Freiraum

Image, Text, Blog & Photography


11 Kommentare

Muhammad Ali (1942-2016)

„Float like a butterfly, sting like a bee“

Die Box-Legende Muhammad Ali ist im Alter von 74 Jahren gestorben. Er schrieb Sportgeschichte und blieb bis zuletzt eine Ikone. Kein Schwergewichtler boxte so elegant und leichtfüßig wie Ali zu seiner Glanzzeit. Der Mann den sie „GOAT“ nannten, „Greatest Of All Times“ hat seinen letzten und härtesten Kampf verloren.

Seine Maxime das nichts unmöglich ist verkörperte und lebte er ein Leben lang. Es gibt so viele und schöne Legenden von und über Ali. So zum Beispiel wie er zum Boxen kam. Als 12 Jähriger wurde ihm sein Fahrrad gestohlen und er wollte den Dieb vermöbeln. So begann der 1942 als Cassius Marcellus Clay in Louisville, Kentucky geboren, bereits im Alter von 12 Jahren mit dem Boxen. Sein Entdecker, der Polizist und Box-Trainer Joe Martin erklärte später, das der „Junge“ wie ein Berserker an sich arbeitete. Sein Talent war seine Schnelligkeit und Beweglichkeit. Sein späterer Boxstil des Tänzeln hieß zurecht „Ali-Shuffle“. Die Schlagkraft erarbeitete er sich im Training. Mit 18 Jahren wurde er bereits Olympiasieger und ging danach zu den Box-Profis. 1964 trat er als krasser Außenseiter gegen den Champ Sonny Liston um die Krone im Schwergewicht an. Als Liston aufgab trat er ans Mikrofon und erklärte das er der Größte ist und sein bürgerlicher Name ein Sklavenname ist und er ihn hiermit ablegt und fortan Cassius X genannt werden möchte. Wenige Tage später konvertierte er zum Islam und nannte sich Muhammad Ali. Der Kampf gegen Liston war auch Inspiration für Sylvester Stallone der, basierend auf den Kampf, das Drehbuch für den Film „Rocky“ schrieb.

„Clay comes out to meet Liston and Liston starts to retreat, If Liston goes back an inch farther he’ll end up in a ringside seat. Clay swings with a left, Clay swings with a right, Just look at young Ca,ssius carry the fight. Liston keeps backing but there’s not enough room, It’s a matter of time until Clay lowers the boom. Then Clay lands with a right, what a beautiful swing, And the punch raised the bear clear out of the ring. Liston still rising and the ref wears a frown, But he can’t start counting until Sonny comes down. Now Liston disappears from view, the crowd is getting frantic But our radar stations have picked him up somewhere over the Atlantic. Who on Earth thought, when they came to the fight, That they would witness the launching of a human satellite. Hence the crowd did not dream, when they laid down their money, That they would see a total eclipse of Sonny“
(Cassius Clay)

Sein Beitrag zum Vietnamkrieg war die Verweigerung. Diese Haltung kostete ihn den Weltmeistertitel und die Boxlizenz. Es sollte 3 Jahre dauern bis er wieder im Ring stand. Es folgten in den 70´er Jahren die legendären Kämpfe gegen u.a. Joe Frazier, George Foreman, die in der Nacht auch im Fernsehen zu sehen waren. Ganze Generationen von Familien versammelten sich Nachts um Ali boxen zu sehen. Es gelang ihm als einzigen Boxer eine eiserne Regel zu brechen: They never come back. Er holte sich dreimal den Titel als unumstrittener Box-Weltmeister zurück.

In seinem Leben ging es meistens um wirklich alles. In seinem Sport war er kompromisslos. Er demütigte seine Gegner bereits im Vorfeld und in den Pressekonferenzen und zerstörte sie im Ring. Er ließ sich im Ring zusammen schlagen bis der Gegner nicht mehr konnte. Dann schlug Ali zurück und gewann. Legendär.

Muhammad Ali: „Ich habe jede Minute meines Trainings gehasst, aber ich habe mir immer eingeredet, niemals aufzuhören. Leide jetzt und lebe den Rest Deines Lebens als Champion.“

Ali war, ist und bleibt für Millionen Menschen eine Ikone auch abseits des Sports. Seine aktive Karriere war vermutlich den einen Schlag und Kampf zu lang. Seine in 1984 öffentlich gemachte Parkinson-Erkrankung kann man schnell mit dem Boxen verbinden. Ein Beweis dafür gibt es nicht, auch wenn es nahelegend ist. Seine Boxkämpfe waren Heldenschlachten die selbst Jahrzehnte später noch nachwirken und er der Meister der Zeremonie. Er rappte, als es den Rap noch gar nicht gab, war in gewisser Hinsicht ein Poet der seine Gegner mit Worten harsch anging und auch beleidigte. Eine eigene Kunstform entstand.

„I’m gonna show you how great I am“ (YouTube-Link)

Als Ali 1996 in Atlanta mit zitternder Hand das Olympische Feuer entzündete, berührte sein Schicksal die Menschen weltweit. 1999 kürte ihn das Internationale Olympische Komitee zum „Sportler des Jahrhunderts“. Und bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2012 in London gehörte Ali zu den Trägern der Olympischen Fahne.

Auch wenn es schon länger leise um ihn geworden war, so kämpfte er sich immer wieder zurück ins Leben. Er bleibt eine Quelle der Inspiration und für viele Menschen der einzig wahre Champ. Nie aufgeben, den Glauben an sich nie verlieren, hart an sich arbeiten, seinen Weg gehen…auch gegen Widerstände und Rückschläge und Haltung zeigen. Er wird nun noch mehr schmerzlich vermisst werden. He was the Greatest.

Weiterführende Links/Related:
– Wikipedia: Muhammad Ali vs. Sonny Liston
– Muhammad Ali/Cassius Clay: 25 best photograhs (Guardian)
Muhammad Ali’s greatest quotes (Guardian)
Muhammad Ali, der Große (Nachruf von Jürgen Schmieder in der Süddeutschen Zeitung)
Muhammad Ali recites a poem about a prison riot (YouTube)
Muhammad Ali was the most fantastical American of his era, David Remnick write. (The New Yorker)
Zum Tode Muhammad Alis: Der Größte (SpOn/ Peter Ahrens)
Muhammad Ali: ‘What’s My Name? Current and former New York Times reporters and columnists talk about their memories of him and how he became an international icon. (Video/ New York Times)

Advertisements


12 Kommentare

Purple Will Never Sound The Same

Prince Rogers Nelson (1958-2016)

2016 ist ein schlechtes Jahr für die Musik. Prince Rogers Nelson ist völlig unerwartet, im Alter von 57 Jahren, gestorben. Eine Ikone, Sänger, Songwriter, Produzent…ein Multi-Instrumentalist der über 100 Millionen Tonträger verkauft hatte.

Als kleiner Junge lernte er bereits Klavier und brachte sich später selbst Gitarre und Schlagzeug bei. Mit 17 Jahren startete er seine musikalische Karriere. Mit 19 Jahren unterschrieb er seinen ersten 1 Million Dollar Plattenvertrag bei Warner Bros.. 1983 wurde er vom Musiksender MTV im Tagesprogramm gespielt und erreichte mit Songs wie „1999“, „Little Red Corvette“ zum ersten Mal die amerikanischen Charts. 1984, mit 26 Jahren, kam der internationale Durchbruch mit dem Album „Purple Rain.“ Wenn ein Künstler schon früh einen solchen Erfolg hat ist dies Fluch und Segen zugleich. Doch Prince kümmerte sich nicht darum diesen Erfolg zu konservieren und zu wiederholen. Für ihn schien es keine Grenzen zu geben. Er hatte in den 80´Jahren einen ekstatischen kreativen Output und probierte sich an neuen Sounds und Formen aus. Er verschmolz Soul, Funk, R&B, Blues, Rock, Pop zu einem eigenen Stil. Zudem fand er Zeit für andere Künstler Lieder zu schreiben. U.a. den Hit der Bangles „Manic Mondays“ oder Sinhead O´Connor´s „Nothing Compared 2U“, Chaka Khan´s „I Feel For You“. Er schrieb auch für Stevie Nicks, Sheila E., Sheena Easton, Alicia Keys und andere.

„Sometimes it snows in April
Sometimes I feel so bad, so bad
Sometimes I wish life was never ending
and all good things, they say, never last“
(Sometimes it snows in April)

Zu Beginn seiner Karriere pflegte er einen androgynen universellen Auftritt, war weder Schwarz oder Weiß, wechselte seinen Stil in der Musik und Mode mehrfach und blieb jemand der seinen Stil damit früh kultivierte. Er kämpfte ein Leben lang für seine künstlerische Freiheit und Unabhängigkeit. Vor 2 Jahren konnte er sich, nach einem jahrelangen Rechtestreit mit Warner Bros. einigen und erhielt die Rechte an seinen Songs zurück. Wenn man sich auf die Suche macht, nach dem musikalischen Werk von Prince im Netz, wird man auf den bekannten Streaming-Portalen kaum fündig werden. Sein gesamtes Werk gibt es nur bei Tidal, was Jay-Z gehört. Prince wusste, dass ein Künstler nicht durch einen Streaming-Dienst reich wird, die Betreiber jedoch schon. Da blieb er konsequent.

Er schaffte den Sprung vom Künstler zum eigenen Kunstwerk früh. Etwas was nur wenige Künstler schaffen. Nicht das er als Künstler nur seinen Musikstil änderte. Er wechselte die Leinwand seines eigenen Gemäldes und wurde früh künstlerisch einzigartig. So gibt es nicht den einen Song, der stellvertretend für sein Werk steht. Seine Konzerte waren einzigartig, mit magischen Momenten und ihn aus wenigen Metern Entfernung spielen zu sehen ließ Raum und Zeit vergessen.

Im kommenden Jahr sollte seine Biografie erscheinen. Manche hätten vermutlich geschrieben, es sei viel zu früh mit 58 Jahren. Nun ist es zu spät. Das gute an Künstlern ist: sie leben durch ihre Kunst weiter. Dennoch leben wir nun in einer Welt ohne Prince, David Bowie…was traurig macht.

„Dream if you can a courtyard
An ocean of violets in bloom.“
(When Doves Cry)

 


5 Kommentare

Friday Night Music

“I’m not a prophet or a stone aged man, just a mortal with potential of a superman. I’m living on”
– David Bowie

On January 10, David Bowie died after an 18-month battle with cancer. Just a few days after his 69th birthday and the release of his 25th album, Blackstar. His back catalogue spanning half a century. Still there’s much he taught us about creativity and longevity. For example Believe In Yourself, Think Outside The Box…

Adam Buxton on David Bowie (Radio Show on BBC6 Radio)
„In a special show Adam Buxton take us on a journey through the weird and wonderful world of one of the UK’s most colourful pop stars. Featuring rare interviews, some unheard for over 30 years, Adam hand-picks some classic BBC Bowie moments, capturing the alternative spirit of Bowie’s ever-changing persona“.

To tribute David Bowie, it is impossible to select just one song. I found in the archive a rare TV Special from 1973: „The 1980 Floor Show“. It was the last performance from Bowie as „Ziggy Stardust“. The Show was recorded for the American TV Market on three nights at Marquee Club in London in 1973. „I Got You Babe“ is performed by Marianne Faithfull in a nun’s habit and David Bowie in a feather boa. And you will meet still Amanda Lear. How good is this Special.

Thank you very much Mr. Jones. (The sound quality will getting better after 30 seconds.)


20 Kommentare

David Bowie (1947-2016)

Es fühlte sich heute Morgen seltsam an, als ein Radiosprecher den Tod von David Bowie verkündete. Schon wieder ein Großer der Musik. Wenn es schon heißt, die Alten sollen es richten, so sind sie doch fast alle nicht mehr da. Zuletzt ging Lemmy von Motörhead. Mit Bowie ist ein weiterer musikalischer Lebensbegleiter gegangen.

5 Jahrzehnte lang umfasste seine Karriere. Seine Wurzeln liegen in den 60er Jahren in London. Er saugte die damalige Stimmung auf, interessierte sich für das Theater, für die Undergroundszene und war jung und hungrig. Als Davie Jones begann er seine musikalische Karriere. Nach der Namensänderung in David Bowie ging es gleich mit seinem Debut „Space Oddity“ in den Rock-Olymp und danach meist fortan nach vorn.

Auch wenn immer das Klischee des singenden Chamäleons genannt wird, was eine Erfindung der Presse ist und seinen Ursprung in einem frühen Songtext von ihm hatte, war Bowie keinesfalls dieses Tier das seine Farben wechselte und sich der Umgebung anpasste.

Dazu passt auch die Aussage seines Biografen Paul Trynka im Guardian:
“Actually, he creates the mask in order to make the art. A chameleon changes to mimic its background. Bowie forces the background to change to mimic him. His great achievement is not to market himself with a persona, it’s to create a persona with which to make art.”

Wie er selber sagte, stand er am meisten nach Erfolgen unter Druck, das zu tun, was man dachte, er tun sollte. Und das war meistens nicht gut. So lernte er seinen Weg zu gehen mit ebenso einigen Fehlschlägen.

1974 ging er, vor der Disco-Welle, nach Amerika und nahm „Young Americans“ auf. 1976 zog es ihn nach Berlin. Er wohnte u.a. bei Edgar Froese (Tangerine Dream), der leider auch nicht mehr unter uns ist, und machte einen kalten Drogenentzug. Aus dieser Zeit entstammte auch die bekannte Berliner Trilogie u.a. mit dem Song „Heroes“. Er war ein früher Trendsetter mit sicheren Gespür für die Balance aus Kunst, Veränderung, Stimmungen und Kommerz mit einer immer wieder neuen Inszenierung.

Bowie sagte in Interviews oft und gelangweilt, das er sich seit den 70er Jahren nicht mehr neu erfunden hatte. Und dennoch goutierte er, vermutlich mit einem Lächeln, wenn sich andere Künstler in Interviews ihn als Vorbild der Camouflage benannten. Musikjournalisten beschrieben ihn in Interviews als schwierig, weil er viel Wert auf das später gedruckte Wort legte. So kontrollierte er die Interviews und sagte das, was er auch veröffentlichen wollte. Waren die Mikrofone ausgeschaltet, zeigte sich der private Bowie, der locker wurde und vermutlich viel erzählte, von dem die Journalisten leider nichts verwenden durften.

Nach einem Herzinfarkt in 2004 zog er sich komplett zurück. Keine Auftritte oder Alben, keine Interviews. Es gibt vergleichbar keinen anderen Künstler den die Journalisten so in Ruhe ließen. Denn jeder wusste: wenn er zurück kommt, dann wie Phönix aus der Asche.

Er schaffte den Sprung vom Künstler zum eigenen Kunstwerk früh. Etwas was nur wenige schaffen. Nicht das er als Künstler nur seine Äußerlichkeit und den Musikstil änderte. Nein, er änderte den ganzen Hintergrund seines eigenen Gemäldes und wurde damit früh künstlerisch unsterblich. 2013 zu seinem 66. Geburtstag, dann der Paukenschlag: es wird ein neues Album von ihm geben. Als erste Single nach 9 Jahren Pause gab es eine melancholische und leicht verstörerische Ballade mit „Where Are We Now“ samt Video. Es war dennoch ein cleverer Schachzug, da Bowie im Video die Vergangenheit, gemeint ist seine Zeit in Berlin, mit der Zukunft verschmolz.

…as long as there´s ME…as long as there´s YOU… (aus dem Song „Where Are We Now?“)

Zuletzt sah man Bowie mit seiner Ehefrau im Dezember 2015 zur Premiere von “Lazarus“, im New York City Theatre, wo er lächelte und einen vitalen Eindruck hinterließ. Nur 1 Monat später erlag er seinem Krebsleiden. David Bowie, der so oft in seinem Leben ein Comeback feierte, hat nun seine letzte Reise angetreten. Sein Werk wird weiterleben und weiter getragen. Er hinterlässt neben der Sprachlosigkeit des Moments eine große Lücke.