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New Kids On The Block

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Kaum ein Spiel in der Vorrunde der EM 2016 in Frankreich zeigt so viele Gegensätze wie die Partie England gegen Russland, nicht nur das zweitjüngste trifft auf das zweitälteste Team des Turniers. Auch bei den Trainern gibt es große Unterschiede im Gehalt. Englands Roy Hodgson soll, laut den Medien um die 3,5 Millionen Pfund verdienen und wäre damit bestbezahltester Coach der EM 2016. Sein Gegenüber Leonid Sluzki erhält angeblich kein Gehalt. Denn er ist parallel Coach von ZSKA Moskau und sprang vor einem Jahr als Nationaltrainer ein, als sich der Russische Verband vom teuren Missverständnis Fabio Capello trennte.

50 Jahre (nach dem WM-Titel 1966) des Schmerzes sind eine Bürde für das neue und vor allem Junge Englische “Three Lions” Team. Selten wie fast nie zuvor hat das Englische Team eine ganze Reihe von jungen talentierten Spielern. Die Qualifikation zur EM gewann England als einziges Team ohne Niederlage. Grund genug das die Erwartung im “Football is coming home” Land wieder hoch ist.

Auch zeigte sich die hässliche Fratze vor dem Spiel in Marseille. Wie bereits 1998 zur WM gab es wieder in Marseille, den Bildern nach, ziemlich gewalttätige Auseinandersetzungen mit Hooligans. Wenn Menschen sich wie Tiere verhalten, wenn es keine Hemmschwellen mehr gibt. 11Freunde schrieb dazu auf Twitter: “Aber gegen den Geist der Humanität werdet ihr immer den Kürzeren ziehen. Egal, wie oft und stark ihr darauf einprügelt.”

Bislang waren die Spiele nichts für Feinschmecker, was nicht überraschend ist. Denn durch die größte und längste EM aller Zeiten scheiden nach der Gruppenphase von 24 Mannschaften nur 8 Teams aus. Das bedeutet, dass man mit einem Gruppensieg mit mehr als einem Bein im Achtelfinale steht. Die Folge wird sein, das die Trainer munter rotieren werden. Für den Europäischen Fußballverband UEFA ist die Rechnung jedoch simpel. Mehr Spiele bedeutet auch mehr Spiele zu vermarkten und mehr Einnahmen zu generieren. Im Gegenzug muss der Zuschauer bei einigen Paarungen tief schlucken und sich in Contenance üben.

Die Englische Mannschaft zeigte von Beginn an, das Schwung, Variabilität, Schnelligkeit, Laufbereitschaft und das Verschieben Disziplinen sind die die Engländer im Auftaktspiel und in der 1. Halbzeit gut beherrschten. Durch das Verschieben drückten sie die Russen in die Defensive die oft mit einer breiten 6er Abwehrkette verteidigen mussten. So erspielten sich die Engländer mehrere Torchancen die sie jedoch nicht nutzten. Was fehlte war der entscheidende Pass und das Tor.

In der 2. Halbzeit verflachte das Spiel der Engländer da die Russen nun höher verteidigten und den Young Lions nichts einfiel außer durch die Mitte zu kommen oder durch Flanken die die Russen leicht verteidigen konnten. In der 71. Minute traf Rooney erst das Aluminium des Tores und auch der Nachschuss konnte nicht verwertet werden. Die Engländer machten den Fehler nicht nachzurücken wie noch in der 1. Halbzeit. Man wusste vor dem Spiel das die Russen gut verteidigen können, diszipliniert und organisiert spielen. Doch in der 73. Minute schoss Eric Dier, der bei Tottenham Hotspur spielt, einen Freistoß technisch perfekt direkt ins Tor. 1:0 für England.  Es musste ein Standard sein in der Dramaturgie des Spiels. Ironie am Rande: erst der Brexit und dann Europameister werden. Alles scheint möglich. Als in der Nachspielzeit der Ausgleich fiel feierten die Russen das Tor wie einen Sieg. Eines bleibt sicher: England kann seine Auftaktspiele nicht gewinnen. Some things never change…

Author: Stefan

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10 thoughts on “New Kids On The Block

  1. Ich habe keine Ahnung vom Fussball, deshalb danke ich dir für diese informative Zusammenfassung.
    Beste Grüße,
    Erich

    • Das freut mich. Danke Erich. Es soll auch keine Fankolumne werden sondern informativ und unterhaltsam einzelne Spiele oder Themen rund um den Fußball reflektieren.
      Herzliche Grüße,
      Stefan

  2. Lieber Stefan,
    ich sehe es bisher gar nicht so kritisch, Freitag hatte ich keine Zeit, bei den Spielen gestern hatte ich den Eindruck, es wird wenig taktiert und viel offensiver, größtenteils sehr temporeicher Fußball geboten (natürlich bin ich durch die 2. Liga nicht verwöhnt, CL schaue ich auch wenig ;-))). Kann natürlich gut sein, dass das Taktieren losgeht, wenn es um die letzten Punkte in der Gruppenphase geht.
    Liebe Grüße + einen schönen Sonntag,
    Gerhard

    • Lieber Gerhard,
      so ist es aber nicht gemeint, mit der Kritik. Ich muss auch noch Luft nach oben haben für die Entscheidungsspiele😉 Meine Anmerkungen richten sich in erster Linie an die UEFA und dem Spielmodus. Los gehen wird das Turnier ab dem Achtelfinale. Die Gruppenphase ist zum Einspielen. Und nach den beiden Auftritten von ENG und FRA ist darf man sich auf Steigerungen freuen. Vielleicht sind wir zu verwöhnt von der WM 2014.
      Übrigens heute spielt die Türkei. Bei der Abstimmung über das Austragungsland setzte sich Frankreich mit 7:6 Stimmen gegen die Türkei durch. Warten wir den weiteren Turnierverlauf ab. Vor allem hoffe ich, das die Franzosen Szenen wie gestern Abend im Stadion und in der Stadt schnellstens in den Griff bekommt. Sonst bekommt die EM einen äußerst negativen Beigeschmack.
      Liebe Grüße aus dem regnerischen Norden,
      Stefan

      • Lieber Stefan,
        schon klar ;-)) Der Spielmodus ist alles andere als ideal, aber eben wieder mal der maximalen medialen (und kommerziellen) Ausbeute geschuldet. Man kann nur froh sein, dass die Türkei damals nicht den Zuschlag bekommen hat, da wäre einiges zu befürchten gewesen.
        Die Hool-Nummer in Marseille gestern hat dem ganzen bereits wieder einen faden Beigeschmack verschafft.
        Liebe Grüße, Wetter hier wie bei Euch,
        Gerhard

      • Lieber Gerhard,
        das Wetter verbindet🙂
        Mit dem Spielmodus hatte sich Platini zusätzlich Stimmen der sog. kleinen Länder geholt und zudem, was die Vermarktung betrifft, weitere Millionen verdient. Irgendwie muss die Miete in Nyon, dem Sitz der UEFA, bezahlt werden.
        Die Medien sprechen mittlerweile vom großen Versagen der Sicherheitsleute und der Polizei. Es ist genau so gekommen wie ein Journalist vor dem Turnier erzählte. Er warnte besonders in Städten wie Marseille vor den Hooligans, die sich aus diversen Ländern nach Frankreich aufgemacht haben.
        Mit dem Austragungsland Türkei wäre vermutlich vieles anders gewesen…diplomatische Krisen inklusive.
        Freuen wir uns heute Abend auf den ersten Auftritt von Jogis Jungs.
        Liebe Grüße,
        Stefan

      • Lieber Stefan – so ist es, irgendwer muss den Laden finanzieren…
        Das Sicherheitskonzept ist gestern nicht aufgegangen, soviel ist klar. Da kann man nur auf schnelles Lernen der Sicherheits-Verantwortlichen und schnelle Abschiebepraxis für die entsprechenden Gewalttäter in die Heimatländer hoffen, ich fürchte, da kommt noch mehr, Polen beispielsweise hat auch eine extrem gewaltbereite Szene.
        Liebe Grüße,
        Gerhard

      • Lieber Gerhard,
        von außen ist es schwer einzuschätzen. Das die Russischen Fans eine Rauchbombe im Stadion zündeten und nach dem Abpfiff losgegangen sind auf die Englischen Fans lässt tief blicken. Und dann kommt es noch zum Spiel WAL-ENG. Heute heißt es bei SpOn und anderen, das die Polizei überfordert, überarbeitet gewesen war und vermutlich haben die Kritiker Recht, die im Vorfeld das Sicherheitskonzept kritisierten, wo man scheinbar die Hooligans vergessen hat. Warten wir ab und hoffen das beste.
        Gegenwärtig wird alles dem Kommerz unterstellt und Premiumprodukte mit viel Luft aufzublähen. Vermutlich wird es noch Jahre dauern bis es den großen Knall geben wird.
        Update: Gerade lese ich, dass die UEFA ein Disziplinarverfahren gegen den Russischen Verband eröffnet hat.
        Zumindest wird es heute mit Nordirland laut im Stadion, egal ob die Mannschaft gewinnt oder verliert.
        Liebe Grüße,
        Stefan

  3. Aus deutscher Sicht ist eine EM mit 24 Mannschaften nicht besonders attraktiv. Wenn man hingegen die Freude bei Ländern wie Island, Österreich, etc sieht, dann ist schön, dass diese auch eine Chance haben.

    • Profifußball, besonders bei Welt- und Europameisterschaften, folgt einer radikalen Vermarktungslogik. Das mag aus Sicht der sog. kleinen Länder gut und auch finanziell lukrativ sein. Es wird noch einige Jahre so weiter gehen bis die Vermarkungsblase platzen wird. Freuen wir uns heute Abend.