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David Bowie (1947-2016)

20 Comments

Es fühlte sich heute Morgen seltsam an, als ein Radiosprecher den Tod von David Bowie verkündete. Schon wieder ein Großer der Musik. Wenn es schon heißt, die Alten sollen es richten, so sind sie doch fast alle nicht mehr da. Zuletzt ging Lemmy von Motörhead. Mit Bowie ist ein weiterer musikalischer Lebensbegleiter gegangen.

5 Jahrzehnte lang umfasste seine Karriere. Seine Wurzeln liegen in den 60er Jahren in London. Er saugte die damalige Stimmung auf, interessierte sich für das Theater, für die Undergroundszene und war jung und hungrig. Als Davie Jones begann er seine musikalische Karriere. Nach der Namensänderung in David Bowie ging es gleich mit seinem Debut „Space Oddity“ in den Rock-Olymp und danach meist fortan nach vorn.

Auch wenn immer das Klischee des singenden Chamäleons genannt wird, was eine Erfindung der Presse ist und seinen Ursprung in einem frühen Songtext von ihm hatte, war Bowie keinesfalls dieses Tier das seine Farben wechselte und sich der Umgebung anpasste.

Dazu passt auch die Aussage seines Biografen Paul Trynka im Guardian:
“Actually, he creates the mask in order to make the art. A chameleon changes to mimic its background. Bowie forces the background to change to mimic him. His great achievement is not to market himself with a persona, it’s to create a persona with which to make art.”

Wie er selber sagte, stand er am meisten nach Erfolgen unter Druck, das zu tun, was man dachte, er tun sollte. Und das war meistens nicht gut. So lernte er seinen Weg zu gehen mit ebenso einigen Fehlschlägen.

1974 ging er, vor der Disco-Welle, nach Amerika und nahm „Young Americans“ auf. 1976 zog es ihn nach Berlin. Er wohnte u.a. bei Edgar Froese (Tangerine Dream), der leider auch nicht mehr unter uns ist, und machte einen kalten Drogenentzug. Aus dieser Zeit entstammte auch die bekannte Berliner Trilogie u.a. mit dem Song „Heroes“. Er war ein früher Trendsetter mit sicheren Gespür für die Balance aus Kunst, Veränderung, Stimmungen und Kommerz mit einer immer wieder neuen Inszenierung.

Bowie sagte in Interviews oft und gelangweilt, das er sich seit den 70er Jahren nicht mehr neu erfunden hatte. Und dennoch goutierte er, vermutlich mit einem Lächeln, wenn sich andere Künstler in Interviews ihn als Vorbild der Camouflage benannten. Musikjournalisten beschrieben ihn in Interviews als schwierig, weil er viel Wert auf das später gedruckte Wort legte. So kontrollierte er die Interviews und sagte das, was er auch veröffentlichen wollte. Waren die Mikrofone ausgeschaltet, zeigte sich der private Bowie, der locker wurde und vermutlich viel erzählte, von dem die Journalisten leider nichts verwenden durften.

Nach einem Herzinfarkt in 2004 zog er sich komplett zurück. Keine Auftritte oder Alben, keine Interviews. Es gibt vergleichbar keinen anderen Künstler den die Journalisten so in Ruhe ließen. Denn jeder wusste: wenn er zurück kommt, dann wie Phönix aus der Asche.

Er schaffte den Sprung vom Künstler zum eigenen Kunstwerk früh. Etwas was nur wenige schaffen. Nicht das er als Künstler nur seine Äußerlichkeit und den Musikstil änderte. Nein, er änderte den ganzen Hintergrund seines eigenen Gemäldes und wurde damit früh künstlerisch unsterblich. 2013 zu seinem 66. Geburtstag, dann der Paukenschlag: es wird ein neues Album von ihm geben. Als erste Single nach 9 Jahren Pause gab es eine melancholische und leicht verstörerische Ballade mit „Where Are We Now“ samt Video. Es war dennoch ein cleverer Schachzug, da Bowie im Video die Vergangenheit, gemeint ist seine Zeit in Berlin, mit der Zukunft verschmolz.

…as long as there´s ME…as long as there´s YOU… (aus dem Song “Where Are We Now?”)

Zuletzt sah man Bowie mit seiner Ehefrau im Dezember 2015 zur Premiere von “Lazarus“, im New York City Theatre, wo er lächelte und einen vitalen Eindruck hinterließ. Nur 1 Monat später erlag er seinem Krebsleiden. David Bowie, der so oft in seinem Leben ein Comeback feierte, hat nun seine letzte Reise angetreten. Sein Werk wird weiterleben und weiter getragen. Er hinterlässt neben der Sprachlosigkeit des Moments eine große Lücke.

Author: Stefan

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20 thoughts on “David Bowie (1947-2016)

  1. Ein Lebensbegleiter ist gegangen, nicht nur ein musikalischer. Er gehörte dazu, war eine der Konstanten im Leben, die nach und nach wegbrechen. Die letzte Reise, die wir alle vor uns haben, wird fühlbarer.

    • Es wird “fühlbarer”…Das ist gut geschrieben. Für mich war ein steter Begleiter. Umso seltsamer fühlte ich mich heute morgen. Die Lücken werden größer und wir werden noch so manche Kerze anzünden.

  2. R.I.P. David….
    Ich liebte seine Musik, ihn und seine immense optische Wandlungsfähigkeit.
    Am heutigen Tag werde ich nur “Low” hören – meine liebste Vinyl-Langspielplatte
    LG von Rosie

    • “Low” ist eine gute Wahl. Das Album hatte ich auch als Vinyl und natürlich “Hereos”. Wie gut das er seiner Zeit in Berlin von den Drogen los kam. Viel hätte damals, wie er selber sagte, nicht gefehlt.
      Das gute an Künstlern ist, das ihr Werk unsterblich ist und man es weiter hören kann…was ein schwacher aber dennoch Trost ist…in einer Welt ohne ihn, was nach wie vor schwer fällt zu glauben.
      Liebe Grüße,
      Stefan

      • “Low” war damals für mich wie eine Offenbarung. Ich kann noch heute jeden Track mitsingen.
        Und dann das Cover…einfach fantastisch.
        LG von Rosie

      • Allein die geniale Zusammenarbeit mit Brian Eno und das Instrumental “Warzsawa” oder “Sound And Vsision” und sowieso die ganze Berliner Trilogie waren ein großer künstlerischer Wurf der noch immer nachwirkt. Mir sind noch immer einige Songs daraus fest im Gedächtnis. Wie gut das er damals seinen Kampf gegen die Drogen gewonnen hatte. In dieser Zeit stand sein Leben auf der Kippe, wie er selbst sagte.
        Dankeschön Rosie samt einem lieben Gruß,
        Stefan

  3. Lieber Stefan,
    mir ging es heute morgen ganz ähnlich. Schon wieder einer von ‘Denen’ gestorben.
    Von Bowie mag ich das Eine und das Andere, bin kein Fan oder so. Aber ich werd mich jetzt mal durch seine Musik hören.
    Ganz toll finde ich Deinen Nachruf, gespickt mit Infos – da wusste ich einiges nicht.
    Danke dafür und liebe Grüße
    Kai

    • Lieber Kai,
      selbst wenn man Bowie nicht mochte, finden sich diverse Perlen in seinem umfangreichen Katalog. Ich glaube, er hat heute morgen sehr viele Menschen bewegt und die Lücke die er hinterlassen hat, werden wir noch spüren. Doch sein Werk ist unsterblich und wird auch zukünftige Generationen überdauern. Durch seinen Tod bekommt auch sein aktuelles Album einen anderen Bezug.
      Ich danke Dir für das Lob.
      Liebe Grüße,
      Stefan

  4. Er wird sehr vielen fehlen. Heute, später … Mich hat er Jahrzehnte begleitet und fasziniert. Als Musiker, als Person.
    Schade, dass für ihn die Zeit gekommen war zu gehen.

    LG Michèle

    • Dankeschön Michèle. Auch wenn wir alle sterblich sind, so sind solche Nachrichten nach wie vor sehr traurig. Auch wenn ich ihn nie persönlich kennengelernt hatte, so ist doch jemand gegangen, der einem nahe stand.
      Liebe Grüße,
      Stefan

  5. Thank you for the tribute to David Bowie Stefan. It is hard to imagine a shining star fading. Thankfully he has left a legacy of amazing art and music.

    • It was a strange moment this morning to hear that David Bowie passed…only two days after his birthday and together with the release of his new album. What a timing. He was a friend in a musical meaning for me and I was happy to hear about his new album that, it seemed so, fully recovered and were in a good condition and mood. This is really a black monday. His music and art is immortal. What an artist and career.

      • It is sad and shocking news this morning. I love the music of Bowie. My friend was living in Berlin when he saw David Bowie in concert there, I can only imagine how amazing it was to see him live in concert. Such a original and gifted man we will not see the likes of again. Thank you Stefan.

  6. Da sieht man wie Musik begleitet…bewegt….Danke für deinen Beitrag dazu! lieben Gruß – Karin

  7. Shocking news and a very sad loss. His creative genius was astounding and it’s incredible to think that there’s no “what comes next?” from him. Thanks for posting Stefan.

    • Thank you Jane. It was a really sad monday. He was a true legend. Tony Visconti, his friend and producer, wrote: “His death was no different from his life – a work of Art. He made Blackstar for us, his parting gift. I knew for a year this was the way it would be. I wasn’t, however, prepared for it. He was an extraordinary man, full of love and life.” Now there is a big gap and a world without him, which makes sad.

  8. Schöner Beitrag von dir, Stefan…. Ich kann es auch noch immer nicht glauben, dass einer meiner “Helden” tatsächlich nicht mehr unter uns ist. Und wirklich war ich gestern sehr traurig (und bin es bei dem Gedanken an ihn noch immer…. Was bleibt ist die unheimliche Kraft seiner Musik und sein Werk als Künstler.
    Lg,
    Werner

    • Dankeschön Werner.Ich glaube, sehr viele Menschen waren und sind immer noch traurig. Ende März soll es in der Carnegie Hall ein Gedenkkonzert geben, was sowieso bereits zu Lebzeiten von Bowie geplant war. Er wurde schon früh unsterblich, weil seine Kunst auch seinen Tod überleben wird. Dafür war er zu Lebzeiten zu kreativ und hat ei musikalisch üppiges Erbe hinterlassen. Es finden sich im Katalog einfach viele geniale Songs in einer Qualität von denen andere nur träumten. Da er in den letzten 11,12 Jahren keine Interviews und Statements gab, bleiben viele Fragen zu seinen letzten beiden Alben offen. Doch seine Kunst wird auch zukünftige Generationen ansprechen. Da bin ich mir sicher. Und er bleibt für viele andere Vorbild. Ich denke es braucht Zeit um wirklich zu realisieren wer seine Reise zum Blackstar angetreten hat.
      Liebe Grüße,
      Stefan

  9. Danke für diesen Artikel, Stefan. Ein Lebensbegleiter, ja, das war David Bowie auch für mich. Ich bin traurig und freue mich aber dennoch sehr über sein so gelungenes Abschiedsalbum und die Videos, die großartig sind.
    LG, Conny

    • Danke Conny. Er ist einer der noch wenigen und ganz Großen der Musik. Ich war ebenso traurig und so richtig glauben kann man es nicht. Das Video zu Lazarus ist dazu berührend. Seine letzten beiden Alben sind sein Vermächtnis. Seine Kreativität und Inspiration wird enorm fehlen.
      Liebe Grüße,
      Stefan
      P.S. Ich habe heute Abend noch eine rare TV Show sowie eine sehr gut gemachte Radio Show der BBC, bzw. die Links dazu, veröffentlicht.