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The Voice

Diese Woche wird es leidenschaftlich und die Stimme des Herzens lamentiert und schreit. Wem gehört diese einzigartige Stimme, einer Frau oder einem Mann? Es ist die Sopran-Stimme von „Little“ Jimmy Scott, aufgrund seiner Körpergröße „Little“ genannt. Ray Charles sagte über ihn, das er den Soul in der Stimme verkörperte, lange bevor man diesen Ausdruck kannte. Oder Lou Reed, der sagte, dass diese Stimme einem das Herz brechen konnte.

Jimmy Scott wurde 1925 in Ohio geboren, wuchs unter ärmlichen Verhältnissen, in Waisenhäuser auf. Aufgrund einer seltenen Erbkrankheit fiel seine Pubertät und der Stimmbruch aus. Um der Bühne nahe zu sein, nahm er Aushilfsjobs an. In den 40´er Jahren sang er bereits in der Band von Lionel Hampton, später u.a. bei Charlie Parker. Es war der Anfang. Das Ende folgte in den 60´er Jahren, da er schlechte Plattenverträge unterschrieb und mit schweren Alkohol- und Drogenproblemen zu tun hatte. Sein Freund, der Songwriter Doc Pomus, versuchte vergeblich 2 Jahrzehnte ihm einen neuen Plattenvertrag zu verschaffen.

1991 starb Doc Pomus und Jimmy Scott sang bei seiner Beerdigung „Someone To Watch Over Me“ und bekam anschließend einen neuen Plattenvertrag und Lou Reed holte ihn für sein Album „Magic And Loss“ zu sich. Er feierte ein Comeback, trat u.a. in der Fernsehserie „Twin Peaks“ als singender Geist auf und nahm weitere Alben auf.

2014 starb er mit 88 Jahren. Seine Karriere umspannte mehr als 60 Jahre wo er u.a. mit Charlie Parker, Sarah Vaughan, Lionel Hampton, Charles Mingus, Quincy Jones, Ray Charles, Wynton Marsalis und auch Musiker anderer Genres u.a. David Byrne, Lou Reed, Michael Stipe zusammen arbeitete.

„I appreciate the fact that these things are finally happening for me,“ he told The Plain Dealer in Cleveland in 1997, „but I wish they could have happened earlier in my career so I could have enjoyed the retiring years much better.“ Still, he conceded, “in show business, generally you don’t retire. If you love it, that is, you’re in it forever anyway.“ (Jimmy Scott, Singer Whose Star Rose Late, Dies at 88/The New York Times)

Sein besonderes Credo war seine einzigartige Sopranstimme, die wie Phönix aus der Asche aufsteigt und in keine der herkömmlichen Kategorien passt. Er hatte, wie jemand einst schrieb, etwas „außermusikalisches“. Wo gibt es noch Künstler die aus einem Schmachtfetzen von Simply Red „Holding Back The Years“ etwas im wörtlichen Sinne ergreifendes machen können.

Wer schon immer wissen wollte, was Timing und Seele im Gesang bedeutet, sollte die Kunst eines „Little“ Jimmy Scott studieren, zuhören und dabei lernen. Während andere Künstler an ihrer Gesangstechnik arbeiten mussten, entwickelte sich Jimmy Scott´s Stimme mit den vielen Entbehrungen und Niederlagen seines Lebens. Diese Stimme kann wirklich Herzen brechen.

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