Freiraum

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Ella

100 Jahre Jazz werden 2017 gefeiert. Und das passt gut zu Ella Fitzgerald die am 25. April 100 Jahre alt geworden wäre. Ein Naturtalent und eine Jahrhundertstimme die nachfolgende Generationen beeinflusst hatte. Sieben Jahrzehnte dauerte ihre überaus erfolgreiche Karriere an.

Eigentlich wollte sie Tänzerin werden. Doch durch einen Zufall kam sie zum Gesang. Eine Gesangsausbildung hatte sie nie und Noten lesen konnte sie auch nicht. Doch das Glück war ebenso auf ihrer Seite und so traf sie immer wieder in ihrem Leben Menschen die ihren künstlerischen Weg kreuzten. Beim Orchester Chick Webb sang sie 1935 vor und wurde sofort engagiert. Schon ihre erste Aufnahme hätte ebenso ihr Lebensmotto sein können: „I´ll Chase The Blues Away“. Mitte der 1940er Jahre ging sie mit Dizzy Gillespie auf Tournee und lernte dabei Norman Granz kennen, der die Tournee organisierte. Granz organisierte Konzertreihen wie „Jazz at the Philharmonic-Konzerte“ und so tourte sie nun in ganz Amerika, später auch weltweit und wurde schnell zu einem Star. Von Dizzy Gillespie lernte sie ebenso den gerade aufkommenden BeBop kennen und fragte sich, warum dies nur Instrumenten vorbehalten war. So entstand ihr Scatgesang, dass Improvisieren und Imitieren von Instrumententönen, der ihren Weltruhm begründete.

„Es zählt nicht, wo du herkommst. Es geht darum, wohin du gehst.“ (Ella Fitzgerald)

Sie sang das gesamte „American Songbook“ ein, mit Liedern von George und Ira Gershwin, Cole Porter, Irving Berlin u.a., swingte mit Jazz-Größen wie zum Beispiel Louis Armstrong. Später sang und spielte sie Duette mit Großen der Musik. Mit bis zu 45 Wochen im Jahr stand sie auf sehr vielen Bühnen dieser Welt.

Ihre Art zu singen war pure Lebensfreude und sie dabei zu hören hatte etwas erhabenes. Es war ihr Glück das sie mit Drogen und Alkohol nichts zu tun hatte. Während Billie Holiday daran zugrunde ging, war Ella Fitzgerald genau das Gegenteil von Billie Holiday. Melancholie war nichts für sie. Sie wollte Freude mit der Musik verbreiten. In den 1950er Jahren nahm sie diverse Konzeptalben auf, das große „American Songbook“. In den 1960er und 1970er Jahren wurden sie einem größeren Publikum bekannter in dem sie populäre Songs abseits des Jazz sang und auch Genres wechselte. Mit ihrem Stimmvolumen von 3 Oktaven war sie stets in der Lage und unabhängig vom Genre jedes Lied singen zu können. Oder wie jemand über sie sagte: sie könnte auch das Telefonbuch herunter singen und es würde wunderschön klingen.

Sie entwickelte den Scatgesang in ungeahnte Höhen und machte vielleicht das Unhörbare mittels ihrer Stimme hörbar. Ein Meilenstein dazu ist ihre Interpretation von „How High The Moon“ wo sie mit atemberaubender Energie minutenlang scattet und das in verschiedenen Tonlagen.

1993 musste sie sich von der Konzertbühne zurückziehen. Drei Jahre später starb sie am 15. Juni 1996 im Alter von 79 Jahren. Sie war einzigartig und die Größte in ihrem Metier.

Was von ihr bleibt sind mehr als 200 Schallplattenaufnahmen mit mehr als 2.500 Songs. Wer wissen möchte was Rhythmus im Gesang bedeutet, dem empfehle ich mit Nachdruck das Werk von Ella Fitzgerald. Als Einstieg eignen sich ihre Alben aus den späten 1960er und 1970er Jahren.

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Brazil Mix

Brazil’s Olympics kick off tonight. It is the perfect time to share and celebrate the beautiful music of Brazil. In 2014 I already created two long tracklists with Music from Brazil. For the new mix I updated the long list, added new songs and put together all in one mix to share the new mix with current and classic Tunes for your pleasure. Listen and enjoy to Azymuth, Gilberto Gil, Jorge Ben, Tania Maria, Seu Jorge, Marcus Valle, Ed Motta and many others more.

This way please, click → Essential Brazilian Mix  (YouTube-Link)

Heute Nacht beginnen die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro/Brasilien. Eine perfekter Moment, abseits von den Spielen, die wunderbare Musik aus Brasilien zu genießen. Bereits 2014 hatte ich zwei lange Listen mit Musik aus Brasilien zusammen gestellt. Für den neuen Mix habe ich die Titel aktualisiert, neue Lieder hinzugefügt, alles zusammen gefügt und alle Titel sind jetzt ohne Geo-Blocking frei empfänglich. Viel Vergnügen mit Azymuth, Gilberto Gil, Jorge Ben, Tania Maria, Seu Jorge, Marcus Valle, Ed Motta u.v.a.

Alternative Link, click → Essential Brazilian Mix (YouTube-Link)

Did you know/ Wussten sie schon
“Mas que nada” which means in German “Mehr als Nichts” and in English “More than nothing”. Most people believe that Sergio Mendes originally wrote the song. But Mendes made later only a cover version, but a quite succesful cover version. It is originally written by Jorge Ben Jor in 1963. And he was very influenced by José Prates with “Nanã Imborô from 1958. (YouTube-Links)

“Mas que nada” ist portugiesisch für „Mehr als Nichts“. Viele glauben, dass Sergio Mendes den Titel im Original geschrieben hat. Doch Mendes machte lediglich eine Cover-Version daraus, die weltweit bekannt wurde. Im Original wurde der Titel von Jorge Ben Jor 1963 geschrieben. Besonders beeinflusst wurde der Titel von José Prates und seinem „Nanã Imborô“.

“Bossa Nova” means “New Trend” and was developed in the 50s and 60s. It is a fusion mix of samba and jazz. In 1958 Antonio Carlos Jobim wrote the song Chega De Saudade” (No More Blues), performed by Elizeta Cardoso. It was the first bossa nova recording. In 1959 Joao Gilberto recorded the album “Chega De Saudade”. His version became a worldwide hit. (YouTube-Links) More information you find here: Wikipedia „Bossa Nova“.

„Bossa Nova“ ist portugiessich für „Neue Welle“ und entwickelte sich in den 1950 und 1960er Jahren als neue Entwicklung in der Musik. Es ist ein Mix aus den beiden Stilrichtungen Samba und Jazz. Als Geburtsstunde des Bossa Nova gilt der Titel „Chega De Saudade (No More Blues)“ von  Antônio Carlos Jobim 1958, der von Elizeta Cardoso gesungen wurde. 1959 nahm Joao Gilberto das Album „Chega De Saudade“ auf und seine Version wurde ein weltweiter Hit. Mehr zu lesen gibt es in der Wikipedia „Boss Nova“.

Gilles Peterson presents Brasil Bam Bam Bam (Documentation)
Gilles Peterson’s feature-length documentary on Brazilian music is now available to watch online for the first time. Titled Brasil Bam Bam Bam, it was filmed in 2014 to then tour film festivals and one-off screenings without ever being available to a wider audience.


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Summertime

Es ist Sommerzeit. Wenden wir uns u.a. dem berühmtesten Titel einer Jahreszeit zu: Summertime, aus der Gershwin-Oper „Porgy and Bess“, der Stille des Zuhören, echten Gefühlen und dem weltlichen und geistlichen Soul.

Art Pepper ist einer der Großen des Jazz. Er verstand es bekannte Arrangements zu dekomponieren, sie zu entkernen und in alle Einzelteile zu zerlegen um sie neu zu arrangieren. Pepper war ein Enfant Terrible, ein Unruhiger der stets auf der Suche nach dem wahren Ausdruck in der Musik war. Dabei überwand er gekonnt immer wieder die scheinbar unüberwindbare Klippen des Originals. Sein Stil kann man am besten damit beschreiben, dass er, wie jemand über ihn schrieb, „die Seele des Originals vertiefte“ mit der Selbstsicherheit eines großen Künstlers neue Ideen mit einbringt. „Summertime“ ist Pepper´s Statement wie er Musik versteht. Ein Meilenstein.

Pepper´s Leben war jedoch gekennzeichnet von Niederlagen. Er saß jahrelang im Gefängnis, hatte Drogenprobleme. Dazu kamen Entziehungskuren und diverse Aufenthalte in Krankenhäusern die ihn immer wieder zurück warfen. Parallel feierte er vielleicht zum Trotz immer wieder ein glanzvolles musikalisches Comeback. Selbst dann, wenn man ihn schon abgeschrieben hatte. Mit nur 56 Jahren verstarb er, der „Jazz Survivor,“ wie eine sehenswerte Dokumentation über ihn hieß. Der Sommer und „Summertime“ wird immer seinen Namen mittragen.

Art Pepper Quartet – Summertime (YouTube-Link)

Solomon Burke, der „King of Soul“, gehört zu den Schwergewichten in der Soul Musik. Mit 14 Jahren bekam er seine erste Gitarre, mit 15 Jahren unterschrieb er seinen ersten Plattenvertrag und hatte in den 60´er Jahren zwei eigene große Hits mit „Everybody Needs Somebody To Love“ und „Cry To Me„. Beide Titel wurde oft von anderen Künstlern interpretiert. In den 2000er Jahren drehte er den Spieß um und nahm ein Album „Don´t Give Up“ mit Kompositionen von Van Morrison, Elvis Costello, Tom Waits und anderen auf und bekam prompt dafür einen Grammy. Ein lässiges Soul- und Blues- Album eines großen Sängers und Interpreten. Sein Leben war gekennzeichnet von der großen Liebe zu Frauen, er war mehrfach verheiratet und Essen. So brachte er in seinen letzten Jahren 350-400 Pfund auf die Bühne. 2010 starb er mit 70 Jahren vermutlich an einem Herzinfarkt in einem Flugzeug. Am Abend wollte er ein Konzert in Amsterdam geben.

Als Ergänzung zu „Summertime“ habe ich den Titel „A Change Is Gonna Come“, aus dem gleichnamigen Album von Solomon Burke, gewählt. Der Titel, im Original von Sam Cooke gesungen, oft gecovert, bekommt durch Burke´s Interpretation eine enorme Intensität und wohltemperierte angenehme Stille. Wie gemacht um am Abend oder in der Nacht den stillen Moment gemeinsam zu genießen. Dieser Titel hat von seinem Ausdruck und Bedeutung bis heute nichts verloren. Was Pepper und Burke gemeinsam haben, sind die echten Gefühle in einer manchmal zu kalten und zu lauten Welt. Mehr zu Sam Cooke´s „A Change Is Gonna Come“ gibt es hier.

„Zuhören ist Hören in Verbindung mit Denken und Konzentration. Die meisten Menschen können das gar nicht mehr. Sie machen keinen Unterschied zwischen Hören und Zuhören.“ Daniel Barenboim (Quelle: SZ)

Solomon Burke – A Change Is Gonna Come (YouTube-Link)


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Que la fête commence

Nun rollt der Ball wieder. Viel ist seit der Fußball WM 2014 in Brasilien passiert. Den Skeptizismus und der Kritik eines immer mehr aufgeblähten Sportevents wie auch der Politisierung eines Sports darf und muss kritisch hinterfragt und beobachtet werden. Dennoch bleibt der Fußball ein Spiegel des realen Lebens in all seinen Facetten. Ob es wieder gelingen wird die großen Momente wie 2014 hervor zu zaubern bleibt offen. Dennoch, der Fußball kann weit mehr als es die Politik kann, über Grenzen gehen, Menschen zusammen bringen und Brücken überwinden.

Auch der 13. November 2015 ist fest behaftet im Gedächtnis geblieben. Wenn das reale Leben in Form von Terror den Fußball sekundär erscheinen lässt. Wer würde es Frankreich nicht gönnen den Titel zu holen. Es wäre wie Balsam auf die Seele und dem Land einfach gut tun.

Nun ist die EM 2016 in Frankreich eröffnet, dem Land wo gern die Lust an der Kritik größer ist als die Begeisterung für den Sport, wo derzeit ebenso gestreikt wird. Es wehte auch ein Hauch des Geistes von 1998 durch das Stadion. Damals glaubten nur wenige an die „Bleus“ und dennoch erreichten sie mit Zidane als herausragenden Spielgestalter den Olymp und wurden Weltmeister. Es entstand ein kurzer Mythos ein durch alle Ethnien verbrüdertes Land. Heute herrscht wieder Optimismus vor. Das u.a. der Nationaltrainer Deschamps mehr als die Hälfte des Kaders der letzten Weltmeisterschaft ausgetauscht hat, einige Spieler gar nicht mehr nominiert hatte, wurde dem Optimismus auf das Turnier im eigenen Lande geschuldet. Die aktuelle Französische Nationalmannschaft bringt alle Voraussetzungen mit sich im Turnier zuhause selbst zu berauschen und die Tür zum Europäischen Olymp aufzustoßen.

Den Franzosen wurde in allen Kommentaren vor dem Spiel ihre Offensivstärke als Hauptargument genannt für den Traum vom Titel. Im Spiel war davon nur im Ansatz etwas zu sehen. Die Außen kaum vorhanden und immer wieder wurde der Weg durch die Mitte gesucht wo gefühlt auf 1 Franzosen 3 Rumänen kamen. Gegen solche Mannschaften wie Rumänen muss man schnell und vor allem variabel spielen, die Abwehr überspielen und das Mittelfeld dominieren.

Die ersten Spiele haben keine eindeutige Aussagekraft. Dafür mehr die Expertenabteilung vom ZDF. Titan Kahn stellte nicht nur sein wieder erweitertes Vokabular unter Beweis sondern analysierte in der Halbzeitpause messerscharf: die Franzosen waren gar nicht da. Und als der Chefreporter den Rumänen ein Gespür für die Möglichkeiten attestierte fiel in der 57. Minute das erlösende 1:0 der Franzosen und damit nicht ein Stein sondern ein ganzes Bergmassiv von den Schultern der Spieler und Zuschauer fiel. Doch dieses Hochgefühl hielt kurz vor. Ein vertretbarer wenngleich unglücklicher Elfmeter brachte den Rumänen den Ausgleich. Davor, dazwischen und danach ging es wie zuvor zerfahren weiter. Nur einmal blitzte es, dank der Einwechselung von Coman, kurz auf. Ein kurzer Sprint und 3 Rumänen überspielt, dann der Pass, der keinen Abnehmer fand. Das Siegtor, in der 89. Minute, der Franzosen mit einem Traumschuss von Dimitri Payet, der bei West Ham United in der Premier Legaue spielt, war vermeintlich der Lucky Punsch den dieses Spiel jedoch gebraucht hatte. Der Fußballgott wollte für diesen Abend einen hoffenden Abschluss. Die Franzosen werden sich zu steigern wissen. Der Druck einer Nation der auf den Schultern der Franzosen lag war spürbar. Man durfte keine Galavorstellung erwarten und ja, die Franzosen werden weiterkommen und der Traum vom Triumph weiter geträumt werden.


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Muhammad Ali (1942-2016)

„Float like a butterfly, sting like a bee“

Die Box-Legende Muhammad Ali ist im Alter von 74 Jahren gestorben. Er schrieb Sportgeschichte und blieb bis zuletzt eine Ikone. Kein Schwergewichtler boxte so elegant und leichtfüßig wie Ali zu seiner Glanzzeit. Der Mann den sie „GOAT“ nannten, „Greatest Of All Times“ hat seinen letzten und härtesten Kampf verloren.

Seine Maxime das nichts unmöglich ist verkörperte und lebte er ein Leben lang. Es gibt so viele und schöne Legenden von und über Ali. So zum Beispiel wie er zum Boxen kam. Als 12 Jähriger wurde ihm sein Fahrrad gestohlen und er wollte den Dieb vermöbeln. So begann der 1942 als Cassius Marcellus Clay in Louisville, Kentucky geboren, bereits im Alter von 12 Jahren mit dem Boxen. Sein Entdecker, der Polizist und Box-Trainer Joe Martin erklärte später, das der „Junge“ wie ein Berserker an sich arbeitete. Sein Talent war seine Schnelligkeit und Beweglichkeit. Sein späterer Boxstil des Tänzeln hieß zurecht „Ali-Shuffle“. Die Schlagkraft erarbeitete er sich im Training. Mit 18 Jahren wurde er bereits Olympiasieger und ging danach zu den Box-Profis. 1964 trat er als krasser Außenseiter gegen den Champ Sonny Liston um die Krone im Schwergewicht an. Als Liston aufgab trat er ans Mikrofon und erklärte das er der Größte ist und sein bürgerlicher Name ein Sklavenname ist und er ihn hiermit ablegt und fortan Cassius X genannt werden möchte. Wenige Tage später konvertierte er zum Islam und nannte sich Muhammad Ali. Der Kampf gegen Liston war auch Inspiration für Sylvester Stallone der, basierend auf den Kampf, das Drehbuch für den Film „Rocky“ schrieb.

„Clay comes out to meet Liston and Liston starts to retreat, If Liston goes back an inch farther he’ll end up in a ringside seat. Clay swings with a left, Clay swings with a right, Just look at young Ca,ssius carry the fight. Liston keeps backing but there’s not enough room, It’s a matter of time until Clay lowers the boom. Then Clay lands with a right, what a beautiful swing, And the punch raised the bear clear out of the ring. Liston still rising and the ref wears a frown, But he can’t start counting until Sonny comes down. Now Liston disappears from view, the crowd is getting frantic But our radar stations have picked him up somewhere over the Atlantic. Who on Earth thought, when they came to the fight, That they would witness the launching of a human satellite. Hence the crowd did not dream, when they laid down their money, That they would see a total eclipse of Sonny“
(Cassius Clay)

Sein Beitrag zum Vietnamkrieg war die Verweigerung. Diese Haltung kostete ihn den Weltmeistertitel und die Boxlizenz. Es sollte 3 Jahre dauern bis er wieder im Ring stand. Es folgten in den 70´er Jahren die legendären Kämpfe gegen u.a. Joe Frazier, George Foreman, die in der Nacht auch im Fernsehen zu sehen waren. Ganze Generationen von Familien versammelten sich Nachts um Ali boxen zu sehen. Es gelang ihm als einzigen Boxer eine eiserne Regel zu brechen: They never come back. Er holte sich dreimal den Titel als unumstrittener Box-Weltmeister zurück.

In seinem Leben ging es meistens um wirklich alles. In seinem Sport war er kompromisslos. Er demütigte seine Gegner bereits im Vorfeld und in den Pressekonferenzen und zerstörte sie im Ring. Er ließ sich im Ring zusammen schlagen bis der Gegner nicht mehr konnte. Dann schlug Ali zurück und gewann. Legendär.

Muhammad Ali: „Ich habe jede Minute meines Trainings gehasst, aber ich habe mir immer eingeredet, niemals aufzuhören. Leide jetzt und lebe den Rest Deines Lebens als Champion.“

Ali war, ist und bleibt für Millionen Menschen eine Ikone auch abseits des Sports. Seine aktive Karriere war vermutlich den einen Schlag und Kampf zu lang. Seine in 1984 öffentlich gemachte Parkinson-Erkrankung kann man schnell mit dem Boxen verbinden. Ein Beweis dafür gibt es nicht, auch wenn es nahelegend ist. Seine Boxkämpfe waren Heldenschlachten die selbst Jahrzehnte später noch nachwirken und er der Meister der Zeremonie. Er rappte, als es den Rap noch gar nicht gab, war in gewisser Hinsicht ein Poet der seine Gegner mit Worten harsch anging und auch beleidigte. Eine eigene Kunstform entstand.

„I’m gonna show you how great I am“ (YouTube-Link)

Als Ali 1996 in Atlanta mit zitternder Hand das Olympische Feuer entzündete, berührte sein Schicksal die Menschen weltweit. 1999 kürte ihn das Internationale Olympische Komitee zum „Sportler des Jahrhunderts“. Und bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2012 in London gehörte Ali zu den Trägern der Olympischen Fahne.

Auch wenn es schon länger leise um ihn geworden war, so kämpfte er sich immer wieder zurück ins Leben. Er bleibt eine Quelle der Inspiration und für viele Menschen der einzig wahre Champ. Nie aufgeben, den Glauben an sich nie verlieren, hart an sich arbeiten, seinen Weg gehen…auch gegen Widerstände und Rückschläge und Haltung zeigen. Er wird nun noch mehr schmerzlich vermisst werden. He was the Greatest.

Weiterführende Links/Related:
– Wikipedia: Muhammad Ali vs. Sonny Liston
– Muhammad Ali/Cassius Clay: 25 best photograhs (Guardian)
Muhammad Ali’s greatest quotes (Guardian)
Muhammad Ali, der Große (Nachruf von Jürgen Schmieder in der Süddeutschen Zeitung)
Muhammad Ali recites a poem about a prison riot (YouTube)
Muhammad Ali was the most fantastical American of his era, David Remnick write. (The New Yorker)
Zum Tode Muhammad Alis: Der Größte (SpOn/ Peter Ahrens)
Muhammad Ali: ‘What’s My Name? Current and former New York Times reporters and columnists talk about their memories of him and how he became an international icon. (Video/ New York Times)


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Purple Will Never Sound The Same

Prince Rogers Nelson (1958-2016)

2016 ist ein schlechtes Jahr für die Musik. Prince Rogers Nelson ist völlig unerwartet, im Alter von 57 Jahren, gestorben. Eine Ikone, Sänger, Songwriter, Produzent…ein Multi-Instrumentalist der über 100 Millionen Tonträger verkauft hatte.

Als kleiner Junge lernte er bereits Klavier und brachte sich später selbst Gitarre und Schlagzeug bei. Mit 17 Jahren startete er seine musikalische Karriere. Mit 19 Jahren unterschrieb er seinen ersten 1 Million Dollar Plattenvertrag bei Warner Bros.. 1983 wurde er vom Musiksender MTV im Tagesprogramm gespielt und erreichte mit Songs wie „1999“, „Little Red Corvette“ zum ersten Mal die amerikanischen Charts. 1984, mit 26 Jahren, kam der internationale Durchbruch mit dem Album „Purple Rain.“ Wenn ein Künstler schon früh einen solchen Erfolg hat ist dies Fluch und Segen zugleich. Doch Prince kümmerte sich nicht darum diesen Erfolg zu konservieren und zu wiederholen. Für ihn schien es keine Grenzen zu geben. Er hatte in den 80´Jahren einen ekstatischen kreativen Output und probierte sich an neuen Sounds und Formen aus. Er verschmolz Soul, Funk, R&B, Blues, Rock, Pop zu einem eigenen Stil. Zudem fand er Zeit für andere Künstler Lieder zu schreiben. U.a. den Hit der Bangles „Manic Mondays“ oder Sinhead O´Connor´s „Nothing Compared 2U“, Chaka Khan´s „I Feel For You“. Er schrieb auch für Stevie Nicks, Sheila E., Sheena Easton, Alicia Keys und andere.

„Sometimes it snows in April
Sometimes I feel so bad, so bad
Sometimes I wish life was never ending
and all good things, they say, never last“
(Sometimes it snows in April)

Zu Beginn seiner Karriere pflegte er einen androgynen universellen Auftritt, war weder Schwarz oder Weiß, wechselte seinen Stil in der Musik und Mode mehrfach und blieb jemand der seinen Stil damit früh kultivierte. Er kämpfte ein Leben lang für seine künstlerische Freiheit und Unabhängigkeit. Vor 2 Jahren konnte er sich, nach einem jahrelangen Rechtestreit mit Warner Bros. einigen und erhielt die Rechte an seinen Songs zurück. Wenn man sich auf die Suche macht, nach dem musikalischen Werk von Prince im Netz, wird man auf den bekannten Streaming-Portalen kaum fündig werden. Sein gesamtes Werk gibt es nur bei Tidal, was Jay-Z gehört. Prince wusste, dass ein Künstler nicht durch einen Streaming-Dienst reich wird, die Betreiber jedoch schon. Da blieb er konsequent.

Er schaffte den Sprung vom Künstler zum eigenen Kunstwerk früh. Etwas was nur wenige Künstler schaffen. Nicht das er als Künstler nur seinen Musikstil änderte. Er wechselte die Leinwand seines eigenen Gemäldes und wurde früh künstlerisch einzigartig. So gibt es nicht den einen Song, der stellvertretend für sein Werk steht. Seine Konzerte waren einzigartig, mit magischen Momenten und ihn aus wenigen Metern Entfernung spielen zu sehen ließ Raum und Zeit vergessen.

Im kommenden Jahr sollte seine Biografie erscheinen. Manche hätten vermutlich geschrieben, es sei viel zu früh mit 58 Jahren. Nun ist es zu spät. Das gute an Künstlern ist: sie leben durch ihre Kunst weiter. Dennoch leben wir nun in einer Welt ohne Prince, David Bowie…was traurig macht.

„Dream if you can a courtyard
An ocean of violets in bloom.“
(When Doves Cry)

 


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Caravan: Van Morrison

„Turn up your radio and let me hear the song
Switch on your electric light…“

„Caravan“ is a song by Van Morrison and was originally included on his 1970 album „Moondance„.Later he performed the song together with The Band on „The Last Waltz. But I prefer the excellent and epic Live Version on Morrison´s Album „It´s Too Late To Stop Now“. A song, where Nick Hornby said…between life and its aftermath. One of those magic moments in musical history.

By the early 1970s, Van Morrison had already earned a reputation as one of the more unpredictably mercurial live performers in rock. As rough as his gigs could get, though, Morrison was just as capable of leading his audiences to unparalleled heights — an experience unforgettably captured on his classic double live LP „It’s Too Late to Stop Now.“ (Ultimate Classic Rock)

In his book, Songbook, about his 31 favourite songs, Nick Hornby names „Caravan“ from the live album, It’s Too Late to Stop Now as the song he wants played at his funeral. He writes that „in the long, vamped passage right before the climax Morrison’s band seems to isolate a moment somewhere between life and its aftermath, a big, baroque entrance hall of a place where you can stop and think about everything that has gone before.“

Van Morrison – It´s Too Late To Stop Now