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Götterdämmerung

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In der gleichnamigen Oper von Richard Wagner erstrahlt zum Ende ein heller Feuerschein am Himmel. Walhall brennt und das Feuer umgibt den Sitz der Götter, die ihrem Ende entgegensehen. Die aktuelle Affäre im Weltfußball ist ebenso eine Götterdämmerung für einstige Fußballgötter. Ihre Funktionärstage sind gezählt. Und es geht u.a. um den Kampf über die Deutungs- und Kommentarhoheit in den Medien. Wenn die alten Helden nach ihrer aktiven Zeit Teil jener Vereinigung werden, die den Fußball beherrscht und kommerziell aussaugt, unterstützen sie ein fadenscheiniges System. Klaus Brinkbäumer hat es in seiner Kolumne im “Spiegel” auf den Punkt gebracht.

Fassen wir kurz zusammen. Da soll sich der reichste Fußballverband Europas bei einem Geschäftsführer einer Sportartikelfirma, unter der Hand, Geld besorgt haben, um vom Weltfußballverband einen dreistelligen Millionenbetrag an Zuschuss zu holen. Ja sicher. Und alle Beteiligten leiden heute unter Gedächtnislücken. „Ich wäre selber froh, wenn ich es für mich selber auch präziser wüsste“. (YouTube-Link/Pressekonferenz)

Es sind durchschnittliche bis mittelmäßige Funktionäre, die sich hochgedient haben und die in anderen Bereichen, außerhalb des Fußballs, nie zu führenden Posten gelangt wären. Das Zeitalter der Patriarchen im nationalen wie internationalen Fußball neigt sich dem Ende zu. Jahrzehntelang wurde der Fußball kommerzialisiert. Es wurde ein System in Freund und Feind entwickelt. Freunde wurden unterstützt und wurden Mitglied einer fadenscheinigen Familie. Feinde, gemeinhin Kritiker, erhielten keinen Zutritt. Dank williger Sponsoren und deren cleveren Manager, die den Sport als Investment entdeckt hatten, wurde ein Milliardenunternehmen und Premium-Produkt daraus.

Häme ist dennoch nicht angebracht. Moralisch sind die einstigen und noch aktuellen Protagonisten bereits verurteilt, weil sie alle Teil dieses Systems waren. Die Journalisten der NewYork Times, Guardian, Spiegel u.a. wussten wo sie ansetzen mussten: follow the money. Folge dem Geld und du wirst fündig werden. Es ist eine Frage der Zeit wann weitere Details ans Licht der Öffentlichkeit kommen werden. Jetzt heißt es für viele Familienmitglieder: rette sich wer kann. Und im Untergang begriffen nimmt man gern einen „Freund“ alter Tage mit.

Trotzdem bietet diese Krise auch Chancen. Der Deutsche Fußballverband wie auch der Weltfußballverband haben es selbst in der Hand sich einer Runderneuerung zu unterziehen, die schmerzhaft aber notwendig ist. Die Zeit drängt. Intern wird es bereits unangenehme Fragen geben. Jetzt sind Krisenmanager gefragt. Sich abzuschotten und nach außen Loyalität zu bekunden allein reicht nicht. Zugeben was nicht mehr zu leugnen ist zudem kein funktionierendes Krisenmanagement.

Was es braucht ist Transparenz und eine selbstkritische Analyse mit konsequenter Offenlegung. Und vor allem braucht es national wie international Qualität in der Führung, von Personen die wissen was eine Marke ist, die Markenpflege bereits erfolgreich betrieben haben, die ein Premium-Produkt weiter entwickeln können ohne gleich durch die Dollar/Euro-Brille zusehen. Es braucht eine gute Strategie, die zielorientiert ist, mit eigener und gelebter Philosophie. Denn man erreicht keine Ziele, wenn man darüber spricht, sondern nur durch aktives Handeln.

Die „Familie“ mag nach außen noch loyal auftreten. Doch die Königsmörder haben bereits ihre Dolche gezogen und warten auf ihren Moment.

Author: Stefan

Welcome to my personal microcosmos "Freiaum/Free Zone" in the most beautiful city of the world, in Hamburg. Just someone with a camera and a mission to record the extra and the ordinary. My hearts beats among other things for Photography, Culture and Art, Visual Art, Social Media, Communication, Storytelling, Music, Literature, Blog and Text.

16 thoughts on “Götterdämmerung

  1. Es würde mich interessieren, warum seit einiger Zeit wordpress.com die rausgehende und die ankommende Schrift auf ein Mindestmaß verringert, dazu auch noch blass. Soll man nicht mehr erfahren, ohne eine Lupe zu bemühen, was der Leser bzw. Schreiber denkt? Es sind in der Vergangenheit dermaßen viele lächerliche Experimente gemacht worden, daß man nur noch passen kann. Ich denke nicht, daß Safari damit zu tun hat, wozu, Übrigens, auch bei Firefox, nur eine unscheinbare Idee größer. Wenn ihr schon die Leute mundtot machen wollt, dann laßt sie wenigstens nicht erblinden.

    • Wie alle Veränderungen sind sie meist den mobilen Endgeräten wie dem Smartphone geschuldet. Denn mehr als die Hälfte der User nutzen eine App und sitzen nicht mehr vor einem Rechner.
      Das hat wenig mit dem Browser zu tun. Im Browser kannst Du zumindest die Schrift, sprich die Ansicht, vergrößern.
      Wordpress will und muss Geld verdienen. Und das klappt immer besser über die mobilen Geräte.
      Ärgere Dich nicht zu sehr. Manchmal muss man gewisse Veränderungen einfach hinnehmen.

      • Danke Stefan du Wunderknabe. Natürlich kann ich die Schrift intern größer oder kleiner machen. Und wenn ich nun weiß, warum das so ist, kann ich damit leben. Dann will mich ja auch keiner ärgern. Ich habe die Frage schon öfter gestellt und keiner weiß, wovon ich rede. Es ist ja eine Kleinigkeit, die Schrift intern größer oder kleiner zu machen. Was der dann macht, der den Beitrag liest, kann mir ja völlig egal sein. Muß er sich halt ärgern, wundern oder fragen. Aber nicht mich. Du heißt Haase, aber ich, wie üblich, weiß mal wieder von
        g a r n i c h t s.

        LG Hildegard

      • Danke Hildegard. Schön, das Du einen Kompromiss gefunden hast.
        Es gibt für fast alles eine Lösung.
        Hab’ einen schönen Abend.
        Stefan

    • Liebe Frau Lewandowsky,
      ich las bereits bei einem andern Text von Ihrem Leseproblem und hadere beim Kommentieren gleich Ihnen. Es ist anstrengend, weil mauseklein zu betexten, doch nach der Veröffentlichung ist die Schrift eindeutig leserlich. Ich bin feuerfuchsig unterwegs und glaube, es ist wirklich eine Einstellungssache.
      Lieber Herr Haase, kann Cookie Policy da eine Rolle spielen? Ich bin nicht konform genug, dieses eigenfingerkuppig zu überprüfen…

      Ihnen beiden einen unmundtoten Abend wünschend, Ihre Frau Knobloch.

      • Liebe Frau Knobloch, wir sind dem Rätsel auf der Spur. Das Leben ist eben geheimnisvoll, und das Leben mit dem Internet ganz besonders. Aber. wir packen das!

      • Was wäre das internettige Leben ohne Geheimnisse, liebe Frau Lewandowsky? Ich las Ihre klugen Kommentare bereits öfter bei dem geschätzten Herrn Mersmann. Und nun schreiben wir hier einander… uiuiuiui.
        “Wir packen/schaffen das” ist leider inzwischen fehlwortbesetzt, dennoch glaube ich an die immerwährende Hoffnung. Was hier wortzugetan bewiesen wäre, überzeugte Grüße die Ihre.

      • Liebe Frau Knobloch, vorwäts wie Blücher….Wir werden der Zukunft die Stirn bieten.

      • Manchmal viel zu oft muss man sich in der Trendsportart Contenance üben.
        Umso schöner, das ein Geheimnis gelöst werden konnte.
        Und manchmal hilft einfach, wie im Leben, ein Neustart.
        Einen Abend nach Art des Hauses wünsche ich samt herzlichen ElbGrüßen.

      • Es schadet nicht, die Cookies und Verlauf zu löschen. Doch haben sie nicht mit der Schriftgröße bzw. der Darstellung im Browser zu tun. Ich würde vorschlagen, den Browser auf die aktuellste Version upzudaten und ggf. über das Browsermenu die Schrift größer oder kleiner zu setzen. Und Vorsicht vor externen Programmen die angeblich alles was den Speicher blockiert löscht.
        Ich hoffe, ich konnte helfen.
        Natürlich bleiben wir, in diesem Sinne, am Ball.

  2. Gar nicht mein Thema und dennoch so sehr…

    Brot und Spiele. Und wir gierigen Nutznießer, die von sowohl als auch nicht mehr wissen wollen. Werden nie satt und nie genügend unterhalten.
    Markenpflege ohne monetenverkleisterte Brille? Glauben Sie wirklich an derley Möglichkeit, lieber Herr Haase? Ich leider nicht mehr. Und ich sehe bei dieser Götterdämmerung mitleidend in die Flammen: Da verbrennen billige Arbeitskräfte zu unserer Unterhaltung. Schon viel zu lange.
    Nichtdestrotrotz ein wichtiger Artikel, ich wünsche mir, daß mehr themainvolvierte Augen ihn lesen und weitertragen.
    Ihnen wie stets herzliche Grüße gen Norden, Ihre Frau Knobloch, zugeneigt.

    • Einspruch Verehrte. Auch wenn ich nicht vor einer Glaskugel sitze, weiß ich, das Grenzen erreicht sind. Es mag sein, das dieses System noch einige Jahre weiter wurschteln wird. Dennoch wird es langsam Veränderungen geben. Ich schaue beispielsweise über den Teich und sehe die Amerikaner, wie sie ihre Fußball-Liga intelligent hochziehen. Dort sitzen Manager auf den Chefstühlen die nicht einen Verein aufblasen, sondern stetig und langsam wachsen lassen. In Europa werden bereits zu viele Vereine über dubiose Finanzquellen finanziert. Das mag hierzulande noch neue Musik sein. Doch ich bin mir sicher, das der erste Ansatz ist, für mehr Qualität in der Führung zu sorgen. Das wird kommen müssen. Und es gibt bereits vereinzelt kleinere Vereine die dies auch tun. Langsames Wachsen, Qualität in der Führung u.a. zieht neue Investoren, die nicht schnell reich werden wollen, sondern sehen wollen, das ihr Geld arbeitet.
      Ich bin da nicht so pessimistisch, sehe zumindest ein kleines Lichtlein.
      Ansonsten wird diese künstliche Blase irgendwann, beginnend in England und Spanien, platzen.
      Behalten wir dennoch die Contenance nebst geblinzelnten Gruß aus dem dunklen Elblandien.

      • Ich chapeauisiere vor Ihrem Einspruch, schicke für heute meine innewohnende Perspektivpeggy in die Schämecke und tätschele meine Constanze. Oder vielmehr sie mich…
        Danke für diesen Austausch, Ihre Frau Knobloch, unthematisch zugeneigt und unverhohlen zurückblinzelnt.

      • Auch wenn es hier ein Nischenthema ist, werden ich wohl noch einen weiteren Artikel über Marken und Millionen als Gegenentwurf nachschieben, der sich nicht nur an Fans des runden Leders wendet.
        Hier gibt es nichts für die Schämecke sondern einen erfrischenden Austausch und das ganz unverhohlen. Verehrte, lassen Sie es sich zum Abend richtig gut gehen.

      • Schieben Sie nach, mein lieber Herr Haase, schieben Sie! Ich bin ja begeisterte Anhängerin der Horizonterweiterung. Und da dies bonfortionös zur unverhohlenen Austauscherey paßt, freue ich mich darob.
        Herzlichst, die Ihre.

      • Möge mir Ihre Worte Motivation und Ansporn sein. Fußball und Unternehmen haben viel gemeinsam. Da kann man sogar vom Fußball, weniger das Spiel, lernen. Und diesen eleganten Bogen möchte ich wie immer schlagen. Und eine solch wortvitale Austauscherey ist der bonfortionöse Bonus am nahenden Ende eines Tages.
        Herzliche Elbische Grüße zum Abend nach Lipperlandien, ins Haus am Ende der Strasse.