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Denn sie wissen nicht, was sie tun

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Vor vielen Jahren haben die Wissenschaftler Laurence Peter und Raymond Hull analysiert, warum Unternehmen auch nach Zeiten des Erfolgs dennoch scheitern. Einer der bekannten Leitsätze der Wissenschaftler lautete damals: “In einer Hierarchie neigt jeder Beschäftigte dazu, bis zu seiner Stufe der Unfähigkeit aufzusteigen”. Dieser Satz hat von seiner Aktualität bis heute nichts verloren und ist präsent anwendbar.

Es ist interessant zu beobachten wie z.B. im Profifussball mit Misserfolgen und Krisen umgegangen wird. Manche Funktionäre erreichen damit die letzte Stufe vom “Peter Prinzip”. Schaut man derzeit auf den Hamburger Sportverein, so ist die Frage nach einem möglich Abstieg zweitrangig geworden. Primär geht es nur um die Frage, wie es überhaupt weiter gehen kann. Das ist somit das schlimmste was man über einen Traditionsverein sagen kann. Denn selbst wenn der Abstieg vermieden werden kann, sind die Aussichten im sportlichen wie auch im wirtschaftlichen Bereich dunkel. Und ob der Gang in die Schweiz zum selbst ernannten Edel-Fan finanzielle Abhilfe schaffen würde, darf kritisiert werden, da man sich Stück für Stück in eine nicht mit Glück und Harmonie erfüllende Abhängigkeit begibt.

Wirtschaftlich mit Vollgas an die Wand gefahren und selbst mit einem Rekordetat ist es die Fortsetzung einer Chronik eines angekündigten Todes, der vor 5 Jahren begann. Erst ließ der Erfolg nach. Dann fuhr man in der Bundesliga Fahrstuhl, mal nach oben und immer öfters nach unten. Selbst eingefleischte Fans bangen nicht mehr. Sie befinden sich in einem Tranceähnlichen Zustand und ihr Blick ist leer, so leer wie die der Spieler auf dem Platz, die zwar laufen können, aber nicht wissen wohin und warum.

All das wofür die Mitglieder vor fast einem Jahr, für die Initiative “HSV-Plus”, gestimmt haben ist abhanden gekommen. Denn in einem fragilen Gebäude ohne kontinuierliche Entwicklung kann man keine Erfolge erreichen. Ein Gesetz was ebenso für jedes Unternehmen gilt. Vereine brauchen reale Visionen und vor allem funktionsfähige Rahmenbedingungen.

Wer sich in der Wirtschaft oder in der Politik umschaut, kennt diese Prozesse und die Abfolge, wenn es abwärts geht. Aussitzen, Verdrängen, Betroffenheit zeigen, Bauernopfer suchen um sich selbst zu schützen und wie bei einer Schiffshavarie geht man als letzter gut bezahlt über Bord.

Eine Führungskraft zeichnet sich u.a. dadurch aus, dass sie/er jeden Tag lernen will, die teils komplexen Prozesse analysieren und verstehen kann. Dazu kommt neben der Fachkompetenz auch die Intelligenz in der emotionalen Kommunikation. Sich selbst zu hinterfragen, ob die eigenen Botschaften ankommen, Stimmungen registrieren und einiges mehr.

Was für einzelnen Personen oder Unternehmen gilt, besitzt auch Gültigkeit im Sport: wofür stehe ich eigentlich? Was biete ich an? Die einzige Konstante in den letzten Jahren beim HSV hieß 11 Trainer in 5 Jahren und die Nummer 12 wird vermutlich bald präsentiert. Fragt sich nur, wer sich das dennoch antun möchte?

Der oft genannte Thomas Tuchel ist ein Pressephantom dass als Medienwirksames Objekt durch die Verlagsdörfer und Gerüchteküchen gezogen wird. Unmoralische Angebote die öffentlichkeitswirksam präsentiert werden inklusive. Wie sagte HSV-Chef Beiersdorfer treffend, der HSV werde seinen Weg gehen. Fragt sich nur welchen Weg er damit meint. Vielleicht heißt dieser Weg einfach Hoffnung.

Das Ende ist unausweichlich. Wie in jeder Tragödie.

Author: Stefan

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6 thoughts on “Denn sie wissen nicht, was sie tun

  1. Lieber Stefan,
    Eine sehr scharfe Analyse, die leider einen Zustand beschreibt, der im Moment wenig Anlass zur Hoffnung gibt. Wie bringt man einen Koloss wieder auf Kurs, bzw. wie ist er reformierbar? Das ist im Unternehmen schwierig, und nicht nur beim HSV ein Thema.
    Genieße den Sonntag
    Gerd

    • Lieber Gerd,
      danke für Deine Anmerkung. Jeder Fall ist individuell. Aber es gibt im Fußball positive Beispiele wie u.a. in in Augsburg, Mainz, Freiburg, Frankfurt. Was diese Mannschaften auszeichnet ist vor allem Kontinuität und das sie einen Plan haben. All diese Vereine stehen für etwas, haben eine Strategie, haben Rahmenbedingungen erschaffen, was auch die Fans mit einbezieht. Ähnlich funktioniert es in Unternehmen, wenn es die Spitze auch wirklich will und nicht nur fordert. Ich glaube, dass insgesamt der deutsche Fussball vor Veränderungen und wechselhaften Zeiten steht. Dabei wird u.a. auch die DFL gefordert werden.
      Genieße bitte ebenso den Sonntag bei möglichst besten Wetter
      Stefan

      • Lieber Stefan, es ist interessant, dass Du Frankfurt als positives Beispiel nennst. Verglichen mit der aktuellen Situation des HSV mag das stimmen, allerdings wird auch in Frankfurt zu wenig aus den Möglichkeiten gemacht und ist letztlich eine Fahrstuhlmannschaft. Frankfurt’s Führung unter Bruchhagen ist so realistisch, dass man nicht nach oben kommt auch wenn sich in manchen Jahren dazu eine Chance ergeben könnte. Die positive Seite dieser Medaille ist allerdings, dass man sich bewusst war und ist, dass man gegen den Abstieg kämpft. Ich verfolge den HSV nur aus der Distanz aber mein Eindruck ist jede Saison aufs Neue, das der HSV sich für etwas besseres hält, weil man in den 80ern eine Macht war. Und jeder als Ziel ausgibt wieder zu dieser Macht zu werden. Aufgrund des Standortes und der tollen Fans hätte der HSV auch gute Chancen aber meiner Meinung nach sollte man auf mittleren Niveau sich erst einmal stabilisieren, eine neue Mannschaft mit eigener Philosophie (wie Augsburg) aufbauen und dann bei günstiger Gelegenheit zuschlagen. Dafür müsste Beiersdorfer und der 12. Trainer reinen Wein einschenken.

      • Lieber guinness44,
        da bin ich bei Dir, was die Entwicklung in Frankfurt. Das ist bei vielen Vereinen so, dass sie das Risiko scheuen. Ich habe die öffentlichen Auftritte z.B. von Bruchhagen verfolgt und kann ihm nur zustimmen. Denn wenn die Eintracht weiter nach oben kommt, steigen automatisch die Ansprüche, woran man auch zuletzt gescheitert und abgestiegen ist.
        Historie kann auch eine Belastung sein, wie man z.B. beim HSV sieht. Was es braucht ist ein langer Atem, damit sich das Investment langfristig lohnt. D.h. Schuldenabbau, Rahmenbedingungen, Strukturen und eine Strategie entwickeln und mit Ruhe daran festhalten und danach Spieler und Trainer nach Hamburg zu holen. Das ist Aufgabe des Vorstandes und des Aufsichtsrates und nicht die Aufgabe eines neuen Trainers auf den alles projiziert wird. Denn einen Messias gibt es nicht.
        Vielleicht braucht es eine Bruchlandung um wirklich den Reset-Schalter zu drücken und wieder klein anzufangen.
        Hab’ einen schönen Ostersonntag
        Stefan

  2. Hallo Stefan,
    ich denke auch : ab in die zweite Liga, Neustart mit neuen Spielern , das alte Kader bestmöglichst verkaufen…und dann nach 2 Jahren versuchen wieder langsam nach oben zu kommen…und auch wenn es niemand gerne hören mag..Hamburg ist zu klein für 2 Fussballvereine in der Grössenordnung 1/2 Liga…so kauft man ständig Legionäre hinzu und die wenigen guten Eigengewächse gehen…keiner identifiziert sich mehr mit dem Verein und so spielen sie dann auch….so gesehen könnte Tuches mit einem 3 Jahresvertrag vielleicht in der zweiten Liga mit seiner Arbeit beginnen…und der Vorstand müsste ein 4 jähriges Trainerentlassungsverbot unterschreiben…und es herrschte Ruhe die es braucht einen Kader aufzubauen….
    Beste Grüsse, Jürgen

    • Hallo Jürgen,
      es wird vermutlich so kommen. Es ist wie die Chronik eines angekündigten Niedergangs. Ich glaube nicht, dass eine Stadt zu klein ist für zwei Vereine. St. Pauli hat eine völlig andere Ausrichtung und Philosophie und ein Abstieg in die 3. Liga wäre kein Beinbruch. Schade in dem Zusammenhang ist die sog. Rivalität bei den Stadtvereinen. Wenn man sich vorstellen könnte, dass beide Vereine zusammen arbeiten würden, wären so manche Spieler in Hamburg geblieben und groß heraus gekommen.
      Sollte es zum Abstieg kommen, wird das dicke Ende noch kommen. Einen Neustart bei Null in der 2. Liga wird es nicht geben können, da man Altlasten an den Hacken hat. Dann heißt es die Treppe von oben nach unten durchwischen und das wird schmerzlich werden, da es zwingende Personalentscheidungen geben muss. Dennoch ist es vermutlich die einzige und letzte Chance langfristig und über Jahre wieder etwas neues klein und Schritt für Schritt aufzubauen einschl. des Nachwuchsbereiches. In den nächsten Tagen wird sicher weiter getuchelt bis er sich endlich erklärt wohin er gehen wird. Gerüchte dazu gibt es viele. Egal wer kommen wird, es wird eine Herkulesaufgabe und sehr viel Zeit und Geduld in Anspruch nehmen inkl Deines angesprochenen Trainerentlassungsverbotes.
      Hab’ einen schönen entspannten Sonntag
      Stefan