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Misstrauen

28 Comments

Die Stimmung im Land ist gereizt und das nicht nur nach dem letzten Wochenende. Der Grund dieser Reizstimmung liegt vermeintlich in der Wahrnehmung und der Kritik am allgemeinen Zustand der Welt. Normalerweise bringt Vertrauen Menschen zueinander. Seit dem vergangenen Wahl-Wochenende weiß man, welche kollektive Kraft Misstrauen besitzt. Und es gibt einen reservierten Blick auf das was täglich über die Nachrichtenkanäle transportiert wird.

Angstsbilder einer Bedrohung lassen sich am besten dort aufmalen wo die Bedrohung nicht greifbar ist. Mit den Ängsten der Menschen wird gespielt und einfache Lösungen für komplexe Probleme angeboten. Die vermeintliche Alternative politisiert beispielsweise Städte mit Spaziergängen am Abend. Die Reaktionen sind bekannt. Man nimmt zuerst Polarisierungen nicht ernst, wiegelt ab, ignoriert sie um später festzustellen, man habe sie unterschätzt.

Was es braucht ist Gelassenheit und Entschiedenheit und weniger martialisches verbales Säbelrasseln. Denn nur in Ruhe kann man rational auf amoralische Dinge reagieren. Auf dem Feld der Moral, so treffend Claudius Seidl, kann man nur unterliegen.

“Wir sehen Amoral, wir sehen Leute, die sind so kalt und böse, dass wir es nicht fassen können, und glauben, dass alles, was sozusagen Widerspruch ist, muss moralisch begründet werden. Und so kommen wir dazu, dass nun seit dem späten Sommer die vermeintliche Amoral gegen die vermeintliche Moral steht. Wo man also kaum über die ganzen Fragen, die mit dem Flüchtlingszuzug zusammen hängen rational und kühl reden kann, weil man sofort auf das Feld der Moral getrieben wird, und da möchte man nicht hin. Man will natürlich ein guter Mensch sein und natürlich auf keinen Fall etwas mit diesen komplett bösen Menschen zu tun haben. Es lässt sich aber nicht alles mit Moral analysieren…Ich würde sagen, Widerstand heißt, dieser völlig irrationalen Amoral Rationalität entgegen zu halten und nicht immer nur Moral.” (Claudius Seidl, Feuilletonchef der FAS, in der Talksendung “Thadeusz und die Beobachter”)

Was Seidl beschreibt scheitert leider aktuell in der Auseinandersetzung daran, dass es kaum Politiker gibt, die fähig wären eine solche Debatte rational zu bestreiten. Ein weiterer Aspekt. Die Moderne Kommunikation setzt nicht mehr primär auf Wahlprogramme, Werbespots usw. sondern auf die sozialen Kanäle, wo schnell Überschriften und Inhalte eingespielt werden die sich rasant weiter verbreiten. Ob die Meldung wahr oder unwahr ist, ist dabei zweitrangig. Schließlich kann man am selben oder nächsten Tag alles wieder herunter nehmen. Getreu dem Motto: wer am lautesten schreit, wird am ehesten gehört.

Dazu kommt ein nicht zu unterschätzender Effekt. Das gezielt eingesetzte Ressentiment, also das Vorurteil und Abwertung, hat die bekannte Kritik abgelöst, was sich beispielsweise in Shitstorms, Hass-Mails, Kommentaren usw. zeigt. Wobei die Aussagen, also das Ressentiment, substanzlos sind. Den oder das zu deklassieren und gezielt abzuwerten ist bereits der Klebstoff einer neuen Kommunikation die gezielt damit Themen und Stimmungen auf die Spitzen treibt. Ein zutiefst beunruhigendes Phänomen, weil es der fundierten Kritik und Analyse weniger Raum gibt, den Streit, die Diskussion mit dem Austausch von Argumenten nahezu unmöglich macht.

Wenn sich Stimmungen in der Gesellschaft verändern in Misstrauen, wird oft mit Angst und Ignoranz darauf reagiert. Die bisherige Strategie des Entlarvens, das Stigmatisieren einer Partei und deren Wähler, verfängt schon lange nicht mehr. Wer darauf hofft, dass die Wähler schon selbst dahinter kommen werden, was sie gewählt haben liegt fern der Realität. Es braucht eine kühle Analyse ohne Angst, ein freies rationales Denken und Entschiedenheit. Denn “Denken ist unablässiges Durchstreichen”, schrieb schon Paul Valéry.

Author: Stefan

Welcome to my personal microcosmos "Freiaum/Free Zone" in the most beautiful city of the world, in Hamburg. Just someone with a camera and a mission to record the extra and the ordinary. My hearts beats among other things for Photography, Culture and Art, Visual Art, Social Media, Communication, Storytelling, Music, Literature, Blog and Text.

28 thoughts on “Misstrauen

  1. Das Land der Versicherten “gegen eh alles” ist ein allzu aufnahmebereiter Nährboden für diejenigen, die Ängste instrumentalisieren.

    • Ein ebenso anschaulicher Seiteneffekt. Leider gibt es gegen Denkfaulheit, dem Ressentiment oder verrohendes Denken keine Versicherung die Abhilfe schafft. Da hilft nur eigenes Denken und das Bemühen kühl und gelassen auf Umstände zu reagieren.

  2. Früher hat man Bauchgefühl gehabt, heute hat meine eine App dafür.
    Ich habe das irgendwo gelesen, leider weiss ich nicht mehr wo.
    Es ist sicher vieles ‘dran, ich möchte mir mein Bauchgefühl bewahren.
    Ich denke, es gibt viel Angst, weil wenig Aufklärung betrieben wird und weil die Menschen intern schon viele Ängste haben, die verschwommen sind. Ängste wie Rente, Krankheit, Verlust usw. Nun haben bei einigen diese Ängste das Gesicht der Flüchtlinge bekommen – leider.
    Ich hoffe, die Menschen haben aus der Geschichte gelernt und wiederholen sie nicht.

    • Angst, da sind wir uns einig, ist kein guter Ratgeber. Doch hier geht es um Menschen deren Existenz nicht bedroht ist, deren Alltag sich nicht verändert hat, keine Einschränkungen erfolgt sind und die auf einmal, aufgestachelt von wenigen, glauben, sie seien in ihrer Existenz und Zukunft bedroht. Das kollektive Misstrauen das für den Moment zusammenschweißt ist ein bemerkenswertes Momentum. Bislang glaubte man, wie in anderen Ländern der EU, das es nur einen charismatischen Führer einer populistischen Bewegung geben muss. Hier war es die zur Unperson erklärten “Flüchtlinge”. Diese Unperson ist zu einer Leitfigur geworden und eine vermeintliche Alternative hat das Flüchtlingsthema zur Generalmobilisierung genutzt. Und das macht diesen Stimmunsgwechsel ebenso gefährlich wie nachdenklich. Ich hoffe ebenso, das zumindest die meisten noch wissen, das Geschichte sich ebenso wiederholen kann und man genauso daraus auch lernen kann. Wir werden sehen.

  3. Hi Stefan. Very interesting post! Simple solutions to complex problems! That’s what many people are asking for because they feel powerless and frightened . They want leadership to remove all the questions and fear popping up all the time. That gives rooms for the loudest voice. Great example is Trump.
    Jorge Ramos questions to Trump on immigration: https://youtu.be/0w251in94pA
    All the best,
    Hanna

    • Hi Hanna. Thank you for the comment and the link. You´re right. One may say it is a Trump-Effect. Whoever shouts the loudest will be heard. And we should not forget the increasing influence of social media channels like Facebook etc. We are living in a changeable time.
      Take care and all the best,
      Stefan

  4. Hallo Stefan,
    vielleicht ist es nicht so schlecht wenn jene, die sonst simple Parolen verkünden, nun in der Regierungsverantwortung sind. Oft hat die Vergangenheit gezeigt, dass derartig Vereinigungen sich dann selbst einstampfen. Etwas zu bewerkstelligen ist viel schwiergier als einfach nur nein & dagegen zu schreien.
    Trotzdem macht es mir Angst wie dünn die Zivilisationsschicht ist und wie schnell Sozialneid aufkommt. Als vor 25 Jahren ‘Wir sind das Volk’ gerufen wurde ging es um eine friedliche Revulotion. Als es unlängst wieder in den Nachrichten auftauchte wurde mir schlecht, in Anbetracht der Umnutzung.

    Leider gibt es in diesem Zusammenhang keine simple Lösung denn so schlimm ich es auch finde, wirtschaftliche Not war schon immer ein Nährboden für Propaganda.
    Es stellt sich nun tatsächlich jedem Einzelnen die Frage wie damit umzugehen ist.
    Wegschauen ist keine Option mehr.
    Viele Grüße Tutti

    • Hallo Tutti,
      auf komplexe Themen und Herausforderungen gibt es keine einfachen Antworten. Es ist möglich, das sich die Rechts-Populisten, ohne Parlamentserfahrung, selbst zerlegen. Der sog. Futterneid ist leider ausgeprägt und immer wieder ein Motiv des Anstoßes. Es wird trotz des Rechtsruckes neue Bündnisse entstehen und es bleibt die Hoffnung, das die Mehrheit gesehen und gelernt hat ihr bisheriges Verhalten auf den Prüfstand zu stellen. Denn ein weiter so wie bisher darf es nicht geben. Dennoch bin ich optimistisch was die Zukunft betrifft. Es können nicht alle die Geschichte vergessen haben. Geschichte kann sich wiederholen oder man lernt daraus. Ich hoffe und glaube an den Lerneffekt, wenngleich all dies nicht einfach umzusetzen ist. Zum Umgang empfehle ich Gelassenheit und im Diskurs Rationales Denken.
      Herzliche Grüße,
      Stefan

  5. Die Frage, ob eine Angst begründet ist oder nicht, hilft in der Regel nicht weiter.
    Angst ist ein gefühl, keine rational abgewägte Überlegung unter Berücksichtigung von Wahrscheinlichkeiten.
    Ich denke da an ein berühmtes Zitat von Roosevelt:
    “The only thing we have to fear is fear itself”.
    ( Das Einzige, was wir fürchten müssen, ist die Angst selber.)

    • Danke für die Ergänzung und bessere Einreihung. Gemeint ist die Angst entsprechend der Furcht wo eine Gefahr beschrieben wird um natürliche Reaktionen auszulösen, wie z.B. Wut, Panik, Aggression.
      Das Zitat trifft es gut. Seien wir dennoch optimistisch. Das Glas ist noch immer halbvoll.

  6. Dein Artikel ist voller interessanter und differenzierter Gedanken, die ich in den sozialen Netzwerken in dieser Zeit oft vermisse. Stattdessen wird auf aufeinander eingeprügelt, sich beschimpft und “in Ecken” gestellt. Ich habe das mit Unbehagen betrachtet, da ich denke, wenn man beschimpft wird, lässt man sich auf keine sachliche Diskussion ein, sondern macht zu. Man darf sich nicht auf diese Ebene einlassen, mit der man eh nichts erreicht.
    Andererseits ist es natürlich schwer, im Umgang mit Menschen sachlich zu bleiben, die so offensichtlich an den Grundfesten unserer Demokratie sägen, in deren Kreisen rassistische Äußerungen salonfähig sind und die jenen wie die Schäflein hinterherlaufen, die bereit sind, ihr Gedankengut notfalls mit Gewalt durchzusetzen. Es ist eine schwierige Situation, nicht nur für Denker.
    LG, Conny

    • Dankeschön Conny. Es ist was die Diskussion betrifft eine äußerst bedenkliche Entwicklung. Gerade die, die das Ressentiment gezielt benutzen und sich abwertend über Dinge und Personen äußern, kommen quasi von der Froschperspektive sich selber auf eine Vogelperspektive hievend daher. Da ist kaum Raum zum Austausch von Argumenten oder einer tieferen Analyse. Da geht es nur noch um die Deutungshochheit derer die am lautesten schreien. Eine wie ich finde bedrohliche Entwicklung da sie nicht nur von einzelnen, die wiederum im negativen Kollektiv eine ganze Masse sind, vorgenommen werden, sondern auch von der vermeintlich politischen Alternative.
      Ich wollte mit meinem Beitrag auch keinen Schnellschuss abfeuern und habe den Sonntag und die Tage danach in Ruhe gedanklich nachwirken lassen. Die politische Auseinandersetzung findet immer mehr in den sozialen Kanälen statt und es gibt einen Trump-Effekt der ganz gezielt die Medien einbindet, trotz aller Kritik. Es ist in der Tat eine schwierige Situation die jedoch ebenso nach Ruhe und Gelassenheit ruft. Ansonsten begibt man sich fahrlässig auf deren Niveau.
      Liebe Grüße,
      Stefan

  7. Die Verhältnisse jetzt erinnern mich sehr an die Weimarer Republik. Und die NSDAP hat auch mal klein angefangen. Leider ist für Viele das alles Steinzeit und die Menschen machen immer die gleichen Fehler. Genau das hat die Protestpartei im Wahlprogramm… weniger davon im Unterricht. Das macht mir Angst und nicht die Flüchtlinge. Und ich hoffe sehr, dass es mehr Menschen gibt als damals, die nicht schweigen.
    Liebe Grüße
    Ute

    • Danke Ute. Wenn es einen zeitlichen Vergleich gibt, dann den zur Situation von 1930. Die vermeintliche Alternative mit der alten NS-Partei zu vergleichen hinkt, da die Alternative nicht rechtsradikal sondern rechtspopulistisch und im Osten noch aggressiver ist. Wenn man sich z.B. anschaut wie ein Trump in den USA die Medien bespielt ohne fundamentales zu sagen, zeigt auch, wie die Moderne Kommunikation heute läuft. Kaum jemand interessiert sich für Wahlprogramme. Inhalte werden über die sozialen Kanäle konsumiert. Beispielsweise hatte das SPD-Programm für Peer Steinrück vor 2 Jahren mehr als 90 Seiten. Das liest kaum niemand. Zu glauben, das man Populisten nur entlarven muss, halte ich für die falsche Strategie, wie die Vergangenheit mehrfach bewiesen hat. Ein Teil der Fraktionen wird sich in den Parlamenten selbst zerlegen. Seien wir ehrlich. Hätte die Alternative noch ganz andere und radikalere Punkte im Wahlprogramm geschrieben, es hätte sie keinen Wähler gekostet. Der Irrglaube war, das man den prozentualen Bodensatz von 10-20% Fremdenfeindlichkeit gleich gesetzt hat mit einer Führungsfigur, die es nicht gibt. Das wiederum die Flüchtlinge zur Gesamtmobilmachung genommen wurden, als Unperson, zeigt das breite Misstrauen in die Politik. Demokratie ist manchmal schmerzvoll. Das sind Stimmungen die immer wieder wechseln können. Nur die Politik bzw. die etablierten Parteien sind gut beraten, dies nicht mehr zu ignorieren, sich nicht mehr auf deren Niveau verbal und martialisch herab zu lassen, ihr bisheriges Denken durchzustreichen und neu zu überdenken. In der Zwischenzeit werden neue Koalitionen geschmiedet, die die Etablierten Parteien noch einige Jahre an der Macht halten. Das was am Sonntag passiert ist, ist leider unverrückbar und zudem war es ein einmaliger Moment, wo sich die kollektive Kraft des Misstrauens deutlich gemacht hat. Ich halte Gelassenheit, Ruhe und Entschiedenheit im Denken für produktiver. Ansonsten begibt man sich vorschnell auf deren Niveau, was ein Fehler ist. Es sind wie auch immer wechselhafte Zeiten, aber keine aussichtslosen Zeiten.
      Liebe Grüße,
      Stefan

      • Hallo Stefan,
        ja natürlich kann man nicht 1:1 mit damals vergleichen. Aber…die Frustriertheit vieler Menschen, ob sie nun nur gefühlt oder real zu kurz kommen. (obwohl man die Verhältnisse nie vergleichen kann) und dass die Alternative von vielen Unternehmern etc. unterstützt und hofiert wird, bzw. diese Mitglied sind.
        Für die ersteren würde es nur noch viel schlimmer werden, da die Alternative mehr als neoliberal ist. Die Letzteren hätten natürlich Vorteile, was so manchen dazu bewegen könnte, die zu unterstützen…
        Bleibt zu hoffen, dass sie sich selbst zerlegen und es niemand schafft, sie an die Macht zu hieven. Deren Programmentwurf finde ich schon besorgniserregend.
        https://correctiv.org/blog/2016/03/14/das-afd-programm-entschluesselt/
        Ich hoffe, die Protestwähler schnallen das jetzt auch.
        Und die alten Parteien werden wahrscheinlich weitermachen wie bisher, wenn sie wieder halbwegs fest im Sattel sitzen.
        Wie damals… leider!
        Mit Aktionismus erreicht man natürlich nichts oder das Gegenteil. Das ist wahr.
        Das Volk wurde übrigens schon viel früher national “ausgerichtet”…schon zu Goethes Zeiten.;-)
        Liebe Grüße
        Ute

      • Danke für den Link Ute. Den geleakten Entwurf hatte ich gestern Abend gelesen. Am späten Abend saß die Chefin der Programmfindungskommission bei Maischberger und sagte, sie kenne das Dokument nicht. Mal abgesehen, das die meisten Punkte mit unserer Verfassung gar nicht konform gehen, frage ich mich, wer auf solche Formulierungen, wie die 12 unglücklichen Jahre (1933-1945) überhaupt kommt. Um nur einen Punkt davon heraus zu nehmen. Da sind wir einer Meinung. Die Berliner Filliale hat sich u.a. für ein generelles Burka- und Minarettverbot ausgesprochen. Das deckt sich mit dem geleakten Dokument. Diese Partei saugt wie ein Staubsauger Stimmungen auf und versucht sie systematisch auf die Spitze zu treiben. Und deren Netzwerk ist nicht zu unterschätzen.
        Die SPD war übrigens die einzige Partei die gegen das damalige Ermächtigungsgesetz gestimmt hat.
        Es darf kein weiter so mehr geben. Wer das nicht kapiert wird mit der Zeit im wahrsten Sinne des Wortes gehen. Insgesamt halte ich es mit Claudius Seidl und seinem Zitat. Eine Lösung für alles habe ich nicht.
        Kurzfristig kommen sie nicht an die Macht, weil sie sonst schnell Geschichte wären. Aber sie werden versuchen Städte, besonders im Osten, weiter zu politisieren und die vermeintlichen Protestler zu instrumentalisieren. In Leipzig sind bislang gescheitert. Doch im Herbst wird in MV und Berlin gewählt. Insgesamt und da bin bei Dir, sind es wechselhafte Zeiten. Aber nostalgisch verklärt zurück ins 19.Jahrhundert ist keine Alternative. Ich hoffe, die Ankündigung eines Rechtsruckes ist Anlass genug für die etablierten Parteien endlich mal zu liefern, sich anzustrengen und die Wähler wieder abzuholen.
        Wenn wir jetzt noch über nationale historische Ausrichtungen, würde das den Rahmen sprengen🙂
        Ich bleibe dabei, die Zeiten sind manchmal “bescheiden” aber nicht aussichtslos.
        Liebe Grüße,
        Stefan

      • Bitte gerne doch…. heute wurde übrigens in den Nachrichten eben aus dem Entwurf zitiert. 😉
        Und einer Fau von Storch, traue ich nach ihren verschiedenen Äußerungen, nicht wirklich viel Gutes zu.
        Was die SPD betrifft, das ist wahr, aber sie hat viel zu spät reagiert. Vorher hätten sich die “Gegenkräfte” einig sein müssen, dann hätten sie das vielleicht noch verhindern können. Dann war die KPD schon lange verboten und allein war die SPD einfach nur eine Minderheit. Vor einer Zeit hat man übrigens jetzt auch mal wieder versucht, Gesetze ohne die Zustimmung des Bundestages durchzubringen. Da waren sie schon wieder fast bei einem Ermächtigungsgesetz. Zwar nach dem Grundgesetz verboten, aber die Gefahr besteht bei großen Koalitionen irgendwie schon.
        Der Hinweis auf historische Ereignisse war auch eher als Fingerzeig gedacht, dass es immer wieder die gleichen Mechanismen sind, wenn auch “moderner”. Wer sich das klar macht, fällt auf sowie nicht so schnell rein.
        Liebe Grüße
        Ute

      • Jetzt laufen der SPD übrigens die Wähler weg, weil sie irgendwie die gleichen Fehler macht, wie damals. Steigbügelhalter für den großen Koalitionspartner. Und der “Erzengel” sagt das eine und tut das andere. Ich denke nur an Fracking. Verboten über 3000 m. Die Vorkommen sind aber unter 3000 m. Ergo… erlaubt… unglaubwürdig bis zum geht nicht mehr. Kein Wunder, wenn viele Protest wählen. Aber besser eben nicht die… 😉

      • Es gibt leider sehr viele einzelne Details, Fehler usw. die man der GroKo ankreiden kann. Fracking ist nur eines von vielen Beispielen, womit Du auch Dein Misstrauen beschreibst und das ist gut so. Vielleicht sieht sich “Dumbo” auch als letzter Vorsitzender der Sozis vor der Vereinigung mit der CDU😉 Denn das Sterben der ehemals Großen Volksparteien geht weiter.
        Die Etablierten Parteien stehen vor der Herausforderung eine Offene Gesellschaft mit Respekt und Toleranz zu gestalten die wir alle wollen. Dafür sind sie in der Pflicht zu liefern.
        Bislang waren die, die Misstrauen in sich getragen haben am Sonntag zur Wahl zuhause geblieben. Am letzten Sonntag sind jedoch viele zur Wahl gegangen. Und die Alternative ist nicht nur breit, was die Personen und Strömungen betrifft, aufgestellt, sondern agieren clever mit den sozialen Kanälen, was ich im Artikel versucht habe zu beschreiben.
        Ich merke selbst in meinem Umfeld wie emotional das Thema ist. Darum auch mein Versuch differenziert und ruhig darüber zu schreiben. Es wird interessant werden zu beobachten wie der erstarkte Rechte nun mit Mandaten, Macht unter dem Einfluss verschiedenster Strömungen intern umgehen wird. Ich denke, wir werden dies weiter beobachten wie auch das Verhalten der anderen Parteien. Es sind und bleiben wechselhafte Zeiten.
        Liebe Grüße aus dem heute mal wieder grauen Norden. Genieße das hoffentlich arbeitsfreie Wochenende.

      • Hallo Stefan,
        Ja so ist das. Und es bleibt zu hoffen, dass sie endlich mal aus dem Knick kommen. Diese Alternative würde ich trotz allem Misstrauen aber niemals wählen. 😔
        Hier ist das schönste Frühlingswetter und ich bin leider ziemlich viel bei der Arbeit. Aber wenigstens die Tür konnte man mittags auf- und den Frühling herein lassen.
        Die verbleibende Zeit werde ich ein paar Sonnenstrahlen einfangen und wenn es ginge, euch auch ein paar schicken.
        Dir auch ein schönes Wochenende und liebe Grüße
        Ute

      • Hallo Ute,
        ich vermute, das die Alt-Parteien weiter Mitglieder verlieren werden und neue farbige Koalitionen entstehen werden, was keinesfalls schlecht ist. Wahrscheinlich ist die nächste Bundesregierung ein Mix aus Grün und Schwarz😉 Hier hat es z.B. die Schill-Partei von 0 auf 25% geschafft und war nach 2 Jahren Geschichte. Warten wir ab. Auch die Etablierten Parteien könnten Alternativen mal wieder anbieten. Das sich Gesellschaften und Stimmungen verändern heißt nicht automatisch, das alle nach rechts rücken. Was die aktuelle Alternative betrifft, bin ich bei Dir und Heribert Prantl (SZ) der sie als sehr gefährlich einstuft.
        Hier bleibt es bei temporären Nieselregen grau und mit Glück soll die Sonne ab und an sich sehen lassen. Dafür habe ich noch ein schönes Vorfrühlingsfoto mit blauen Himmel.
        Euch bitte auch das erholsame und entspannende Wochenende mit Sonne.
        Liebe Grüße,
        Stefan

  8. Spannend!
    Ich freue mich über jeden Beitrag hierzu, der sich mit “Verstand” diesem schwierigen und so emotionalen Thema nähert.
    Sicherlich ist es grundsätzlich nicht falsch , Ratio vor Mftoral zu stellen. Aber dabei bleibt unberücksichtigt, dass nicht die Fakten und Umstände selbst sprechen, sondern Menschen über diese Umstände und Fakten. Und bei Menschen zwischen “Verstand” und “Herz” (hier mal als synonym für “Ratio” und “Moral” zu verstehen) scheint mir der falsche Ansatz. Ich selbst wünsche mir eine Debatte, die berücksichtigt, dass auf allen Seiten Menschen stehen, die wertschätzend und rücksichtsvoll miteinander umgehen. Ich weiß: Ein Wunschtraum und irgendwie irreal. – Ich wünsche mir grundsätzlich eine Gesellschaft, in der Bildung eine zentrale und große Rolle spielt – Dann ändert sich die Diskussionskultur. Bis dahin halte ich es mit John Lennon: “Love is the answer” (auch das sicherlich ein Traum) – Danke für deinen nachdenkenswerten Beitrag.
    Liebe Grüße,
    Werner

    • Dankeschön Werner. Ich bin ebenso für eine Debatte, auf das die Menschen mal wieder miteinander sprechen. Für eine offene Gesellschaft mit Respekt und Toleranz. Bildung ist dabei bitter vonnöten, da wir quasi einen Notstand bis in die Spitzen der Republik haben.
      Ich wollte mit meinem kleinen Beitrag auch keinen Schnellschuss abgeben. So habe ich mir in den Tagen danach, in Ruhe, Gedanken gemacht, habe leider nur wenige gute Kommentare gelesen und wollte auch hier kein emotionales Fass aufmachen. Dein Ansatz ist richtig. Mir geht es auch darum Wähler nicht zu stigmatisieren. Manchmal ist und muss Demokratie schmerzhaft sein. Und eine Gesellschaft wie die unsere sollte dies auch aushalten. Selbst wenn die Zukunft nicht berechenbar ist, so sollten wir ihr trotzdem eine Chance geben. Besonders bedroht sehe ich jedoch die Diskussionskultur da zuviel mit Ressentiments gearbeitet wird und viel zu viel geschrien wird. Da sind so einige aus der Froschperspektive in kürzester Zeit sich selbst erhöhend auf eine Vogelperspektive gekommen nur mit dem Ziel die Deutungshochheit zu erlangen. Das gibt der Kritik, dem vernünftigen Austausch von Argumente und der Analyse leider nur wenig Platz. Warten wir dennoch ab und begleiten diesen Prozess kritisch und sachlich. Danke für deinen ebenso guten ergänzenden Beitrag.
      Liebe Grüße,
      Stefan
      P.S. Eine Frage. Ich kann über meinen Avatar bei dir keinen Kommentar schreiben, sondern muss mich über E-Mail-Adresse usw. registrieren. Oder mache ich etwas verkehrt?

  9. Eigentlich sollte das mit dem Kommentieren klappen. – Ich habe mal die Einstellungen gecheckt… Und nichts finden können.
    Lg,
    Werner

    • Danke für die Info Werner. Ich kann gern einen Screenshot per Mail schicken. Denn bei mir, auch mit verschiedenen Browsern, hat sich nichts verändert. Bei mir steht nach wie vor:
      “Schreibe einen Kommentar
      Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *” Selbst wenn ich die Seite neu lade, den Cache entleere usw. ändert sich nichts.
      Normalerweise würde, wenn ich ins Kommentarfeld klicke, mein Avatar angezeigt werden mit der Info “Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto.” Und dann könnte ich meinen Kommentar schreiben und absenden. Warum das bei Conny und anderen klappt, weiß ich nicht. Manchmal ist Technik, so leicht sie einem daher kommt, im Detail kompliziert.
      Nochmals vielen Dank für das checken.
      P.S. Update: Ich habe jetzt bei dir einen Kommentar. Nach Angabe der Mail-Adressen, Namen, Website wurde mein Avatar angezeigt. Manchmal klappen Dinge auch über Umwege.
      Liebe Grüße,
      Stefan