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Schlussverkauf

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Zu Beginn der neuen Fußball Bundesligasaison möchte ich die Themen Geld und Vermarktung ansprechen. Heute geht es um Geld und den Unterschied.

Gern wird von Fußballvereinen gesprochen und dabei an Zeiten zurück gedacht, wo einst 11 Freunde auf dem Platz standen. Doch vergessen wird, das aus den Vereinen längst Aktiengesellschaften, GmbHs…Wirtschaftsunternehmen geworden sind, mit mehreren Hundert Angestellten und einem dreistelligen Millionenumsatz im Jahr. Und mit einem scheinbar unschuldigen Blick nach außen. Denn von der Wirtschaftskraft und den Millionen profitieren nur wenige und die zahlenden Fans am wenigsten.

Seit dem Zeitpunkt wo bekannt wurde, dass die Premier League (1. Fußball Liga in England) einen Milliardendeal, was die TV-Übertragungsrechte betrifft, an Land gezogen hat, wird darüber kritisch berichtet. Im aktuellen Manager-Magazin warnt Bayern-Boss Rummenigge vor den Milliarden in England und fordert neue Regeln zur Eigenvermarktung und damit eine deutliche Schwächung der DFL (Deutsche Fußball Liga, die u.a. für die Vermarktung der 38 Vereine aus der 1. und 2. Liga verantwortlich ist). Ein fadenscheiniger Vorstoß. In einem Punkt hat der Bayern-Boss dennoch Recht. Die Fernsehgelder sollten auch in Deutschland anders aber vor allem gerechter verteilt werden.

In England erhalten die 20 Vereine der Premier League ab 2016 fast 7 Milliarden Euro für die kommenden 3 Spielzeiten. Dazu kommen die zu erwartenden Einnahmen aus der Auslandsvermarktung in Milliardenhöhe. Die Premier-League-Vereine werden dann zu den 40 reichsten Klubs weltweit gehören. Zum Vergleich: im Moment werden in Deutschland ca. 700 Mio Euro an die 36 Vereine der 1. Und 2. Liga pro Spielzeit ausgeschüttet. Warum in England solche Unsummen gezahlt werden ist einfach zu erklären. Mit der British Telecom und BSkyB gibt es zwei Wettbewerber, die sich gegenseitig hoch bieten. Rummenigge, der auch der Europäischen Klub-Vereinigung (ECA) vorsteht, beklagt ein Wettrüsten. Wenn z.B. die Bayern sich selbst für die Fernsehübertragung vermarkten würden, könnten sie das 4-fache verdienen, so Rummenigge. Dabei wird vergessen, dass die Bayern auch Krösus der Liga sind in den Disziplinen Sponsoring und Merchandising. Den sog. Verlust gleichen sie damit mehr als aus. Und so manch anderer Verein wartet darauf, dass ein Englischer Club oder Berater anruft. Dann schnellen sofort die Ablösesummen steil nach oben.

Von Transferstrategie haben scheinbar nur die wenigsten Englischen Clubs gehört. Wer zahlt, schafft an. Vergleicht man die Einnahmen der Fernsehgelder der letzten 15 Jahre in den internationalen Ligen, dann lag die Premier League stets bei den Einnahmen vorn. Im Rennen um Europäische Lorbeeren enttäuschten zumeist die Premier League Clubs. In den letzten 2 Jahren machten Spanische Vereine die Titel unter sich aus.

Vereine wie die Bayern haben dennoch einen uneinholbaren Vorsprung. Schauen wir kurz auf die letzte Champions League Saison zurück. Dort spielten die Bayern gegen den AS Rom und gewannen mit 7:1. Der AS Rom war zuvor 3 Jahre lang nicht in der Champions-League vertreten. In der gleichen Zeit verdienten die Bayern mehr als 100 Millionen Euro. Geld das u.a. dazu verwendet wurde um Benatia vom AS Rom nach München zu locken.

Runde 900 Mio Euro wurden in der vergangenen Saison in der Champions League ausgeschüttet. Tendenz steigend. Alle Vereine bekamen ein Startgeld pro Klub von fast 9 Millionen Euro. Dazu kommen Prämien, Fernsehgelder und weitere Einnahmen. Bereits im Achtelfinale kann man mit ca. 25 Mio Euro rechnen. Bei einem Finale verdoppeln sich die Einnahmen. Allein dieser Umstand zeigt deutlich, dass der Unterschied und Abstand zu den Mannschaften die in der Champions League spielen immer größer werden wird. Ein Verein wie z.B. der AS Rom hat kaum Chancen an Vereine wie München, Chelsea, Madrid oder Barcelona heran zu kommen.

In den Internationalen Ligen stehen die Landesmeister vor Beginn, dank der Millionen aus der Champions League, so gut wie schon fest. Da wird es in Deutschland, Spanien, Frankreich, Italien und England keine großen Überraschungen mehr geben. Wie lange es noch dauert bis die Blase platzt? Vermutlich noch wenige Jahre, da die Uefa noch mehr Geld für die Champions League generieren will. Und das ist das traurige Fazit. Dieses Rad lässt sich nicht mehr zurück drehen. Geld macht heute im Europäischen Profi-Fußball den Unterschied. Langeweile inklusive. Made in Britain.

Author: Stefan

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14 thoughts on “Schlussverkauf

  1. Lieber Stefan, vielen Dank für Deinen einzigartigen Artikel, den sogar ich von Anfang bis Ende genauestens verstanden habe. Er beginnt schon mit einem herrlichen Satz, nämlich daran zu erinnern, daß es mal begann mit elf Freunden auf dem Fußballplatz. Und damit oder mit diesen Mannschaften hatte man noch Kontakt bis zu Beginn etwa dieses Jahrhunderts. Und von den enthusiasmierten Fußballern aus dem näheren Umfeld spielt nicht einer mehr – und, was ich bemerkenswert finde, die ignorieren Fußball und wollen nicht mal mehr zusehen. Meine Schranktüren sin von innen gepflastert mit Fußballbildern, die einst die Kinder dort eingeklebt haben. Und die Fotos von motiviertem Nachwuchs, der auch längst die Nase voll hat. Auch der sehr engagierte Trainer hat längst schon das Handtuch geworfen.

    Ob Fußball oder andere Sportarten, was auch immer – Geld, Geld, Geld, ich persönlich habe es immer versucht. auszureden – man darf einfach nicht seine Seele verkaufen. Und um was es sich auch immer handelt, sie haben längst, oft unbemerkt, ihre Seelen verkauft, Und es fällt ihnen nicht einmal auf…..

    Meistens habe ich gar nicht so viel Geduld, lange Beiträge zu lesen, aber Deine lese ich eigentlich immer von vorne bis hinten. Da gratuliere ich mir dann selbst zu meiner Disziplin. Ich hoffe, der Sonntag wird nicht mehr so heiß. Mit besten Grüßen, Hildegard

    • Liebe Hildegard,
      hab’ dank für das Lob und ist mir eine Freude. Viele Vereine werden schlecht geführt und teils aus dubiosen Geldquellen gestützt. Trotzdem boomt der Fußball auch in England. Trotz der vielen Millionen auf der Haben-Seite sind viele Clubs hoch verschuldet. Wenn ein Verein nur noch konsumiert wird, ist es langsam aus.
      Man kann es den Jungen Spielern nicht verdenken, dem Geld zu folgen. Trotzdem bleibt ein fader Geschmack hängen. Da zählen schon die Ausnahmen wie der Dortmunder Marco Reus, der sich für Dortmund und gegen Englischen Millionen entschieden hatte. Du hast Recht. Eigentlich sollten sich so manche Spielerberater umbenennen in Seelenverkäufer weil sie nicht unerhebliche Provisionen einstreichen.
      Begleiten wir alles weiter kritisch und sportlich fair.
      Liebe Grüße und Dir den schönen entspannten Sonntag,
      Stefan

  2. Lieber Stefan,
    ich würde gerne eine Anmerkung machen, es wäre auch nicht unsere erste Diskussion zum Thema, aber Du hast bereits alles Wesentliche gesagt zum Thema😉
    Wie heißt es so schön: 100% Agree.
    Einen schönen Sonntagabend und einen guten Start in die neue Woche,
    liebe Grüße,
    Gerhard

  3. Lieber Stefan,
    vielen Dank für den Artikel, sehr fundiert, wie Du Dich mit diesem Thema auseinandersetzt.
    Der internationale Fußball ist zum reinen Kommerz verkommen, es treten keine Vereine verschiedener Regionen oder Länder mehr gegeneinander an, sondern zusammengekauftes Personal tritt an, das bei Misserfolg gleich wieder abgestoßen wird – total mammonisiert und krank ist das. Am Ende gibt es (wie in der Wirtschaft auch) wenige “global player” und diese spielen die Titel untereinander aus. Der Weg bis dahin langweilig…
    Da lobe ich mir Spieler wie unseren Uwe, der seinem Heimatverein treu blieb, auch wenn nicht die großen Titel dabei gewonnen wurden: er ging mit ihm durch dick und dünn, wie es so schön heißt.

    Liebe Grüße
    Wolfregen

    • Herzlichen Dank. Uwe hatte seiner Zeit ein lukratives Angebot von Inter Mailand. Und er war nicht abgeneigt, entschied sich aber für den HSV. So etwas findet man heute selten. Lang ist´s her. Heute gibt es leider viele Söldner die ihre Nase dem Geld entgegen strecken.
      Ich würde trotzdem nicht alle internationalen Clubs in einen Sack packen. Es gibt Clubs wie Paris ManCity die sich alles zusammen kaufen. Aber genauso auch Clubs wie Barcelona die einen Plan haben. Dennoch wird die Kluft immer größer werden. Da ist die DFL gefordert gegen zu steuern. Das die Blase platzen wird, weiß man. Nur der Zeitpunkt ist nicht klar. Ich denke, in einigen Jahren.
      Als im DFB-Pokal eine Mannschaft aus der 5. Liga antrat und der Reporter sagte, das alle Spieler einen Beruf haben und für den Fußball ca. 250 Euro im Monat bekommen, wurde mir schlagartig bewusst. Dort wird der Fußball noch gelebt.
      Bleiben wir sportlich weiterhin kritisch und fair.
      Liebe Grüße und einen guten Start in die neue Woche,
      Stefan

      • In den Details kenne ich mich nicht so aus; aber mit Messi, Neymar, Suárez spielen doch die besten Spieler Argentiniens, Brasiliens und Uruguays, d.h. Südamerikas, in der Mannschaft?
        Ich kann mich auch noch erinnern, dass einmal im Endspiel der Champions League bei Inter Mailand kein einziger Italiener mehr auf dem Spielfeld stand…

        Ebenfalls eine gute Woche
        Wolfregen

      • Messi ist die Ausnahme, da er neben der Argentinischen auch die Spanische Nationalität besitzt und seit seinem 14. Lebensjahr in Barcelona spielt. Du hast natürlich Recht. Das Bosmannurteil von 1995 wirkt nach. Leider fließt das viele Geld nicht in den Nachwuchs. Darunter leidet seit vielen Jahren das englische Nationalteam. Ich würde es begrüßen, wenn die Mehreinnahmen in die eigene Nachwuchsarbeit gesteckt werden. In diesem Bereich ist die Bundesliga viel weiter als in anderen Ländern. Trotzdem werden die Milliarden in England den Fußball insgesamt verändern. Leider.
        Liebe Grüße,
        Stefan

  4. Profi-Fußball =Profit-Fußball.
    Schade, dass dieser ursprüngliche Schreibfehler
    immer korrekter wird.

    Liebe Grüße
    KarlHeinz

    • Leider entwirklicht sich der Fußball in immer höhere Sphären. Das Geld wird dazu nicht zurück geführt sondern vermehrt sich bei den wenigen Reichen die einen Plan haben.
      Wir werden es weiter sportlich fair und kritisch weiter beobachten.
      Liebe Grüße ins Zentrum der Spätzleskultur
      Stefan

  5. Um den schizophrenen Irrsinn an einem, zugegeben übertriebenen Beispiel zu veranschaulichen: Bayern München hat einen spanischen Trainer, man ist dort sehr zufrieden und kauft auf dessen Wunsch auch noch die übrigen aktuellen spanischen Nationalspieler dazu. Real Madrid holt sich wieder einen deutschen Trainer, z.B. Klopp, der holt erst seine Dortmunder, dann auch noch die Münchner Nationalspieler dazu, die ja nun ohne Verein dastehen.
    Im Endspiel der Champions League (CR7 ist verletzt, er hat sich vor Ausführung eines Freistoßes einen Leistenbruch geholt) fiebern die spanischen Zuschauer dann mit den deutschen Nationalspielern und die deutschen Zuschauer mit den spanischen, bei der Europameisterschaft wenige Wochen später dann genau umgekehrt…
    Völlig undenkbar ist so etwas gar nicht, Inter Mailand soll nach dem Gewinn der Europameisterschaft 1980 an der kompletten deutschen Nationalelf interessiert gewesen sein.

    Liebe Grüße
    Wolfregen

    • Das ist gut beschrieben und nicht soweit her geholt. In England zum Beispiel haben die Clubs einen höheren Stellenwert als die Nationalmannschaft. Kein Wunder. Denn das Geld wird in Spieler aus aller Welt gesteckt. So stockt der Nachwuchs auf der Insel seit Jahren.
      Vor wenigen Jahren hieß es noch beim Präsidenten von Real Madrid. Es muss der Weltbeste Spieler bei Real spielen. Egal was es/er kostet. Und so holte man Ronaldo und den 100 Mio Eurodeal mit Bale, was dem Irrsinn des Fußballs ein neues Kapitel schrieb. Denn gleichsam hat Real mehrere Hundert Mio Euro Schulden.
      Früher hatte man einen Trainer als Einzelperson verpflichtet. Heute sind es ganze Trainer-Teams. Es bleibt ein fader Beigeschmack, da sich der Fußball damit entwirklicht.
      Die Bundesliga ist im Vergleich zu England noch gut aufgestellt. Die Uhr läuft weiter und diese unheilvolle Entwicklung lässt sich nicht mehr zurück drehen.
      Liebe Grüße und einen herzlichen Dank,
      Stefan