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Last Minute

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Zwar ist die Mannschaft vom Hamburger SV in der Relegation sportlich nicht abgestiegen. Doch wenn man sich die Marke HSV anschaut, ist sie bereits abgestiegen. Darum sind es insgesamt zu hinterfragende Nachrichten, dass der sportliche Ligabetrieb zukünftig in der 1. Liga weiter geführt wird. Ein Abstieg hätte eine zwingende Richtungsänderung erzwungen. Wie heißt es treffend: neue Wege entstehen im Gehen. Doch sollte man wissen in welche Richtung man gehen möchte. Erst auf dem letzten Tabellenplatz stehend besann sich die Führung auf eine Richtung, die des Klassenerhalts. Der neue Trainer Bruno Labbadia löste Blockaden und machte Kräfte frei als Mittel zum Zweck. Denn nun war sie da, die nackte Existenzangst und sie motivierte tatsächlich die letzten verbliebenen Patronen. Labbadia arbeitete und lebte von der Bank all das wofür der Verein eigentlich stehen wollte.

Am kommenden Wochenende kommt es zum Championsleague-Gipfel zwischen Juventus Turin und dem FC Barcelona. Hamburg hat eine lange Tradition mit Turin. 1983 gewann der HSV, damals mit Meistertrainer Ernst Happel, den Pokal der Landesmeister (Vorläufer der Championsleague) im Finale gegen Juventus Turin mit dem Tor von Felix Magath 1:0. Im Jahre 2000, im neuen Stadion, spielte man in der Champignonsleague-Gruppenphase 4:4 gegen Juventus Turin. Spiele für die Historie. In der Zwischenzeit durchlebte Turin ebenso wechselhafte Zeiten und musste 2005 sogar zwangsabsteigen in die 2. Liga. In den vergangenen 10 Jahren gab man sich eine neue Ausrichtung, einen neuen Markenkern und ein neues Stadion und steht am Wochenende im Endspiel um die Championsleague-Trophäe. Parallel dazu wurde die Marke HSV nach und nach abgewirtschaftet. Es ist nicht ohne Ironie, in Zeiten wo es dem HSV insgesamt in allen Bereichen noch besser ging, dass eine zukunftsweisende Strategie an der Person damals gescheitert ist, die in den vergangenen 12 Monaten die Hauptverantwortung im Verein trug. Danach gab es nur eine Richtung, nach unten.

Bundesligavereine sind Wirtschaftsunternehmen mit teils mehreren Hundert Angestellten und Umsätzen im 3-stelligen Millionenbereich und sie sind Marken die gepflegt werden müssen. Es bleibt zu hoffen, dass die aktuelle Situation Anlass ist, sich über die essentiellen Fragen einer Marke auseinander zu setzen. Zum Beispiel mit den Fragen: wofür steht der/mein Verein? Wie möchte ich mich in der Öffentlichkeit präsentieren und wie wahr genommen werden? Es ist dabei weniger die Frage nach einzelnen Personen die dem Peter-Prinzip folgen, sondern die Erkenntnis des Scheitern, dass die eigene Marke eine komplett neue Ausrichtung braucht. Falls nicht, wird dieses fadenscheinige Spiel in der kommenden Saison nahtlos weiter geführt werden. Für den Moment sind Demut, Bescheidenheit, Zurückhaltung und realistische Ansprüche angesagt…wieder mal.

Und seit gestern Abend wissen wir, dass Hamburg auch in München ist. Herzlichen Glückwunsch Gerhard.

Zu den Parallelen zwischen dem TSV 1860 München und dem Hamburger SV gibt es einen interessanten Dialog in den Kommentaren zum Beitrag: Heysel, drüben bei Gerhard: https://gerhardemmerkunst.wordpress.com/2015/05/29/heysel/

Author: Stefan

Welcome to my personal microcosmos "Freiaum/Free Zone" in the most beautiful city of the world, in Hamburg. Just someone with a camera and a mission to record the extra and the ordinary. My hearts beats among other things for Photography, Culture and Art, Visual Art, Social Media, Communication, Storytelling, Music, Literature, Blog and Text.

12 thoughts on “Last Minute

  1. Exzellenter Artikel, Stefan!
    Und vielen Dank für die Glückwünsche, war ja in der Tat auch bei den Löwen viel Glück im Spiel!
    Zu den offensichtlichen Parallelen HSV/TSV verweise ich auf unseren inzwischen sehr weit gediehenen Dialog in den Kommentaren zu meinem “Heysel”-Beitrag:
    https://gerhardemmerkunst.wordpress.com/2015/05/29/heysel/
    Liebe Grüße nach Hamburg, verbunden mit der Hoffnung, dass sich bei unseren Chaoten-Vereinen in naher Zukunft jeweils eine fähigere Club-Führung findet,
    Gerhard

    • Danke sehr Gerhard. Und das ist eine gute Idee mit dem Link zum Heysel-Beitrag. Ich hoffe, dass einige darüber stolpern werden.
      Wenn sich nichts wesentliches tun wird, bleibt es beim alten. Neue Spieler kommen und die Trainer werden geholt und wieder entlassen. Wenn ich beim HSV einen Vorstandsposten hätte…dann hätte ich ausgesorgt🙂 Warum sollte jemand freiwillig den Weg frei machen. Das war schon beim alten Aufsichtsrat so. Es bleibt auch über die Sommermonate spannend.
      Liebe Grüße nach München
      Stefan

      • Fröhling hat heute auch geäußert, dass es nur punktuelle Anpassungen in der Mannschaft geben wird, das lässt für nächste Saison schon wieder nichts Gutes erahnen…
        Liebe Grüße,
        Gerhard

      • Das hört sich in der Tat nicht gut an. Wie heißt es, der Krug geht solange zum Brunnen, bis er bricht. Wir werden sehen. Hier werden bereits Namen von angeblich neuen Spielern genannt. Ich bin gespannt wer von den öffentlich gehandelten tatsächlich kommen wird. Warten wir ab. Der Gesprächsstoff wird uns nicht ausgehen.
        Liebe Grüße in die Tropen🙂
        Stefan

      • Auf den Punkt gebracht, Stefan. Der Spruch ist mir schon während der Relegation sowohl beim HSV und beim TSV etliche Male durch den Kopf geschossen …
        Liebe Grüße,
        Gerhard

      • Bedauerlich das die Exzellenzen diesen Spruch nicht kennen😉 Wer nach dem Peter-Prinzip die höchste Stufe erreicht hat, ist nicht bereit freiwillig das Feld zu räumen. Money rules🙂
        Liebe Grüße
        Stefan

      • Geld regiert zwar in beiden Fällen, viel Gutes hat es indes bisher nicht bewirkt…😦
        Liebe Grüße,
        Gerhard

      • Selbst “Uns Uwe” hat sich kritisch geäußert und gesagt, dass sich alles ändern muss…auch bei der Führung.
        Wenn ich einen Vorstandsposten beim HSV hätte, hätte ich ausgesorgt😉 Man glaubt es nicht, was in der vergangenen Jahren auf Vorstandsebene an Geld aus dem Fenster geworfen wurde. Und dann noch für die Trainer… und bewirkt hat gar nichts davon. Scheinbar ruhen die Hoffnungen auf den Edelfan in der Schweiz. Solange er lebt, scheint wohl Geld zu fließen.
        Liebe Grüße
        Stefan

  2. Wir wohnen hier zwar im Badischen… Dass der HSV aber nicht abgestiegen ist, hat mich dennoch riesig gefreut; einen “Dino” muss es in der Bundesliga geben, der “unabsteigbar” ist. Und alle Rekorde sollen nicht irgendwann in München liegen. Außerdem hätte es mir für den Uwe unendlich leid getan; was der in den letzten Jahren mitmachen muss!
    Ansonsten hast Du natürlich recht, lieber Stefan, es müssten endlich Lehren aus alledem gezogen werden (“Außer Hermann könnt ihr alle gehen”); aber bitte nicht erst in der zweiten Liga.

    Herzliche Grüße nach Hamburg und in den Volkspark
    Wolfregen

    • Dankeschön Wolfregen. Ich weiß, was Du meinst. Mir geht es nicht um handelnde Personen. Die sind alle austauschbar. Es geht darum endlich die Lehren aus den Fehlern zu ziehen. Nicht in der Form, dass alles was in den letzten Jahren verkehrt gemacht wurde, mit einem Strich weg zu wischen. Sondern, dass man zumindest positive Ansätze erkennt, so dass man erkennt, da entsteht wieder etwas positives.
      Wir werden sehen und abwarten.
      Hamburg grüßt herzlich zurück
      Stefan

  3. “Hamburg ist seit gestern in München”. Das stimmt, lieber Stefan. Ihr macht Fußball aber auch wirklich spannend…da hat auch Wien, für den Norden und den Süden mitgefiebert!
    Liebe Grüße
    Karin

    • Etwas Spannung schadet ja nicht🙂 Es gibt schon interessante Parallelen zwischen den beiden Vereinen.
      Das Mitfiebern hat beiden Vereinen auch geholfen. Dafür bleibt es bei der FIFA spannend🙂
      Liebe Grüße aus dem immer noch nicht sommerlichen Hamburg
      Stefan