fast nur noch die 2. Mannschaft von 60, da sieht man wenigstens technisch guten Fußball von top-ausgebildeten jungen Spielern, die dann später irgendwo in der 1. Liga landen…..
        Viele Grüße,
        Gerhard

      • Hier grassiert seit Jahren der Virus das Talente hier zwar hoch kommen, sich aber nicht durchsetzen und kaum bei einem anderen Verein angekommen dort Stammspieler werden. Der Fisch beginnt immer zuerst am Kopf zu reichen. Trotzdem gibt es zum eingeschlagenen Weg keine anderen Möglichkeiten. Das braucht viel Zeit und Ruhe im Verein.
        Der eigenen Nachwuchs ist überlebenswichtig, auch wenn man die Talente langfristig nicht halten kann. Doch zusammen mit einer Philosophie wie z.B. in Freiburg, Augsburg oder Mainz kann man in der jeweiligen Klasse bestehen.
        Ich drücke den Löwen die Daumen. St. Pauli wird auch Fortune brauchen. Es bleibt spannend.
        Liebe Grüße
        Stefan

      • Die Analogie zwischen dem HSV und den Löwen fällt mir schon länger auf. Grundsätzlich gute Nachwuchsförderung, Finanzielle Schieflage, sportlicher Misserfolg und vor allem die Abhängigkeit vom Geldgeber….
        Pauli glaub ich packt das, dem Lienen trau ich das zu. Am Millerntor wird man zwar keinen attraktiven Fußball sehen, aber die Punkte wird der Ewald holen.
        viele Grüße,
        Gerhard

      • Ohne weitere Investor(en) wird es in Hamburg und anderswo schwierig werden die jeweilige Klasse zu halten. Nur finde mal großzügige Unterstützer, am besten in direkter Umgebung, wenn man unten steht und außer einer Vision und Historie nicht viel anbieten kann. Darum ist der Nachwuchsbereich auch so wichtig. Mit Bernhard Peters, den man aus Hoffenheim holte, ist hier ein sehr guter Mann am Werk. Bleibt zu hoffen, dass er auch die Zeit bekommt etwas aufzubauen.
        Ich denke, dass es in der 2. Liga auch am Tabellenende eng werden wird. Pauli war schon immer etwas anders, was gut ist, als Gegenentwurf zum “reichen” HSV. Mit Lienen bin ich auch optimistischer geworden.
        Genieße den Abend
        Stefan

      • Ja, von der Tradition allein kann man leider auch nicht runterbeißen…
        Dir auch einen schönen Abend,
        Gerhard