Freiraum

Image, Text, Blog, View & Photography


21 Comments

Volksmusik

Heute geht es auf eine (Volks)musikalische Reise nach Tirol, Oberammergau und nach Argentinien, wo das Akkordeon und Bandoneon u.a. im Mittelpunkt stehen. Der Begriff Volksmusik hat in diesem Zusammenhang wenig mit den landläufigen Klischees zu tun.


Wir starten die Reise in Südtirol. Frischen Wind in die traditionelle Volksmusik der Alpen bringt seit fast 10 Jahen Herbert Pixner mit seinem gleichnamigen Projekt. Der Slogan der Band ist Programm: “Finest handcrafted music from the Alps.” Sie spielen in der Besetzung Akkordeon, Harfe, Gitarre, Bass. Pixner gelingt das Kunststück eine Brücke zu spannen zwischen traditioneller Volksmusik und einer Modernen Interpretation. Selbst Heavy Metal Fans werden begeistert sein zu welchen virtuosen Höhen ein Zusammenspiel zwischen Akkordeon und Gitarre führen kann. Stilistisch ist Pixner offen für alle Genres. Er spielt gekonnt Pop, Swing, Tango, Volksmusik und lässt es auch mal richtig krachen, wie bei “Dirty Kathy”, ab 2.35 Min, wo die elektrische Gitarre zum Einsatz kommt. Pixner hat auch den Blues im Blut, wie man beim “One Million Dollar Blues” hören kann oder bei Songs wie “Let´s Dance Baby”, den Swing. Eine absolute Hörempfehlung.

Kofelgeschroa (“Kofel” ist ein Hausberg in Oberammergau und “geschroa” ist bairisch und steht für “Geschrei”), das sind vier junge Musiker aus Oberammergau. Sie gehören zu der neuen Volksmusikszene die sich in Bayern entwickelt hat und haben eine stetig wachsende Fangemeinde inklusive dem Feuilleton. Sie spielen in der Besetzung Akkordeon, Helikontuba, Tenorhorn, Trompete, Gitarre und Gesang. Dabei vermengen sie eine musikalische Melange zu einem Klang, einmal gehört, den man wieder erkennt. Hervorzuheben ist auch die Poetisch dadaistische Sprache in den Texten. Hier zu hören mit dem Titel “Wäsche”. Ein Interview zum vor wenigen Tagen veröffentlichten neuen Album “Baaz” kann man drüben im Deutschlandradio Kultur, samt Video-Trailer, nachhören: Baaz” – die neue CD von Kofelgschroa

In ihrer Musik stecken Heimat und Freiheit und die Kritik gegen das kleinbürgerliche Denken. Und letztlich Liebe zum Leben, das manchmal auch schräge klingen kann. Um es Bayerisch auszudrücken: Kofelgeschroa ist ein gehaltvoller und würziger Mix aus heimatlichen Rhythmen der auf den weichen Klang des Akkordeons trifft.

Passend zur Jahreszeit geht es zum Schluss nach Argentinien und zum Meister des Bandoneons, Astor Piazzolla. Das Bandoneon ist übrigens eine Erfindung die in Krefeld im 19. Jahrhundert ihren Ursprung hat. Während in Wien das Accordeon (später Akkordeon) seine Geburtsstunde hatte, bastelte Herbert Band an einem Instrument, das später als Bandoneon Weltkarriere gemacht hat.

Einer der großen Meister dieses Instrumentes ist der Argentinische Musiker und Komponist Astor Piazolla, der den Tango quasi neu erfunden hatte als “Tango Nuevo”, einer Weiterentwicklung des traditionellen “Tango Argentino.” Seine Musik ist weniger zum Tanzen als zum Zuhören geeignet. Piazzolla war ebenso offen war für den Einfluss von Klassischer Musik oder dem Jazz in seiner Musik. Nach seinem Tod ehrten ihn viele andere Musiker u.a. Daniel Barenboim, Yo-Yo Ma, Al De Meola. Was passt in diesen wechselseitigen Zeiten besser als diese sehnsuchtsvolle und wohltemperierte Musik. Hier zu hören aus dem gleichnamigen Album “Oblivion”.

Vergessen Sie für einen Moment alle Vorbehalte gegen Volksmusik. Vertrauen Sie mir und lassen sich anstecken von der Vielfalt und Spielfreude und hören Sie Herbert Pixner, Kofelgeschroa und Astor Piazzolla.

Advertisements