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All or Nothing at All

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Vor wenigen Tagen wäre Frank Sinatra 100 Jahre alt geworden. Grund genug um auf seine musikalische Karriere zurück zu schauen mit sieben essentiellen Songs und Alben. Er hatte nie ein Lied selbst komponiert und konnte nur rudimentär Noten lesen. Doch seine Song-Interpretationen setzten musikalische Maßstäbe und so machte er die Songs zu seiner eigenen Kunst.

In den Orchestern von Harry James und Tommy Dorsey lernte er in den 30er Jahren das Singen, da er keine Gesangsausbildung hatte. Der Legende nach schulte ihn Tommy Dorsey im Atmen, dem Tempo und der Phrasierung von Songs. Die 40er und 50er Jahre waren seine ersten Höhepunkte und Jahrzehnte. Welche Bedeutung sein Gesangsstil für andere Künstler hatte, zeigt sich u.a. in der Aussage des Jazz Musikers Miles Davis, der Frank Sinatra´s Songs zuerst studierte, um Phrasierung, Tempo und Tonlage zu lernen.

Er wollte den Erfolg mit allen Mitteln und erreichte ihn auch. Als Sohn italienischer Einwanderer in ärmsten Verhältnissen geboren, wollte er eigentlich Journalist werden. Als er bei einem Gesangswettbewerb einen Preis gewann, nahm sein Leben eine Wende.

1942 trat Sinatra bis zu 10 mal am Tag als Solokünstler auf und besonders die jungen Amerikanischen Frauen wollten ihn auf der Bühne sehen. Er war der landesweite Tröster und schon zu jungen Jahren zur Stimme Amerikas geworden. Wann immer etwas tragisches in Amerika passiert, es wird Musik von Frank Sinatra zur Beruhigung gespielt.

Als Ende der 60er Jahre Bands wie The Doors u.a. populär wurden, der Musikgeschmack sich veränderte, sank langsam sein Stern. Bereits 1971 gab er ein erstes Abschiedskonzert. 2 Jahre später war er wieder da. Kennzeichnend für seine Karriere waren auch auch die beiden Plattenlabel Reprise (von ihm selbst gegründet und wenig später an Warner Brothers verkauft) und Capitol Records. Die Aufnahmen, die man in vielen Boxen und Best-of Alben kaufen kann, zeigen die musikalische Entwicklung wie auch die Creme der großen amerikanischen Orchester und Arrangeure.

Seinen klassischen, charmanten und lässigen Stil auf der Bühne folgte auch der Sturz privat mit Glücksspiel, Drogen, Alkohol und jeder Menge Frauen. Er soll, wenn er getrunken hatte, oft jähzornig gewesen sein, obwohl man ihm äußerlich nichts ansah. Nur wenn er selbst mit sich und seinem Auftritt auf der Bühne zufrieden war, war er glücklich und zufrieden.

Wenn man seine Songs hört, dann hört man seinen unverkennbaren Stil, sein Timbre, markant, energisch und von schmelzender Eleganz gepaart mit Lässigkeit. In den Sechzigern nannten ihn die Amerikaner “The Voice”. Seine erste Studioaufnahme ist von 1939 und seine letzte fand 1993 statt. Dazwischen veröffentlichte er ca. 1.300 Songs, gab ca. 5.000 Konzerte, trat in fast 1.000 Fernseh- und Radioshows auf.

Ein Fernsehtipp. Am 23.12.2015 um 20.15 Uhr zeigt ARTE die Dokumentation All or Nothing at all über Frank Sinatra und sein Leben.

I Get A Kick Out Of You
1953 gab es zwei entscheidende Wendungen in Sinatras Leben. Zum einen unterschrieb er einen Plattenvertrag bei Capitol Records und er spielte eine Nebenrolle im Film “From Here to Eternity”, wo er den Oscar als bester Nebendarsteller gewann. Bei Capitol Records brachte man ihn mit dem Arrangeur Nelson Riddle zusammen und die Chemie zwischen beiden stimmte sofort. Es entstand das Album “Songs for Young Lovers”. Streicher, eine feine Basslinie und Sinatra singt wie im Traum.
“Some they may go for cocaine
I’m sure that even one sniff
It would bore me terifffffffffff
ically too”

Glad to Be Unhappy
1955 folgte der Meilenstein, das Album “In The Wee Small Hours”. Tom Waits nannte es “…the very first concept album”. In dieser Zeit verlor er vermutlich die Liebe seines Lebens, Ava Gardner. Für dieses Konzeptalbum musste Sinatra lernen wie man “Torch Songs” interpretriert. Es entstand ein Meilenstein mit 16 thematisch zusammen hängenden Songs der Modernen Musik.

I´ve Got You Under My Skin
Das Album “Songs for Swingin’ Lovers!” entstand 1962 und ist ein gutes Sinatra-Einsteigeralbum. Allein das Orchesterrrangement ist meisterlich dynamisch, wo Sinatra als Sänger das richtige Timbre und Phrasierung finden musste.
“Don’t you know, little fool,
you never can win?
Why not use your mentality?
Step up, wake up to reality”.

It Was A Very Good Year
1965, mit 40 Jahren, nahm er diesen Song auf, dessen Zeilen sehr viel über ihn sagen. Ein Geschenk.
“When I was thirty-five, it was a very good year
It was a very good year for blue-blooded girls
Of independent means.
We’d ride in limousines
Their chauffeurs would drive
When I was thirty-five.”

One For My Baby (Live at the Sands)
1966 spielte er mit dem Orchester von Count Basie ein fabelhaftes und höchst lässiges swingendes Live-Album ein.

Francis Albert Sinatra & Antônio Carlos Jobim
1967 nahm er mit dem Legendären Brasilianischen Musiker Antônio Carlos Jobim ein Album auf. Kann Sinatra auch Bossa Nova? Ja, er konnte auch dies, wie man hier Live hören kann.

Bang, Bang, She Shot Me Down
1984 folgte ein Spätwerk mit “She Shot Me Down”, teils düster und melancholisch wo Sinatra noch einmal zeigte was ihn auszeichnete, seine Songauswahl, das Arrangement und sein Gesangsstil.

Author: Stefan

Welcome to my personal microcosmos "Freiaum/Free Zone" in the most beautiful city of the world, in Hamburg. Just someone with a camera and a mission to record the extra and the ordinary. My hearts beats among other things for Photography, Culture and Art, Visual Art, Social Media, Communication, Storytelling, Music, Literature, Blog and Text.

30 thoughts on “All or Nothing at All

  1. Danke, Stefan, das war interessant zu lesen. Mal schauen, ob ich am 23. Zeit für den Bericht auf Arte habe.
    LG von Susanne

    • Dankeschön, Susanne. ARTE wird die Doku sicherlich wiederholen und sie ist in der ARTE-Mediathek nachschaubar. Ansonsten aufnehmen und später anschauen. Ich denke, es lohnt sich.
      Liebe Grüße,
      Stefan

  2. Lieber Stefan,
    danke für diesen schönen Post. Ganz unverhofft hat so der gute alte Frankie meine morgendliche Dialyse sehr beschwingt gemacht.
    Der Film würde mich schon interessieren, aber warum bringen die das am 23. Dezember. Bei uns ist da das ganze Haus voll mit Famüllje – und da wird gequatscht aber nicht geglotzt. Schade, aber vielleicht läuft der Film ja such später nochmal.
    Liebe Grüße
    Kai

    • Lieber Kai,
      für die Programmplanung bei ARTE kann ich leider nichts. Ich hätte mir einen anderen Termin auch gewünscht. Ich denke, die Doku wird auch wiederholt. Ansonsten, wenn Du die Doku nicht über die Mediathek sehen möchtest, einfach aufnehmen und später gucken.
      Ich glaube, Sinatra hatte das Gewisse Extra in seiner Stimme, das Unaufgeregte und Lässige, das so beruhigend und berührend wirkt. Vielleicht war er auch aus einem Italienischen Edelholz geschnitzt. Schließlich konnte er bis zu seinem 80. Lebensjahr noch Live auftreten.
      Alles gute für Dich, Kraft und Energie. Genieße die Adventszeit.
      Liebe Grüße,
      Stefan

      • Lieber Stefan,
        so werd ich es machen (Mediathek oder aufnehmen).
        Ja, der Sinatra war einfach ein cooler Hund, and so his voice. Ich persönlich liebe ja diese Auftritte zusammen mit dem Rat Pack im Sands Hotel. Und Dean Martin ist auch so ein cooler Hund und seine Zwischen-Monologe sind göttlich…
        Liebe Grüße
        Kai

      • Lieber Kai,
        ich werde es Dir vermutlich nachmachen, mit dem Aufnehmen. Die Beschreibung zur Doku macht mich auch neugierig.
        Wenn man sich heute alte Aufnahmen vom Rat Pack anschaut, sieht man, was das für Größen der Modernen Musik waren. Dino war auch cool. Wie die sich gegenseitig hoch genommen hatten…wirklich göttlich und ganz großes Entertainment.
        Da können sich auch heute noch sehr viele Komiker, Sänger usw. ganz dicke Scheiben abschneiden.
        Liebe Grüße aus dem milden vor sich hin nieselnden Norden,
        Stefan

  3. Lieber Stefan,
    ein sehr schöner Beitrag über den alten Mafioso😉
    War schon ein Großer, selbst der Punk-Rock blieb nicht unbeeindruckt, wie Rotzlöffel Sid und unsere Nina bewiesen ;-))

    Liebe Grüße,
    Gerhard

    • Schöne Auswahl zu “My Way”… da gäbe es wahrscheinlich auch richtig grausame Versionen zu finden. Denn: Wer hat das noch nicht versucht, zu singen?
      Ach ja, und Frankie und seine Freunde mit den Sonnenbrillen: Ganz Hollywood und letztlich auch die Kennedys hatten es seinerzeit mit der Mafia. Heute ist Hollywood in den Klauen von Scientology. Auch nicht viel besser…

      • Absolut😉 Stimmt schon, die Kennedys waren in der Sache auch nicht sauber, was man so liest…

      • Man darf gespannt sein, wenn die Archive geöffnet werden, was dann noch so rauskommen wird😉 Dagegen kämpfen seit Jahren die Kennedys, mit allen juristischen Mitteln.

      • Ob wir da je die ganze Wahrheit erfahren? Reagan und die Bushs haben ihr Zeug aus den Giftschränken gleich in einer eigenen Stiftung/Bibliothek verschwinden lassen, da wurde der Deckel gleich gründlich draufgehauen.

      • Ich bin auch nicht optimistisch, da der Arm der Kennedys sehr lang ist. Vermutlich haben Reagan u.a. daraus gelernt. Siehe auch Kohl. Aber lassen wir uns vielleicht doch eines Tages überraschen.

      • My Way ist im Original ein französischer Chanson, das Paul Anka gehört hatte und für Sinatra umschrieb. Hier im Original von Claude Francois: https://youtu.be/avr5nvY4wxg und in der Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Comme_d%E2%80%99habitude
        Sinatra hatte sich sogar singend für Kennedy als Präsidenten eingesetzt und war Mitglied der Demokraten. Du hast Recht. Die Namen sind andere geworden. Doch die Einflüsse bis in höchste Kreise bleiben. Da hat sich wenig geändert…leider.

      • Wenn ich mich recht erinnere, war Peter Lawford, Kennedys Schwager derjenige, der sowohl die Kontakte Kennedy-Rat Pack-Mafia knüpfte, als auch MM den Jungs feilbot …

      • Er soll auch der letzte gewesen sein, mit dem MM telefonierte. Seine Kontakte waren, sagen wir, weitreichend. Ich meine mich auch zu erinnern, dass Bobby erfolgreich versuchte Abstand zu halten, da ihm die Nähe zum Rat-Pack, nach der Wahl, nicht mehr geheuer war.

    • Lieber Gerhard,
      man denke auch an Bob Dylan😉 und sein letztes Tribute-Album. Danke für diese Songauswahl. Da gibt es sehr viele schlimme Versionen.
      Liebe Grüße aus dem viel zu milden und leider grauen Hamburg,
      Stefan

      • Lieber Stefan,
        an das Dylan-Album denke ich lieber nicht ;-))))))
        Hier scheint’s ähnlich zu sein, vor kurzem hat es auch noch zu regnen angefangen, ziemlich gruslig derzeit,
        liebe Grüße,
        Gerhard

      • Lieber Gerhard,
        Du hast Recht. Darum auch das kleine Smiley. Trotzdem ist das Wetter zu warm und viel zu grau mit Nieselregen. Aber vielleicht kommt der Winter noch.
        Hab’ einen entspannten und vielleicht Fussball-Abend,
        Stefan
        P.S. Hast Du schon die PK von Bochum gesehen, wo der VFL mal wieder klare Kante der Bild gegenüber anschlägt. “An meiner Seite: Sportvorstand Christian Hochstätter und Cheftrainer Gertjan Verbeek, die Eure Fragen erwarten. Mit einer einzigen Ausnahme: Sowohl Sportvorstand als auch Cheftrainer haben sich dazu entschieden, keine Fragen der „Bild“-Zeitung mehr zu beantworten”. https://youtu.be/PEHggiYlbuI?t=36s

      • Lieber Stefan,
        ich werde mir heute zum Ausklang des Konzertjahres Brian Lopez und Gabriel Sullivan (beide aus dem Giant-Sand-Umfeld) in kleinem Rahmen anschauen, Pokal stand zwar durchaus auch zur Diskussion, aber aufgrund der grauenvollen Leistungen der Löwen in den letzten Spielen schenken wir uns das heute. Derzeit bleibt nur noch die Hoffnung auf ein Wunder auf dem Transfermarkt in der Winterpause, sonst wird an der 3. Liga kein Weg vorbeiführen. In der Haut vom Kreuzer möchte ich momentan nicht stecken. Die Ansage gegenüber der “Bild” von Seiten der Bochumer ist aller Ehren wert😉 Danke für den Link, kannte ich noch nicht.
        Liebe Grüße und einen schönen Abend,
        Gerhard

      • Lieber Gerhard,
        das klingt nach einem entspanneden Abend und kleiner Rahmen ist oft ein richtig schönes Ambiente. Viel Spaß dabei.
        Vermutlich hast Du mit dem TSV recht. Der Investor soll sogar im Stadion sitzen und die SZ schrieb: gewinnt der TSV wird es einfacher neue Spieler in der Winterpause zu verpflichten. Ich werde beim BVB-Spiel in Augsburg wohl die zweite Halbzeit sehen.
        Ja, der VFL wird mir immer sympathischer. Auch wenn es nur eine Ausnahme ist…ist sie, wie Du sagst, aller ehren wert.
        Liebe Grüße und Dir einen schönen Konzertabend,
        Stefan

      • Danke, Stefan. War ein schöner Konzertabend, leider grauenvoll schlecht besucht, aber aufgrund des Pokal-Debakels auf alle Fälle die bessere Wahl. Bericht folgt.
        Ich wünsch Dir einen schönen Tag, liebe Grüße,
        Gerhard

      • Meistens sind solche Konzertabend, mit wenig Publikum, oft besonders schöne. Ich bin auf die Besprechung gespannt.
        Das Spiel vom TSV habe ich nur in der Zusammenfassung gesehen. Es scheint, wie wir beide seit Saisonbeginn besprochen hatten, eine sehr schwere Saison zu werden. Warten wir ab wie der Investor sich verhalten wird.
        Liebe Grüße am späten Abend,
        Stefan

  4. PS: Danke für das tolle Portrait und die Einschätzung einiger Alben: Glad to be unhappy ist eines meiner liebsten.

    Zu seinem 100. Geburtstag wurde jetzt oft auch auf die Reportage: Frank Sinatra ist erkältet von Gay Talese hingewiesen – kann ich nur empfehlen, ein klasse Schreiber! Es gibt ein Buch bei 2001: http://www.zweitausendeins.de/gay-talese-frank-sinatra-ist-erkaltet.html

  5. Danke für diesen Artikel über einen großartigen Künstler (dem nun ja der selbst großartige Bob Dylan auf seinem letzten Album huldigt).
    Lg,
    Werner

    • Dankeschön Werner. Es hat zwar etwas gedauert bis ich die Songs alle zusammen hatte, doch es hat sich gelohnt, wie ich finde.
      Ich denke, auch kommende Generationen werden “The Voice” weiter huldigen. Eine Jahrhundertgestalt.
      Liebe Grüße,
      Stefan

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