Freiraum

Image, Text, Blog & Photography


Changes

Misty Tree
Manche Tage fühlen sich anders an, auch von der Farbe. Eigentlich sollte das Foto im Morgennebel für sich allein sprechen. Etwas Erroll Garner dazu als musikalische Abrundung. Nun steht es in einem anderen Kontext. Manchmal kommt es anders als man es sich gedacht hat.

Heribert Prantl erinnert heute in der Süddeutschen Zeitung an den offenen Brief vom französischen Journalisten Antoine Leiris, der seine Frau beim Anschlag auf das Konzerthaus Bataclan 2015 verloren hatte. Es ist, wie Prantl schrieb, auch eine Antwort auf den Anschlag in Berlin.

„Ich werde euch jetzt nicht das Geschenk machen, euch zu hassen…
Ihr wollt, dass ich Angst habe, dass ich meine Mitbürger mit Argwohn betrachte und meine Freiheit für meine Sicherheit opfere. Vergesst es. Ich bin und bleibe der, der ich bin.“

Ich hoffe und wünsche mir, dass man den Opfern, ihren Familien und Freunden, den Verletzten und Hinterbliebenen in Berlin schnell unterstützt und hilft. Damit sich so eine Tragödie nicht wiederholt, bedarf es auch die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Dafür braucht es Zeit, Ruhe, Vernunft und einen kühlen Kopf. Man kommt aktuell nicht umhin sich ebenso mit den Mechanismen der Angst zu beschäftigen. Dirk von Gehlen (Süddeutsche Zeitung) hat dazu einen lesenswerten Blogartikel verfasst: Gegen den Hass, gegen die Panik Was negativ auffällt ist das Engagement einzelner/vieler für Hetze, Hass und Wut. Damit spielt man nur den Tätern in die Hände. Denn Hass ist hässlich und macht nicht nur blind, sondern auch unendlich traurig.

Gestern Abend, als die ersten Meldungen aus Berlin im Radio zu hören waren, spielten sie Charles Bradley.
click → Charles Bradley – Changes (YouTube-Link)

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Michael Kiwanuka

Zu Beginn eines neuen Jahres beginnt einer immer wiederkehrendes Spiel: Was wird das nächste große Ding im Pop? Die Englische BBC pflegt seit vielen Jahren die Tradition interessante Nachwuchskünstler auszuwählen und mit einem Preis zu küren. Und zur großen Überraschung spielen die anderen Medien wie Zeitungen, Magazine, Radiostationen, Webseiten, Plattenfirmen usw. dabei mit, orientieren sich daran und umverteilen ihre Budgets auf die prämierten Nachwuchskünstler. Eine Win-Win-Situation für alle Seiten.

2012 wurde Michael Kiwanuka auserkoren die Stimme des Jahres (Sound of 2012) zu sein. Der Sohn Ugandischer Eltern wuchs im Norden Londons auf, lernte früh Gitarre spielen und spielte als Begleitmusiker bei einigen RnB und Rockbands mit. Wie Kiwanuka in einem Interview erzählte, hörte er eines Tages eine Instrumentalversion von Otis Redding´s „Sittin‘ On Dock Of The Bay“ und schlagartig war es um ihn geschehen. Er arbeitete sich durch die Geschichte der Soul-Musik mit Augenmerk auf die 60´er Jahre und stellte zu seiner Überraschung fest, dass Soul-Helden wie Curtis Mayfield u.a. auch Gitarre spielten. Er orientierte sich am Werk von Bob Dylan und am Gitarrenstil von Jimi Hendrix. 2011 schloss er seinen ersten Plattenvertrag ab, trat im Vorprogramm von Adele auf und 2012 erschien sein Debutalbum. Nach über drei Jahren Wartezeit ist nun sein zweites Album „Love & Hate“ im Juli erschienen und vorab die Single „Black Man In A White World“. (YouTube-Link)

Mit nur 29 Jahren wirkt Kiwanuka abgeklärt, lässig, fast schüchtern und dennoch bereits weise. Er ist jemand der Musik von innen heraus lebt, gedankenversunken und dennoch am Puls der Zeit. Es gibt viele Künstler die Musik aufnehmen damit sie sich möglichst millionenfach verkauft. Kiwanuka gehört zu denen die Musik spielen der etwas anhaftet was bleibt und ein Statement sind. Wer vorschnell von einem Soul-Album spricht irrt. Mit stilistischer Offenheit ist dieses Album ein zeitloses und kontemplatives Dokument eines herausragenden Sängers, Komponisten und Gitarristen. Der Titelsong ist wahrscheinlich der beste Titel vom Album. Kiwanuka singt im Gospelstil immer wieder „You can’t take me down, you can’t break me down“.

Es ist Musik wie geschaffen für den späteren Abend, wenn die Lautstärke des Tages verflogen ist, die Stille der Nacht eingezogen ist und sich der Bariton von Kiwanuka wie ein Seidenschal sanft um einen legt. Man stelle sich eine Bar vor wo die Geräuschkulisse gedämpft ist und Kiwanuka beginnt zu singen.

Die beiden Live-Aufnahmen aus einem Tonstudio sind Großes Kino. „Cold Little Heart“ beginnt mit einem langen Intro und anschließenden Gitarrensoli für das sich jede Zeit lohnt. Mit dem Titelsong „Love & Hate“, in einer akustischen Version, geht es beseelt, folkig, rockig weiter. Wer in dieses sehr gute Album hinein hören möchte, klickt hier. (YouTube-Link)

„Love & Hate“ ist zwar ein nachdenkliches Album, geprägt von den Erfahrungen Kiwanukas. Doch ihm gelingt das Kunststück all dies auf ein neues Level zu heben und interpretiert den Soul im ursprünglichen Sinne. Wo andere Künstler kritisieren und lamentieren gibt Kiwanuka einem Trost und Hoffnung. Was kann es besseres zur Zeit geben? Vertrauen Sie mir und hören Sie Michael Kiwanuka.


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Caravan: Van Morrison

„Turn up your radio and let me hear the song
Switch on your electric light…“

„Caravan“ is a song by Van Morrison and was originally included on his 1970 album „Moondance„.Later he performed the song together with The Band on „The Last Waltz. But I prefer the excellent and epic Live Version on Morrison´s Album „It´s Too Late To Stop Now“. A song, where Nick Hornby said…between life and its aftermath. One of those magic moments in musical history.

By the early 1970s, Van Morrison had already earned a reputation as one of the more unpredictably mercurial live performers in rock. As rough as his gigs could get, though, Morrison was just as capable of leading his audiences to unparalleled heights — an experience unforgettably captured on his classic double live LP „It’s Too Late to Stop Now.“ (Ultimate Classic Rock)

In his book, Songbook, about his 31 favourite songs, Nick Hornby names „Caravan“ from the live album, It’s Too Late to Stop Now as the song he wants played at his funeral. He writes that „in the long, vamped passage right before the climax Morrison’s band seems to isolate a moment somewhere between life and its aftermath, a big, baroque entrance hall of a place where you can stop and think about everything that has gone before.“

Van Morrison – It´s Too Late To Stop Now 


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Peace Piece

Manchmal kann Musik die nicht beiläufig gehört wird ungeahnte Tiefen offenbaren. Balladeske Klavierklänge die Empfindungen in ihrer ganzen Tiefe zum erklingen bringen. Musik die angenehm nachklingt, wie ein gutes Gespräch oder eine Begegnung, ein gutes Essen, zum Wohlfühlen, Eintauchen und Entspannen. Hörbar gemacht von den beiden Pianisten Bill Evans und Keith Jarrett.

Beginnend mit dem Pianisten Bill Evans und mit seiner pastoralen Improvisation „Peace Piece„. Bill Evans kam 1958, mit 29 Jahren bereits, als Weißer zu Miles Davis und im selben Jahr veröffentlichte er sein Debut „Everybody Digs Bill Evans“. Miles Davis schwärmte von ihm: „Er spielt das Klavier so, wie man es spielen soll.“ Er ist wie jemand schrieb, der große Lyriker des Jazz gewesen. Evans der sich von Satie und Debussy inspirieren ließ und später selbst Inspiration u.a. für Keith Jarrett war, lässt hier die Schönheit und Seele im Jazz erklingen. Kann man Stille hörbar machen? Bill Evans konnte es, da er ein Virtuose auf dem Klavier war, ein unprätentiöser Künstler ohne die große Geste, der bis zuletzt auftrat. Musik kann ein Leben bereichern wenn man sie auf sich wirken lässt.

1934 schrieben Oscar Levant und Edward Heyman das Lied „Blame It On My Youth“, das später zu einem Jazz Standard avancierte und von dem es verschiedenste Versionen bis heute gibt.

Hier zu hören in einer Interpretation von Keith Jarrett, dem nimmermüden Wanderer zwischen Jazz und Klassischer Musik. Die 90´er Jahre waren für Keith Jarrett schwere Jahre da er unter dem chronischen Erschöpfungssyndrom litt. Und eigentlich sollte dieses Album nie erscheinen, da es ein Geschenk an seine Ehefrau war. Es wurde dennoch veröffentlicht. „The Melody at Night, with You“ ist ein Album wo sich u.a. das Lied „Blame It On My Youth“ befindet. Töne zum wohlfühlen, leise und intensiv, fragil und dennoch stark. Eine ergänzende Interpretation und ebenso hörenswerte Version gibt es von der Sängerin Carmen McRae mit dem Liedtext.

Manchmal braucht es den Moment der Stille. Allen ein schönes, frühlinghaftes und vor allem friedliches Osterfest.


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Die Ohren ausputzen

Dieses Mal gibt es eine musikalischen Paarung die das Wirken eines Produzenten und die eines Dirigenten wie auch die Wichtigkeit eines einzelnen Akkords aufzeigen wird.

Vor wenigen Tagen verstarben zwei Große Künstler in der Musik: Sir George Martin im Alter von 90 Jahren, der u.a. die meisten Beatles-Lieder produzierte und der Dirigent Nikolaus Harnoncourt im Alter von 86 Jahren.

Sir George Martin war mehr als nur der Produzent. Er verschmolz die Aufgaben eines Produzenten, die des Arrangeurs und Ideengebers und Mentors zu etwas neuem. Paul McCartney sagte in einem Interview, als er das erste Mal auf Martin traf, das er ihn fragte was er den Beatles beibringen könnte. Martin antwortet ganz Gentlemanlike mit: alles was ihr wollt. Er inspirierte die Beatles, forderte und förderte sie zu ihren kreativen Hochphasen. Als Glanzstück dieser glücklichen Melange aus Genie und Kunst war vermutlich das 1967 erschienene Album „Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band“ und daraus der letzte Song „A Day In The Life„. Ein Song, inspiriert von dem 1 Jahr zuvor vorgelegten Beach Boys Song „Good Vibrations“. Das Lied gliedert sich in zwei Fragmente die jeweils unabhängig voneinander McCartney und Lennon komponierten. Bei den Aufnahmen bestand Uneinigkeit darüber wie man nun beide Fragmente verbinden sollte. Es wurde dann die Variante gewählt ein Sinfonieorchester mit hinzuziehen. Diesen Part übernahm Martin. Die Aufnahmen dazu sollten locker, quasi als Party, ablaufen und so holten man sich Freunde wie Mick Jagger, Keith Richards, Marianne Faithful u.a. mit dazu. Die Sinfonischen Musiker trugen dazu Pappnasen und Hüte und das ganze wurde, wie im Video zusehen ist, auf 16mm Film aufgenommen. Enden tut das Lied mit einem lauten langgezogenen E-Dur-Akkord auf mehreren Klavieren. Die Originalaufnahme habe ich nicht gefunden. Dafür eine remasterte Fassung von George Martin. Dieses Lied inspirierte später andere wie z.B. Queen „Bohemian Rhapsody“ oder Richard Harris „MacArthur Park„.

Nikolaus Harnoncourt wurde am Nikolaustag 1929 in Berlin geboren, siedelte kurze Zeit später ins Österreichische Graz über. 1952 begann seine musikalische Karriere als Cellist bei den Wiener Philharmonikern, damals unter der Leitung von Herbert von Karajan. Anfang der 70´er Jahre, gegen seinen Willen, weil er sich nicht als Dirigent sah, wurde er dennoch Dirigent. Schon früh interessierte er sich für das Alte Werk und fragte sich auf welchen Instrumenten Monteverdi u.a gespielt haben. Denn viele Barockinstrumente gab es nicht mehr und wurden nicht mehr gebaut. Er beschrieb literarisch anschaulich das jeder Akkord ein Motiv hat und suchte das Ursprüngliche in der Musik. Diesen Prozess benannte er in einem Interview mit „Die Ohren ausputzen“. Zeitlebens war er ebenso ein Studierender und Wiederentdecker der Barock-Musik und öffnete diese Schatulle zu einem neuen Klangerlebnis Altes wieder neu zu hören. Doch er spielte nicht nur die Alten Meister, sondern auch Komponisten wie u.a. Beethoven, Schumann, Bizet, Bartok, Gershwin. Und was ebenso eine Lebensleistung ist: er spielte erstmals alle 193 Bach-Kantaten ein.

Den schönsten Nachruf auf ihn schrieb er selbst, als er im Dezember 2015 in einem offenen Brief seinen Rückzug vom Dirigentenpult bekannt gab. „…Zwischen uns am Podium und Ihnen im Saal hat sich eine ungewöhnlich tiefe Beziehung aufgebaut – wir sind eine erfolgreiche Entdeckergemeinschaft geworden! Da wird wohl Vieles bleiben.“

Hier zu hören die Johann Sebastian Bach-Kantate, BWV 147, „Herz und Mund und Tat und Leben“ mit dem Concentus Musicus Wien.


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Spirits

Die Kritik am amerikanischen Establishment gab es schon vor 50 Jahren. Heute und nicht nur darum ein Blick zurück auf die zwei Leben und Karrieren von dem Musiker und Dichter Gil Scott-Heron. Denn er kritisierte stilsicher mit Sarkasmus, Humor und Ironie das Establishment bereits in den 60´er Jahren.

Gil Scott-Heron wurde 1949 in Chicago geboren, wuchs unter ärmlichen Verhältnissen in Tennessee auf. Er lernte den Rassismus und Apartheid früh kennen, was seinen späteren Weg und Motivation stark beeinflusste. 2011 verstarb er in New York, nach einem furiosen und von der Kritik zurecht positiv aufgenommenen Comeback und Tour. Ein viel zu kurzes Leben.

Scott-Heron wurde gern, wegen seiner Texte, der schwarze Bob Dylan genannt und galt zurecht als Vater und Idol für die später populär gewordenen Rap- und Hip Hop-Musik und kommenden Generationen. Schon kurz nach seinem literarischen Debut 1970, nahm er sein erstes Studioalbum mit Rezitationen von sich und Conga Begleitung auf. Gleich auf dem ersten Album findet sich sein vielleicht essentiellster Song „The Television Will Be Not Televised“ (YouTube-Link), der sich in das kulturelle Gedächtnis mehrerer Generation fest einschrieb. Dieser Text hat von seiner Aktualität bis heute nichts verloren. Steht auf, schaltet den Fernseher aus und geht auf die Strasse. Die Revolution findet nicht sitzend vor dem Fernseher statt.

1971 veröffentlichte er das Album „Pieces Of A Man“ (YouTube-Link zum ganzen Album). Ein Meilenstein in der Soul-Musik. Und daraus gibt es „The Bottle.“

Lange bevor es den Rap gab, gab es das „Spoken Word“, den Sprechgesang, den Jazz und Blues und den Soul. Scott-Heron verschmolz diese Stile miteinander und dekonstruierte sie wieder in minimalistische rhythmisch treibende Einzelteile, verschmolz sie mit seiner Lyrik und hatte bereits früh seinen eigenen Stil in der Musik gefunden. Zusammen mit seiner tiefen, warmen Stimme, war er zudem ein Sänger der nicht nur sehr gut singen konnte, der allein durch seine Stimme berührte. Auch wenn man dem Gospel die Spiritualität zuschreibt, so hatte Scott-Heron den Spirit bereits in seiner Kunst.

Er war ein Meister der Worte und fühlte sich ein Leben lang der Literatur mehr zugehörig als zur Musik. Jemand der tiefsinnig analysierte und Worte fand wo andere nach Worten suchten. Seine teils gesprochenen oder gesungenen Worte waren zornig, wütend, anklagend und fordernd. Und selbst Jahrzehnte später hat diese Musik nichts an Kraft eingebüßt.

In Liedern wie „The Bottle“ sang er über die negativen Einflüsse von Drogen und wurde selbst von ihnen herunter gezogen. Sie beendeten sein erstes Leben, wo er keinen Song mehr schrieb, seine Plattenverträge verlor und letztlich ins Gefängnis gehen musste. Statt einer Therapie wurde er wegen geringen Drogenkonsums ins Gefängnis gesteckt. Die Erlebnisse verarbeitete er in seinem letzten Album.

Es dauerte 16 Jahre bis er wieder neue Songs aufnahm und ein neues und sein letztes Album „I´m New Here“ (YouTube-Link zum ganzen Album) veröffentlichte. Der lange Drogenkonsum schlug sich auch auf seine Stimme nieder. Doch klang er nun intimer, berührter, kratziger und gleich feinfühlig anders und auf eine andere Weise kraftvoll. Manche sprachen von einer Wiedergeburt. Doch blieb dieses zweite Leben nur von kurzer Dauer. Am 27. Mai 2011 starb Gil Scott-Heron im Alter von 62 Jahren. Die afroamerikanische Musik hatte einen ihrer einflussreichsten Künstler und Musiker verloren.


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The Voice

Diese Woche wird es leidenschaftlich und die Stimme des Herzens lamentiert und schreit. Wem gehört diese einzigartige Stimme, einer Frau oder einem Mann? Es ist die Sopran-Stimme von „Little“ Jimmy Scott, aufgrund seiner Körpergröße „Little“ genannt. Ray Charles sagte über ihn, das er den Soul in der Stimme verkörperte, lange bevor man diesen Ausdruck kannte. Oder Lou Reed, der sagte, dass diese Stimme einem das Herz brechen konnte.

Jimmy Scott wurde 1925 in Ohio geboren, wuchs unter ärmlichen Verhältnissen, in Waisenhäuser auf. Aufgrund einer seltenen Erbkrankheit fiel seine Pubertät und der Stimmbruch aus. Um der Bühne nahe zu sein, nahm er Aushilfsjobs an. In den 40´er Jahren sang er bereits in der Band von Lionel Hampton, später u.a. bei Charlie Parker. Es war der Anfang. Das Ende folgte in den 60´er Jahren, da er schlechte Plattenverträge unterschrieb und mit schweren Alkohol- und Drogenproblemen zu tun hatte. Sein Freund, der Songwriter Doc Pomus, versuchte vergeblich 2 Jahrzehnte ihm einen neuen Plattenvertrag zu verschaffen.

1991 starb Doc Pomus und Jimmy Scott sang bei seiner Beerdigung „Someone To Watch Over Me“ und bekam anschließend einen neuen Plattenvertrag und Lou Reed holte ihn für sein Album „Magic And Loss“ zu sich. Er feierte ein Comeback, trat u.a. in der Fernsehserie „Twin Peaks“ als singender Geist auf und nahm weitere Alben auf.

2014 starb er mit 88 Jahren. Seine Karriere umspannte mehr als 60 Jahre wo er u.a. mit Charlie Parker, Sarah Vaughan, Lionel Hampton, Charles Mingus, Quincy Jones, Ray Charles, Wynton Marsalis und auch Musiker anderer Genres u.a. David Byrne, Lou Reed, Michael Stipe zusammen arbeitete.

„I appreciate the fact that these things are finally happening for me,“ he told The Plain Dealer in Cleveland in 1997, „but I wish they could have happened earlier in my career so I could have enjoyed the retiring years much better.“ Still, he conceded, “in show business, generally you don’t retire. If you love it, that is, you’re in it forever anyway.“ (Jimmy Scott, Singer Whose Star Rose Late, Dies at 88/The New York Times)

Sein besonderes Credo war seine einzigartige Sopranstimme, die wie Phönix aus der Asche aufsteigt und in keine der herkömmlichen Kategorien passt. Er hatte, wie jemand einst schrieb, etwas „außermusikalisches“. Wo gibt es noch Künstler die aus einem Schmachtfetzen von Simply Red „Holding Back The Years“ etwas im wörtlichen Sinne ergreifendes machen können.

Wer schon immer wissen wollte, was Timing und Seele im Gesang bedeutet, sollte die Kunst eines „Little“ Jimmy Scott studieren, zuhören und dabei lernen. Während andere Künstler an ihrer Gesangstechnik arbeiten mussten, entwickelte sich Jimmy Scott´s Stimme mit den vielen Entbehrungen und Niederlagen seines Lebens. Diese Stimme kann wirklich Herzen brechen.