Freiraum

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Ella

100 Jahre Jazz werden 2017 gefeiert. Und das passt gut zu Ella Fitzgerald die am 25. April 100 Jahre alt geworden wäre. Ein Naturtalent und eine Jahrhundertstimme die nachfolgende Generationen beeinflusst hatte. Sieben Jahrzehnte dauerte ihre überaus erfolgreiche Karriere an.

Eigentlich wollte sie Tänzerin werden. Doch durch einen Zufall kam sie zum Gesang. Eine Gesangsausbildung hatte sie nie und Noten lesen konnte sie auch nicht. Doch das Glück war ebenso auf ihrer Seite und so traf sie immer wieder in ihrem Leben Menschen die ihren künstlerischen Weg kreuzten. Beim Orchester Chick Webb sang sie 1935 vor und wurde sofort engagiert. Schon ihre erste Aufnahme hätte ebenso ihr Lebensmotto sein können: “I´ll Chase The Blues Away”. Mitte der 1940er Jahre ging sie mit Dizzy Gillespie auf Tournee und lernte dabei Norman Granz kennen, der die Tournee organisierte. Granz organisierte Konzertreihen wie “Jazz at the Philharmonic-Konzerte” und so tourte sie nun in ganz Amerika, später auch weltweit und wurde schnell zu einem Star. Von Dizzy Gillespie lernte sie ebenso den gerade aufkommenden BeBop kennen und fragte sich, warum dies nur Instrumenten vorbehalten war. So entstand ihr Scatgesang, dass Improvisieren und Imitieren von Instrumententönen, der ihren Weltruhm begründete.

“Es zählt nicht, wo du herkommst. Es geht darum, wohin du gehst.” (Ella Fitzgerald)

Sie sang das gesamte “American Songbook” ein, mit Liedern von George und Ira Gershwin, Cole Porter, Irving Berlin u.a., swingte mit Jazz-Größen wie zum Beispiel Louis Armstrong. Später sang und spielte sie Duette mit Großen der Musik. Mit bis zu 45 Wochen im Jahr stand sie auf sehr vielen Bühnen dieser Welt.

Ihre Art zu singen war pure Lebensfreude und sie dabei zu hören hatte etwas erhabenes. Es war ihr Glück das sie mit Drogen und Alkohol nichts zu tun hatte. Während Billie Holiday daran zugrunde ging, war Ella Fitzgerald genau das Gegenteil von Billie Holiday. Melancholie war nichts für sie. Sie wollte Freude mit der Musik verbreiten. In den 1950er Jahren nahm sie diverse Konzeptalben auf, das große “American Songbook”. In den 1960er und 1970er Jahren wurden sie einem größeren Publikum bekannter in dem sie populäre Songs abseits des Jazz sang und auch Genres wechselte. Mit ihrem Stimmvolumen von 3 Oktaven war sie stets in der Lage und unabhängig vom Genre jedes Lied singen zu können. Oder wie jemand über sie sagte: sie könnte auch das Telefonbuch herunter singen und es würde wunderschön klingen.

Sie entwickelte den Scatgesang in ungeahnte Höhen und machte vielleicht das Unhörbare mittels ihrer Stimme hörbar. Ein Meilenstein dazu ist ihre Interpretation von “How High The Moon” wo sie mit atemberaubender Energie minutenlang scattet und das in verschiedenen Tonlagen.

1993 musste sie sich von der Konzertbühne zurückziehen. Drei Jahre später starb sie am 15. Juni 1996 im Alter von 79 Jahren. Sie war einzigartig und die Größte in ihrem Metier.

Was von ihr bleibt sind mehr als 200 Schallplattenaufnahmen mit mehr als 2.500 Songs. Wer wissen möchte was Rhythmus im Gesang bedeutet, dem empfehle ich mit Nachdruck das Werk von Ella Fitzgerald. Als Einstieg eignen sich ihre Alben aus den späten 1960er und 1970er Jahren. Hier eine persönliche Auswahl an Höhepunkten.

Aus der Zusammenarbeit mit der Brasilianischen Legende Antonio Carlos Jobim: “Mas Que Nada”

Vom Cole Porter Songbook “Too Darn Hot”

Ella Fitzgerald Live 1960 in Berlin mit einem Klassiker des Scatgesangs: “How High The Moon”

Und sie konnte auch rocken wie man bei “Sunshine Of Your Life” hören kann.

Aus ihrer Zusammenarbeit mit Louis Armstrong im Duett zu “Dream A Little Dream Of Me”


Changes

Misty Tree
Manche Tage fühlen sich anders an, auch von der Farbe. Eigentlich sollte das Foto im Morgennebel für sich allein sprechen. Etwas Erroll Garner dazu als musikalische Abrundung. Nun steht es in einem anderen Kontext. Manchmal kommt es anders als man es sich gedacht hat.

Heribert Prantl erinnert heute in der Süddeutschen Zeitung an den offenen Brief vom französischen Journalisten Antoine Leiris, der seine Frau beim Anschlag auf das Konzerthaus Bataclan 2015 verloren hatte. Es ist, wie Prantl schrieb, auch eine Antwort auf den Anschlag in Berlin.

“Ich werde euch jetzt nicht das Geschenk machen, euch zu hassen…
Ihr wollt, dass ich Angst habe, dass ich meine Mitbürger mit Argwohn betrachte und meine Freiheit für meine Sicherheit opfere. Vergesst es. Ich bin und bleibe der, der ich bin.”

Ich hoffe und wünsche mir, dass man den Opfern, ihren Familien und Freunden, den Verletzten und Hinterbliebenen in Berlin schnell unterstützt und hilft. Damit sich so eine Tragödie nicht wiederholt, bedarf es auch die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Dafür braucht es Zeit, Ruhe, Vernunft und einen kühlen Kopf. Man kommt aktuell nicht umhin sich ebenso mit den Mechanismen der Angst zu beschäftigen. Dirk von Gehlen (Süddeutsche Zeitung) hat dazu einen lesenswerten Blogartikel verfasst: Gegen den Hass, gegen die Panik Was negativ auffällt ist das Engagement einzelner/vieler für Hetze, Hass und Wut. Damit spielt man nur den Tätern in die Hände. Denn Hass ist hässlich und macht nicht nur blind, sondern auch unendlich traurig.

Gestern Abend, als die ersten Meldungen aus Berlin im Radio zu hören waren, spielten sie Charles Bradley.
click → Charles Bradley – Changes (YouTube-Link)


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Volksmusik

Heute geht es auf eine (Volks)musikalische Reise nach Tirol, Oberammergau und nach Argentinien, wo das Akkordeon und Bandoneon u.a. im Mittelpunkt stehen. Der Begriff Volksmusik hat in diesem Zusammenhang wenig mit den landläufigen Klischees zu tun.


Wir starten die Reise in Südtirol. Frischen Wind in die traditionelle Volksmusik der Alpen bringt seit fast 10 Jahen Herbert Pixner mit seinem gleichnamigen Projekt. Der Slogan der Band ist Programm: “Finest handcrafted music from the Alps.” Sie spielen in der Besetzung Akkordeon, Harfe, Gitarre, Bass. Pixner gelingt das Kunststück eine Brücke zu spannen zwischen traditioneller Volksmusik und einer Modernen Interpretation. Selbst Heavy Metal Fans werden begeistert sein zu welchen virtuosen Höhen ein Zusammenspiel zwischen Akkordeon und Gitarre führen kann. Stilistisch ist Pixner offen für alle Genres. Er spielt gekonnt Pop, Swing, Tango, Volksmusik und lässt es auch mal richtig krachen, wie bei “Dirty Kathy”, ab 2.35 Min, wo die elektrische Gitarre zum Einsatz kommt. Pixner hat auch den Blues im Blut, wie man beim “One Million Dollar Blues” hören kann oder bei Songs wie “Let´s Dance Baby”, den Swing. Eine absolute Hörempfehlung.

Kofelgeschroa (“Kofel” ist ein Hausberg in Oberammergau und “geschroa” ist bairisch und steht für “Geschrei”), das sind vier junge Musiker aus Oberammergau. Sie gehören zu der neuen Volksmusikszene die sich in Bayern entwickelt hat und haben eine stetig wachsende Fangemeinde inklusive dem Feuilleton. Sie spielen in der Besetzung Akkordeon, Helikontuba, Tenorhorn, Trompete, Gitarre und Gesang. Dabei vermengen sie eine musikalische Melange zu einem Klang, einmal gehört, den man wieder erkennt. Hervorzuheben ist auch die Poetisch dadaistische Sprache in den Texten. Hier zu hören mit dem Titel “Wäsche”. Ein Interview zum vor wenigen Tagen veröffentlichten neuen Album “Baaz” kann man drüben im Deutschlandradio Kultur, samt Video-Trailer, nachhören: Baaz” – die neue CD von Kofelgschroa

In ihrer Musik stecken Heimat und Freiheit und die Kritik gegen das kleinbürgerliche Denken. Und letztlich Liebe zum Leben, das manchmal auch schräge klingen kann. Um es Bayerisch auszudrücken: Kofelgeschroa ist ein gehaltvoller und würziger Mix aus heimatlichen Rhythmen der auf den weichen Klang des Akkordeons trifft.

Passend zur Jahreszeit geht es zum Schluss nach Argentinien und zum Meister des Bandoneons, Astor Piazzolla. Das Bandoneon ist übrigens eine Erfindung die in Krefeld im 19. Jahrhundert ihren Ursprung hat. Während in Wien das Accordeon (später Akkordeon) seine Geburtsstunde hatte, bastelte Herbert Band an einem Instrument, das später als Bandoneon Weltkarriere gemacht hat.

Einer der großen Meister dieses Instrumentes ist der Argentinische Musiker und Komponist Astor Piazolla, der den Tango quasi neu erfunden hatte als “Tango Nuevo”, einer Weiterentwicklung des traditionellen “Tango Argentino.” Seine Musik ist weniger zum Tanzen als zum Zuhören geeignet. Piazzolla war ebenso offen war für den Einfluss von Klassischer Musik oder dem Jazz in seiner Musik. Nach seinem Tod ehrten ihn viele andere Musiker u.a. Daniel Barenboim, Yo-Yo Ma, Al De Meola. Was passt in diesen wechselseitigen Zeiten besser als diese sehnsuchtsvolle und wohltemperierte Musik. Hier zu hören aus dem gleichnamigen Album “Oblivion”.

Vergessen Sie für einen Moment alle Vorbehalte gegen Volksmusik. Vertrauen Sie mir und lassen sich anstecken von der Vielfalt und Spielfreude und hören Sie Herbert Pixner, Kofelgeschroa und Astor Piazzolla.


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Michael Kiwanuka

Zu Beginn eines neuen Jahres beginnt einer immer wiederkehrendes Spiel: Was wird das nächste große Ding im Pop? Die Englische BBC pflegt seit vielen Jahren die Tradition interessante Nachwuchskünstler auszuwählen und mit einem Preis zu küren. Und zur großen Überraschung spielen die anderen Medien wie Zeitungen, Magazine, Radiostationen, Webseiten, Plattenfirmen usw. dabei mit, orientieren sich daran und umverteilen ihre Budgets auf die prämierten Nachwuchskünstler. Eine Win-Win-Situation für alle Seiten.

2012 wurde Michael Kiwanuka auserkoren die Stimme des Jahres (Sound of 2012) zu sein. Der Sohn Ugandischer Eltern wuchs im Norden Londons auf, lernte früh Gitarre spielen und spielte als Begleitmusiker bei einigen RnB und Rockbands mit. Wie Kiwanuka in einem Interview erzählte, hörte er eines Tages eine Instrumentalversion von Otis Redding´s “Sittin’ On Dock Of The Bay” und schlagartig war es um ihn geschehen. Er arbeitete sich durch die Geschichte der Soul-Musik mit Augenmerk auf die 60´er Jahre und stellte zu seiner Überraschung fest, dass Soul-Helden wie Curtis Mayfield u.a. auch Gitarre spielten. Er orientierte sich am Werk von Bob Dylan und am Gitarrenstil von Jimi Hendrix. 2011 schloss er seinen ersten Plattenvertrag ab, trat im Vorprogramm von Adele auf und 2012 erschien sein Debutalbum. Nach über drei Jahren Wartezeit ist nun sein zweites Album “Love & Hate” im Juli erschienen und vorab die Single “Black Man In A White World”. (YouTube-Link)

Mit nur 29 Jahren wirkt Kiwanuka abgeklärt, lässig, fast schüchtern und dennoch bereits weise. Er ist jemand der Musik von innen heraus lebt, gedankenversunken und dennoch am Puls der Zeit. Es gibt viele Künstler die Musik aufnehmen damit sie sich möglichst millionenfach verkauft. Kiwanuka gehört zu denen die Musik spielen der etwas anhaftet was bleibt und ein Statement sind. Wer vorschnell von einem Soul-Album spricht irrt. Mit stilistischer Offenheit ist dieses Album ein zeitloses und kontemplatives Dokument eines herausragenden Sängers, Komponisten und Gitarristen. Der Titelsong ist wahrscheinlich der beste Titel vom Album. Kiwanuka singt im Gospelstil immer wieder “You can’t take me down, you can’t break me down”.

Es ist Musik wie geschaffen für den späteren Abend, wenn die Lautstärke des Tages verflogen ist, die Stille der Nacht eingezogen ist und sich der Bariton von Kiwanuka wie ein Seidenschal sanft um einen legt. Man stelle sich eine Bar vor wo die Geräuschkulisse gedämpft ist und Kiwanuka beginnt zu singen.

Die beiden Live-Aufnahmen aus einem Tonstudio sind Großes Kino. “Cold Little Heart” beginnt mit einem langen Intro und anschließenden Gitarrensoli für das sich jede Zeit lohnt. Mit dem Titelsong “Love & Hate”, in einer akustischen Version, geht es beseelt, folkig, rockig weiter. Wer in dieses sehr gute Album hinein hören möchte, klickt hier. (YouTube-Link)

“Love & Hate” ist zwar ein nachdenkliches Album, geprägt von den Erfahrungen Kiwanukas. Doch ihm gelingt das Kunststück all dies auf ein neues Level zu heben und interpretiert den Soul im ursprünglichen Sinne. Wo andere Künstler kritisieren und lamentieren gibt Kiwanuka einem Trost und Hoffnung. Was kann es besseres zur Zeit geben? Vertrauen Sie mir und hören Sie Michael Kiwanuka.


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Pardon

Selbsterkenntnis ist eine grundlegende menschliche Fähigkeit und irgendwie nicht weit verbreitet im Land des Fußballweltmeisters. Vor 2 Jahren gab es den sportlichen Triumph in Brasilien und Deutschland wurde Fußballweltmeister. Es ist ebenso allzu menschlich das nach einem großen Erfolg der vermeintliche Absturz folgt.

Wer sich an den Spielen der Nationalmannschaft bei der EM abgearbeitet hat vergisst, dass die entscheidenden Fehler vor Turnierbeginn gemacht worden sind. Deutschland spielte nach der WM eine gelangweilte Qualifikation ohne Höhepunkte. Einige Spieler gaben sogar zu, dass sie manche Gegner nicht allzu ernst genommen hatten. So verlor man u.a. Spiele gegen Irland oder Polen. Mahnende Worte von z.B. Boateng wurden gern überhört. Wie heißt es im Phrasenbuch: Deutschland ist eine Turniermannschaft. Und Löw wird mit seiner Vorbereitung wieder alles richtig machen.

In den vergangenen 2 Jahren ist es Löw nicht gelungen die Rücktritte von Lahm, Mertesacker, Klose zu kompensieren, Lücken zu schließen und junge talentierte Spieler aufzubauen die nachrücken. Nach wie vor gibt es Defizite in der Defensive, im Mittelfeld und in der Offensive. Dank des neuen Spielmodus bei der EM und den Setzlisten gab es erst im Viertelfinale mit Italien den ersten ernsthaften Gegner auf Augenhöhe. Die Spiele zuvor gegen unterklassige Mannschaften dienten der Vorbereitung für die großen Spiele und haben kaum Aussagekraft. Gerade zu den großen Spielen trafen die Aussagen von Löw auf die Realität. Schließlich hatte er wie er sagte “23 gleichwertige Spieler” im Kader. Und dazu den Weltmeistertitel auf der Visitenkarte. Natürlich fehlten wichtige Spieler verletzungsbedingt. Dennoch wurden vorschnell bereits im Vorfeld mögliche wichtige Spieler gänzlich aus dem Kader gestrichen oder ohne Not gar nicht nominiert.

Es gibt aktuell in Europa keine dominierende Nationalmannschaft mehr. Vorbei sind die Zeiten als Spanien den Europäischen und Weltfußball dominierte. Die Schwächen der anderen…in diese Lücke hätte die deutsche Mannschaft hinein schlüpfen können und Löw der erfolgreichste Trainer aller Zeiten werden. Zudem war das Niveau bei der EM niedrig und Deutschland in der Lage sich zu steigern. Doch wer das Risiko scheut und taktisch darauf bedacht ist, dass der Gegner kein Tor schießt, hat nicht verstanden was den Titel als Fußballweltmeister ausmacht.

Nach dem Spiel gegen Frankreich fehlte es besonders an Selbstkritik, Demut, den leisen Tönen nach einer Niederlage. Selbst 1 Tag später gab es keine sachliche Analyse über Fehleinschätzungen, wie z.B. eines nicht optimal zusammen gestellten Kaders. Auch gab es keine lobende Worte für das Team der Franzosen, die unter einem ganz anderem Druck standen und verdient gewonnen hatten.

Das Kritik am Bundestrainer oder dem DFB dem Hochverrat gleichkommen, musste u.a. ARD-Experte Scholl merken. Dennoch, wer die Realität ausblendet und sich schnöde Spiele schön redet, hat leider in den letzten 2 Jahren, nichts dazu gelernt. Der DFB hat ein Luxusproblem zusammen gefasst in einem Satz: das Halbfinale erreicht und das Soll erfüllt. Verlieren zu können ist eine eigene Disziplin. Was sind Siege wert? Was kann man aus Niederlagen lernen? Verblendet vom eigenen Glanz. Allein der Französische Spieler Griezmann hat mehr Tore geschossen als alle Weltmeister zusammen.

Zum Schluss etwas Medienkritik. Was mir gefallen hat, waren die vielen ausländischen Gäste zu den Spielen. Manch einer hätte gern länger bleiben können. Die Idee ist gut und ausbaufähig. Bitte mehr davon. Weniger gut ist die Schwarz-Rot-Goldene Brille mancher Kommentatoren. Über die traditionelle Hofberichterstattung aus dem jeweiligen Hotels und Trainingsplätzen der Nationalmannschaft und die Interviews mit dem Bundestrainer…nun ja, sie war wieder ohne Erkenntnis und entbehrlich. Was bleiben wird an Bildern sind die singenden Fans der Iren und Nordiren und Waliser und natürlich das Huh der Isländer und so manches schönes Tor. Vielleicht sollte Löw mit allen Spielern Urlaub in Island machen um den Kopf wieder frei zu bekommen.

P.S. Für die UEFA, dem europäischen Fußballverband, ist die EM bereits ein finanzieller Erfolg. Nach bisherigen Schätzungen wird man 1,9 Mrd Euro einnehmen, bei Ausgaben von 1,1 Mrd Euro bleibt ein Gewinn von 800 Mio Euro…Platinis Erbe. Und man wird weiter machen den Fußball zu kommerzialisieren um den letzten Cent auszuquetschen…bis die Blase platzen wird. Geld macht heute im Profi-Fußball den Unterschied. Langeweile inklusive.


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Relaxed

Heute die Zusammenfassung des Spiels GER-UKR in Frageform mit Wink.

Was war eigentlich?
Der erste Auftritt der deutschen Mannschaft bei der EM 2016 gegen die Ukraine.

Wer war entspannt?
Jogi Löw wurde nicht müde in den letzten Tagen vor dem ersten Spiel lässig aufzutreten, völlig entspannt sei er und schaue mit Vorfreude auf das Turnier, verriet er in Interviews und Pressekonferenzen. Die ARD schenkte ihm auch einen “Entspannt” Song: Jo Gee Low (YouTube-Link)

Wer war nicht dabei?
Götze und Özil. Beide sind in Frankreich noch nicht angekommen.

Wer wurde vermisst?
Lahm. Und Spieler wie Schmelzer aus Dortmund und Castro aus Leverkusen. Aber die beiden werden vermutlich nie unter Löw spielen. Und natürlich die Verletzten Reus, Gündogan u.a.

Wie war das Spiel?
Die deutsche Mannschaft spielte in der 1. Halbzeit munter mit 9 Mann, ohne Götze und Özil. Ein Freistoß von Kroos und der Kopf von Mustafi sorgten für das 1:0. Die Defensive war nur bedingt verteidigungsfähig. Doch Neuer war gestern nicht zu überwinden. Es bleibt vieles offen.

Was ist die Erkenntnis des Spiels?
Die Hoffnung das Schweinsteiger schnell fit genug ist um von Anfang an zu spielen. Denn Kroos sollte zentraler und offensiver spielen, was eigentlich die Aufgabe Özil gewesen wäre. Doch er schafft es nicht.

Wie war die Ukraine?
Wie ich gelesen habe waren die Fans sehr zufrieden gewesen mit der Leistung. Aus Sicht der Ukrainischen Spieler stand mit Neuer jedoch jemand im Tor der alles hielt.

Wer fiel auf?
Eindeutig Götze. Nur hatte dies nichts mit Fußball zu tun. Man darf sich fragen, ob man ihn, seit dem Siegtor bei der WM 2014 verkannt hat.

Wer war Man of the match?
Eindeutig Kroos. Er hat sich bei Real Madrid durchgesetzt, entwickelt und ist jetzt noch reifer geworden. Dann sein Freistoß und insgesamt sein Auge für das Spiel und die Mitspieler. Vorbildlich. Sein Spiel…für Genießer.

Wer kam zurück?
Capitano Schweinsteiger. Kaum eingewechselt war er dort wo jemand bei einem Konter gegen die Ukraine hinlaufen sollte. 1 Sprint. Tor. 2:0 für Deutschland.

Wer hat alles richtig gemacht?
Eindeutig Schweinsteiger. In der 90. Minute eingewechselt. In der 92. Minute das 2:0 gemacht. Insgesamt 2 Sprints. Abpfiff. Außer Atem.

Was war der Look des Spiels?
Eindeutig die Queen-Grünen Schuhe von Boateng.

Was war der Ausruf des Spiels?
Und Achtung! (ARD Kommentator Gert Gottlob. Wenn die Ukraine eine Torchance hatte.)

Wer war der Experte des Tages?
Mal wieder Scholl (ARD). Und niemand hat die ZDF-Touchscreen-Leinwand vermisst.

Was ist die Phrase zum Spiel?
Deutschland ist eine Turniermannschaft.

Kann man dem Fußball auch Philosophisches abgewinnen?
Absolut. Nils Markwardt über die Dialektik des Fußballspiels. Lesenswert.

Wie geht es weiter?
Jogi Löw muss sich als Bob der Baumeister beweisen. Das hat er auch 2014 geschafft. Das Achtelfinale ist bereits so gut wie geschafft.

Und das Bild vom Spiel?
Boateng der im Fallen den Ball vor der Torlinie rettet und das Zitat von Löw zu dieser Rettungsaktion: “Ist gut, wenn man einen Jerome als Nachbar hat.”

Wie geht es weiter?
Hier im Blog gibt es für den Moment eine Fußballpause.


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New Kids On The Block

Kaum ein Spiel in der Vorrunde der EM 2016 in Frankreich zeigt so viele Gegensätze wie die Partie England gegen Russland, nicht nur das zweitjüngste trifft auf das zweitälteste Team des Turniers. Auch bei den Trainern gibt es große Unterschiede im Gehalt. Englands Roy Hodgson soll, laut den Medien um die 3,5 Millionen Pfund verdienen und wäre damit bestbezahltester Coach der EM 2016. Sein Gegenüber Leonid Sluzki erhält angeblich kein Gehalt. Denn er ist parallel Coach von ZSKA Moskau und sprang vor einem Jahr als Nationaltrainer ein, als sich der Russische Verband vom teuren Missverständnis Fabio Capello trennte.

50 Jahre (nach dem WM-Titel 1966) des Schmerzes sind eine Bürde für das neue und vor allem Junge Englische “Three Lions” Team. Selten wie fast nie zuvor hat das Englische Team eine ganze Reihe von jungen talentierten Spielern. Die Qualifikation zur EM gewann England als einziges Team ohne Niederlage. Grund genug das die Erwartung im “Football is coming home” Land wieder hoch ist.

Auch zeigte sich die hässliche Fratze vor dem Spiel in Marseille. Wie bereits 1998 zur WM gab es wieder in Marseille, den Bildern nach, ziemlich gewalttätige Auseinandersetzungen mit Hooligans. Wenn Menschen sich wie Tiere verhalten, wenn es keine Hemmschwellen mehr gibt. 11Freunde schrieb dazu auf Twitter: “Aber gegen den Geist der Humanität werdet ihr immer den Kürzeren ziehen. Egal, wie oft und stark ihr darauf einprügelt.”

Bislang waren die Spiele nichts für Feinschmecker, was nicht überraschend ist. Denn durch die größte und längste EM aller Zeiten scheiden nach der Gruppenphase von 24 Mannschaften nur 8 Teams aus. Das bedeutet, dass man mit einem Gruppensieg mit mehr als einem Bein im Achtelfinale steht. Die Folge wird sein, das die Trainer munter rotieren werden. Für den Europäischen Fußballverband UEFA ist die Rechnung jedoch simpel. Mehr Spiele bedeutet auch mehr Spiele zu vermarkten und mehr Einnahmen zu generieren. Im Gegenzug muss der Zuschauer bei einigen Paarungen tief schlucken und sich in Contenance üben.

Die Englische Mannschaft zeigte von Beginn an, das Schwung, Variabilität, Schnelligkeit, Laufbereitschaft und das Verschieben Disziplinen sind die die Engländer im Auftaktspiel und in der 1. Halbzeit gut beherrschten. Durch das Verschieben drückten sie die Russen in die Defensive die oft mit einer breiten 6er Abwehrkette verteidigen mussten. So erspielten sich die Engländer mehrere Torchancen die sie jedoch nicht nutzten. Was fehlte war der entscheidende Pass und das Tor.

In der 2. Halbzeit verflachte das Spiel der Engländer da die Russen nun höher verteidigten und den Young Lions nichts einfiel außer durch die Mitte zu kommen oder durch Flanken die die Russen leicht verteidigen konnten. In der 71. Minute traf Rooney erst das Aluminium des Tores und auch der Nachschuss konnte nicht verwertet werden. Die Engländer machten den Fehler nicht nachzurücken wie noch in der 1. Halbzeit. Man wusste vor dem Spiel das die Russen gut verteidigen können, diszipliniert und organisiert spielen. Doch in der 73. Minute schoss Eric Dier, der bei Tottenham Hotspur spielt, einen Freistoß technisch perfekt direkt ins Tor. 1:0 für England.  Es musste ein Standard sein in der Dramaturgie des Spiels. Ironie am Rande: erst der Brexit und dann Europameister werden. Alles scheint möglich. Als in der Nachspielzeit der Ausgleich fiel feierten die Russen das Tor wie einen Sieg. Eines bleibt sicher: England kann seine Auftaktspiele nicht gewinnen. Some things never change…